Corona-Impfstoff

Astrazeneca: Diskussion um Wirkung - Experten schalten sich ein und werden deutlich

Um den Wirkungsgrad des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ist eine Debatte entfacht. Experten wie Christian Drosten und Karl Lauterbach werben für das Vakzin.

Hamm - Die große Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus liegt in den Impfungen. Einige Impfstoffe sind bereits zugelassen, darunter der von Astrazeneca. Doch soll dieser etwas schlechter sein als die der zugelassenen Konkurrenten. Deshalb ist eine große Debatte entfacht. (News zum Coronavirus)

KonzernAstraZeneca
Gründung1999
SitzCambridge (GB), Södertälje (Schweden)
LeitungPascal Soriot, Marc Dunoyer, Leif Johansson

Astrazeneca-Impfstoff: Debatte um Wirkungsgrad - Drosten und Lauterbach verteidigen Vakzin

Die Kernaussage des Ganzen: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca hat einen geringeren Wirkungsgrad als die beiden anderen in Deutschland zugelassenen Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass das Astrazeneca-Präparat bei einer zunächst in Südafrika entdeckten Variante wohl weniger vor milden und schweren Corona-Krankheitsverläufen schützt.

Nun schalten sich immer mehr Experten in die Diskussion um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca ein. Deutschlands wohl gefragtester Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin hält grundsätzliche Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff für unbegründet. Er spricht sich daher für einen breiten Einsatz des Präparats aus.

Christian Dorsten sehe keine Veranlassung, das Vakzin aus schwedisch-britischer Produktion in Deutschland nicht zu spritzen, sagte er im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Wenn er sich die öffentliche Diskussion um diesen Corona-Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei.

Diskussionen um Wirkungsgrad von Astrazeneca: Appell von Karl Lauterbach und Jens Spahn

Auch Jens Spahn (CDU) stellte heraus, dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca sicher sei und es keine Befürchtungen wegen des Wirkungsgrades geben müsse. Der Bundesgesundheitsminister selbst würde sich impfen lassen, sagte er bei RTL. „Ausdrücklich auch mit Astrazeneca. Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff.“

Karl Lauterbach schaltete sich ebenfalls in die Debatte ein. Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca könne bei den meisten Mutationen „schwere Verläufe und Tod verhindern, vielleicht bei allen“, schrieb der Gesundheitspolitiker der SPD auf Twitter. Er werde ab Ende Februar auch regelmäßig als Impfarzt in Leverkusen mitarbeiten. „Das gesamte Team, auch ich, werden uns mit dem Astra-Impfstoff impfen. Wir vertrauen ihm.“

Im Zusammenhang mit der niedrigeren Wirksamkeit von Astrazeneca gibt es auch Berichte über eine geringere Bereitschaft zur Impfung mit dem Vakzin. So kritisierte die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, dass am Wochenende bei einer „Sonderimpfung im medizinischen“ Bereich 54 Prozent von 200 zur Impfung angemeldeten Personen nicht erschienen seien - ohne den Termin abzusagen.

Wirkungsgrad von Astrazeneca: Impfstoff kann bei Mutationen „schwere Verläufe und Tod“ verhindern

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich wegen der geringeren Wirksamkeit in der Rheinischen Post gegen eine Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus - die Probleme ließen sich nicht „wegdiskutieren“.

Ein Unding, meinte Karl Lauterbach. Dieser Boykott-Aufruf sei völlig verantwortungslos. „Wie wollen wir Bürger für diesen lebenswichtigen Impfstoff gewinnen, wenn der Ärztekammerpräsident ihn für Ärzte für nicht gut genug hält?“

Daher verwies der Epidemiologe darauf, dass der Impfstoff von Astrazeneca bei den meisten Mutationen „schwere Verläufe und Tod verhindern“ könne - „vielleicht bei allen“.

Zweifel am Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Virchowbund wird deutlich

Auch der Virchowbund der niedergelassenen Ärzte hat den Corona-Impfstoff von Astrazeneca als elementaren Baustein zum Weg aus der Pandemie bezeichnet. „Wer aus Gründen des Populismus und der Selbstdarstellung den Impfstoff von Astrazeneca schlechtredet, indem er die Wirksamkeit anzweifelt (...), macht sich mitschuldig daran, wenn der Lockdown länger dauert als nötig und gerade die älteren Menschen weiter an Covid-19 sterben“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich.

Nachdem sich auch in Nordrhein-Westfalen einige Rettungsdienst-Mitarbeiter wegen der Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung mit Astrateneca krankgemeldet haben, rät das Gesundheitsministerium nun zu einer gestaffelten Verabreichung des Impfstoffs. „Grundsätzlich sind die auftretenden Nebenwirkungen bekannt und ein Zeichen für die gewünschte Gegenreaktion des Körpers“, betonte eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums.

Rubriklistenbild: © Leszek Szymanski/dpa

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