Bund und Länder beraten

Astrazeneca für alle? Immer mehr Bundesländer heben Impfpriorisierung in Praxen auf

Gibt es bald Astrazeneca für alle? Bund und Länder denken offenbar über eine Aufhebung der Impfpriorisierung in Praxen nach. Drei Bundesländer preschen vor.

Update vom 21. April, 21.47 Uhr: Nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat nun auch Bayern hat den Corona-Impfstoff von Astrazeneca in Arztpraxen für alle Altersgruppen freigegeben. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) teilte am Mittwochabend in München mit: „Die Priorisierung bei Astrazeneca ist ab sofort aufgehoben, der Impfstoff kann in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden.“

Zuvor hatten bereits Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die gleiche Entscheidung getroffen. Der Minister sagte: „Die Ärzte kennen ihre Patienten gut und wissen, wem sie aus dem Kreis der unter 60-Jährigen unter Berücksichtigung der Vorgaben der Ständigen Impfkommission ein Impfangebot mit diesem Wirkstoff machen können - und beraten hierzu ausführlich.“

Dieses besondere Vertrauensverhältnis solle genutzt werden, „denn jede Dosis Impfstoff muss möglichst rasch verimpft werden“, betonte Holetschek. Wegen sehr seltener Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) soll der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland seit dem 31. März in der Regel nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Unter 60-Jährige können sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen.

Astrazeneca für alle? Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern heben Impfpriorisierung in Praxen auf

Hamm - Impfen, impfen, impfen! Es ist die stärkste Waffe, um das Coronavirus in Deutschland zu besiegen - oder mindestens in den Griff zu bekommen. Was vielen ein Dorn im Auge ist: Es geht hierzulande nur schleppend mit den Corona-Impfungen voran. Was sich möglichst bald ändern soll. (News zum Coronavirus)

UnternehmenAstrazeneca
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot (1. Okt. 2012–)
Gründung6. April 1999

Astrazeneca ohne Impfpriorisierung in Praxen für alle? Erstes Bundesland prescht vor

In diesem Zusammenhang könnte sich die Impfreihenfolge, wie es sie auch in NRW gibt, ändern. Zumindest in Teilen. Offenbar beraten Bund und Länder über eine Aufhebung der Impfpriorisierung beim Vakzin von Astrazeneca. Das berichtet der Business Insider und beruft sich dabei auf Kreise der Gesundheitsministerkonferenz.

Hintergrund der Debatte sei, dass es einigen Ländern zu langsam vorangehe, wenn man sich strikt an die in der bundesweit geltenden Impfverordnung verankerten Priorisierung halte. Einige Länder - um welche es sich konkret handelt, wird in dem Bericht nicht genannt - wollen bereits in den nächsten Wochen „mit Einladungen an Berechtigte der Prioritätengruppe 3 für Impfungen mit Astrazeneca beginnen“.

Zu dieser Gruppe zählen unter anderem 60- bis 70-Jährige, medizinisch vorbelastete Menschen, Polizei und Feuerwehr sowie Personal im Lebensmitteleinzelhandel und Wahlhelfer. Nach der aktuell geltenden Verordnung wären diese Personen wohl frühestens Ende Juni/Anfang Juli mit einer Corona-Impfung drangekommen. Die Vorbehalte gegen den Impfstoff von Astrazeneca sind mancherorts so groß, dass einige Impfzentren auf vielen Dosen des umstrittenen Vakzins sitzen bleiben.

Astrazeneca für alle? Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern heben Priorisierung auf

Mit Sachsen ist das erste Bundesland in dieser Thematik bereits vorgeprescht. Dort können sich nun alle Bürger in Arztpraxen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. Damit sei die Impfpriorisierung für diesen Impfstoff komplett aufgehoben, wie Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag (20. April) nach der Kabinettssitzung in Dresden mitteilte.

Dafür gibt es jedoch auch Bedingungen: Die Impfung darf in den am Impfprogramm beteiligten Praxen nur nach einer ausführlichen Beratung erfolgen. Sowohl der Arzt als auch der impfwillige Patient müssen zustimmen.

Auch die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern hat am Mittwoch die Impfpriorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca aufgegeben. Damit sei er für alle Altersklassen unabhängig von der Priorität der Impfkandidaten ab sofort freigegeben, teilte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) mit. Der Impfstoff könne in den Impfzentren, durch mobile Teams, in den Krankenhäusern und von den Hausärzten verimpft werden.

Bisher wurde der Impfstoff nur Menschen im Alter ab 60 Jahren verabreicht.  Laut einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sollen Patienten unter 60 Jahren ausführlich beraten werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Neue Biontech-Dosen nur, wenn Astrazeneca-Überhangt verimpft ist

Am Tag zuvor hatte Mecklenburg-Vorpommern den Druck auf die Landkreise und kreisfreien Städte erhöht. Wer bis kommenden Freitag (23. April) seinen Überhang an Astrazeneca-Impfstoff nicht gespritzt habe, bekomme danach entsprechend weniger vom Präparat Biontech geliefert, kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Nach Angaben von Gesundheitsminister Harry Glawe vom Dienstag liegen in den Impfzentren noch rund 3000 Astrazeneca-Impfdosen aus bisherigen Lieferungen. Vor zwei Wochen waren es noch rund 53.000 gewesen. Mit mehreren Sonder-Aktionen gelang es, den Berg weitgehend abzutragen.

Bis zum Erreichen einer Herdenimmunität gelten weiterhin strenge Corona-Regeln. Und auch die Corona-Warn-App, die nun ein wichtiges Update erhalten hat, bleibt ein Thema. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare