Streit um Wirksamkeit und Nebenwirkungen

Ist die Impfung mit AstraZeneca ausreichend? Experten raten zum Impfstoff-Mix

Mit AstraZeneca verbinden viele die Hoffnung auf eine schnellere Corona-Impfung. Doch es gibt Nebenwirkungen. Betroffene fordern jetzt einen anderen Impfstoff.

Hamm - Zwischen Skepsis und Hoffnung: Der Impfstoff AstraZeneca ist in Deutschland umstritten. Kritisch zu betrachten sind die Nebenwirkungen und die Wirksamkeit gegen die Corona-Mutationen. Für viele eher positiv ist die Altersbeschränkung auf Unter-65-Jährige, die für eine Änderung des Impfplans sorgte. Doch reicht eine Impfung mit AstraZeneca gegen das Coronavirus aus? Betroffene fordern jetzt eine Nachimpfung. (News zum Coronavirus)

KonzernAstraZeneca
Gründung1999
SitzCambridge (GB), Södertälje (Schweden)
LeitungPascal Soriot, Marc Dunoyer, Leif Johansson

Corona-Impfung mit AstraZeneca: Betroffene fordern anderen Impfstoff

Doch kann ein Impfstoff-Mix mit einer weiteren Corona-Impfung wirklich die Lösung sein? Immunologen und Ärzte appellieren gegen die Skepsis gegenüber AstraZeneca. Der Impfstoff sei gut, bestätigten Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, sowie der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb am MIttwoch für das Vakzin von AstraZeneca.

Als Alternative sind in der Europäischen Union noch die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Beide haben prozentual eine höhere Wirksamkeit und leichtere Nebenwirkungen als der Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Es gibt die Sorge, dass weitere Impfberechtigte ihre Termine platzen lassen, weil sie mit AstraZeneca geimpft werden sollen.

Streit um AstraZeneca: Wie steht es um die Wirksamkeit des Impfstoffs?

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca hat im Vergleich zu den Präparaten von Biontech und Moderna eine geringere Wirksamkeit. Das bedeutet, dass ein höherer Prozentsatz der Geimpften erkrankt - wenn man sie mit Nicht-Geimpften vergleicht. Trotzdem handle es sich um einen sicheren und wirksamen Impfstoff, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn.

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl betonte in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen: „Das Mittel von AstraZeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind.“

Durch den verlängerten Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung mit AstraZeneca werde die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 80 Prozent erhöht. Damit ist der Schutz vor Corona deutlich höher als ohne Impfung.

Nebenwirkungen von AstraZeneca: Sind sie wirklich so schlimm?

Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) können bei einer Impfung mit AstraZeneca folgende Nebenwirkungen auftreten:

Bei 54,2% nach Corona-ImpfungenSchmerzen an der Einstichstelle
Bei 63,7% nach Corona-ImpfungenSpannungsgefühl
Bei 53,1% nach Corona-ImpfungenAbgeschlagenheit
Bei 52,6% nach Corona-ImpfungenKopfschmerzen
Bei 44,2% nach Corona-ImpfungKrankheitsgefühl
Bei 33,6% nach Corona-Impfungerhöhte Temperatur
Bei 7,9% nach Corona-ImpfungFieber

Die Symptome sollen nach RKI-Angaben nach der zweiten Dosis mit AstraZeneca deutlich weniger auftreten als nach der ersten Dosis. Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist es andersrum: Hier treten nach der zweiten Impfung deutlichere Nebenwirkungen auf.

Bei Biontech/Pfizer klagen nach der Impfung 47 Prozent der Betroffenen über Abgeschlagenheit und 42 Prozent über Kopfschmerzen. Nach der zweiten Impfung steigt das Risiko Fieber zu bekommen von 4 auf 16 Prozent.

Im Vergleich: Laut RKI treten diese Symptome bei Moderna bei 65 Prozent auf (Abgeschlagenheit) und zu 59 Prozent (Kopfschmerzen). Fieber hatten nach der ersten Impfung mit Moderna 0,8 Prozent, nach der zweiten 15,5 Prozent. Diese Symptome können aber auch Zeichen davon sein, dass der Impfstoff wirkt: Er löst eine Immunreaktion aus, erklärt Immunologe Carsten Watzl.

Unsicherheit über Impfung mit AstraZeneca: Wäre eine andere Nach-Impfung die Lösung?

Der Immunloge Carsten Watzl sieht in einer Nach-Impfung mit einem anderen Corona-Impfstoff eine Lösung für mögliche Zweifel: erst erst mit AstraZeneca und später mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna nachimpfen lassen.

So könne die Wirksamkeit verstärkt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass genug Impfstoff vorhanden ist. Watzl rechnet damit im vierten Quartal 2021.

AstraZeneca-Impfstoff: Experten streiten um Wirksamkeit und Nebenwirkungen

Die Grünen werfen der Bundesregierung Fehler in der Kommunikation vor. Eine Wirksamkeit von 70 Prozent für Impfstoffe keine Seltenheit, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche der Welt.

Auch der wohl bekannteste Virologe Deutschlands, Christian Drosten, wirbt für die Corona-Impfung mit AstraZeneca. Im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info sagte der Experte, er sehe keine Veranlassung, den AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland nicht zu spritzen. Bei der Diskussion sei falsch verstanden worden.

Der Impfstoff soll jetzt bei Einsatzkräften gestaffelt geimpft werden - damit man nicht zu viele Krankmeldungen aufgrund der Nebenwirkungen habe. Da Fieber und erhöhte Temperaturen in mehreren Fällen auftreten können, wird das Personal von Feuerwehren, Polizeien und dem Rettungsdienst nicht auf einen Schlag geimpft.

Bei allem Streit um AstraZeneca: Der Impfstoff schützt nachweislich vor Ansteckung und verringert ebenso den das Risiko, einen schweren Corona-Verlauf zu haben oder an der Krankheit zu sterben. Das bestätigte der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt.

Rubriklistenbild: © Owen Humphreys/dpa

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