Virologe zur Corona-Lage an Ostern

Astrazeneca-Stopp ein Statistik-Fehler? Drosten liefert erschütternde Antwort

Die dritte Welle ist nicht mehr aufzuhalten - so die düstere Prognose von Deutschlands Chef-Virologen Christian Drosten nach dem Astrazeneca-Stopp.

Hamm - Deutschlands bekanntester Virologe Christian Drosten zeichnet ein sehr düsteres Bild für Deutschlands Zukunft. Nach dem Stopp der Astrazeneca-Impfungen rechnet er damit, dass die Situation zu Ostern schlimmer wird als noch Weihnachten 2020 - und das trotz über drei Monaten Corona-Lockdowns. (News zum Coronavirus)

NameChristian Drosten
2007 - 2017Professur Uni Bonn
seit 2017Professor, Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor an der Charité in Berlin
seit 2017Leiter des Fachbereichs Virologie von „Labor Berlin“

Corona-Lage Ostern schlimmer als Weihnachten: Virologe Christian Drosten zum Astrazeneca-Stopp

Dritte Welle, ausgesetzte Corona-Impfungen mit Astrazeneca und die Ausbreitung der Mutation: Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die ansteckendere Virus-Variante B.1.17 aus Großbritannien Überhand nehmen wird. In seinem Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info) sagte Drosten: „Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben wie um Weihnachten herum“. Aber verschärfend komme 2021 hinzu, dass die Mutationen sich immer weiter ausbreiten und auf Ungeimpfte treffen.

Der Virologe geht davon aus, dass die Situation für alle Menschen über 50 Jahre und ohne Corona-Impfung besonders „brenzlig“ - so seine Worte - werde. Er bezieht sich dabei auch auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Aufgrund der steigenden Anzahl von Neuinfektionen hatten das RKI bereits gewarnt.

Jetzt sollen auch beim nächsten Bund-Länder-Gipfel neue Lockdown-Verschärfungen beschlossen werden. Währenddessen versucht es Tübingen im Öffnungen: Kinos, Außengastronomie und Theater sollen im Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ wieder zugänglich sein.

Bedauern über Astrazeneca-Stopp - Impfung weniger Risiko als Corona

Aufgrund dieser Entwicklungen bedauert Christian Drosten den Stopp von Impfungen mit Astrazeneca und die geringeren Liefermengen an Impfstoff in Deutschland und in der EU.

Astrazeneca wird seit Montag nicht mehr in Deutschland verimpft, nachdem das Paul-Ehrlich-Institut empfohlen hatte, die Corona-Impfung vorerst auszusetzen. Seit dem 11. März seien weitere Fälle von Thrombosen in Hirnvenen in Deutschland gemeldet worden. Bei der Analyse des neuen Datenstands sehe man eine auffällige Häufung einer speziellen Form dieser sehr seltenen Thrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit Astrazeneca.

Die Daten werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) weiter analysiert und bewertet. „Wir sind immer noch zutiefst überzeugt, dass die Vorteile des Astrazeneca-Impfstoffs bei der Vorbeugung von Covid-19 mit dem damit verbundenen Risiko eines Krankenhausaufenthalts und dem Tod das Risiko dieser Nebenwirkungen überwiegen“, sagte EMA-Chefin Emer Cooke.

Statistik-Fehler beim Astrazeneca-Stopp? Vor allem Frauen von Thrombose betroffen

Auch der kausale Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose ist noch nicht bestätigt. Christian Drosten sagte, dass man die Häufung „natürlich ernst nehmen und anschauen“ müsse. Dazu gehöre aber auch die Suche nach möglichen anderen Ursachen. Die Thrombose-Fälle hatten sich in der Gruppe der Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften gehäuft.

Christian Drosten möchte die Entscheidung nicht bewerten, er habe keine Hintergrundinformationen. Trotzdem gab er zu bedenken, dass es sich um ein statistisches Problem handeln könnte. Die Thrombosen treten vor allem bei Frauen auf. Das könnte sich auch in den Zahlen spiegeln. In Deutschland wurden vor allem unter 65-Jährige mit Astrazeneca geimpft, vor allem medizinisches Personal und Pflegepersonal. In diesen Berufen sei der Frauenanteil hoch, sagte Virologe Drosten. „Könnte es sein, dass das die Statistik färbt?“ Frauen hätten generell häufiger Probleme mit Thrombosen.

Astrazeneca-Stopp und Mutation: Virologe Drosten über Erkenntnisse aus England

In England hingegen sei keine Thrombosen-Häufung beobachtet worden, obwohl es dort bereits jetzt deutlich mehr Impfungen mit Astrazeneca gegeben habe. Dort werden vor allem Menschen über 65 geimpft.

Die Gefahr einer dramatischen dritten Welle ist laut dem Virologen hoch. Christian Drosten analysierte in seinem Podcast „Coronavirus Update“ mehrere Studien über die Mutation aus Großbritannien. Demnach sei die britische Mutation nicht nur schneller übertragbar, sondern auch gefährlicher geworden. Die Variante soll tödlicher sein: „Und das ist keine gute Botschaft, gerade in diesen Zeiten und in dieser jetzigen Nachrichtenlage.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare