Bundestagswahl 2021

Zwischen Kanzler und Karriereende: Was aus Armin Laschet nach der Wahl werden könnte

Die Umfragen vor der Bundestagswahl 2021 sehen für Armin Laschet (CDU) nicht gut aus. Was wird aus dem NRW-Ministerpräsidenten? Zwischen Kanzler und Karriereende.

Düsseldorf – Beide Werte sind knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl 2021 desaströs: Die Union liegt in Umfragen bei 20 Prozent, und ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) trauen laut ZDF-Politbarometer vom vergangenen Freitag 70 Prozent den Job des Kanzlers nicht zu. Weil sich die SPD und ihr Kandidat Olaf Scholz im Umfrage-Höhenflug befinden, wird es Zeit für die Frage: Was wird aus Armin Laschet, CDU-Chef und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nach der Wahl? Verschiedene Szenarien sind denkbar.

Was wird aus Armin Laschet nach der Bundestagswahl? Szenario 1: Union unter 20 Prozent

Fangen wir mit dem Worst Case an, also dem aus Sicht von CDU schlechtesten Ergebnis bei der Bundestagswahl 2021 am 26. September. Die Union landet mit weniger als 20 Prozent deutlich hinter der SPD, und sogar die Grünen schieben sich noch vor CDU und CSU. Rot-Grün hat im neuen Bundestag eine absolute Mehrheit, benötigt zur Regierungsbildung weder FDP noch Linke. Die politische Karriere von CDU-Chef Armin Laschet wäre damit beendet.

Als Fraktionschef im Bundestag wollen ihn in der CDU nur wenige und in der CSU niemand. Und einfach so als NRW-Ministerpräsident kann er auch nicht weitermachen. Armin Laschet hat deutlich erklärt, dass es für ihn keine Rückfahrkarte nach Düsseldorf gibt. Der WDR spekulierte nun schon, dass der tief gläubige Katholik Laschet noch deutscher Botschafter im Vatikan werden könnte. Vielleicht.

Ganz sicher wird der in diesem Fall gescheiterte Kanzlerkandidat aber noch einen Auftritt auf großer Bühne haben. Als amtierender Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst wird Armin Laschet am 12. Februar 2022 die Laudatio auf Iris Berben halten, die als Nächstes den Preis des Aachener Karnevalsvereins erhält. Helau!

Was wird aus Armin Laschet nach der Bundestagswahl? Szenario 2: Union über 20 Prozent, Zweiter

Im Mai 2019 sagte Friedrich Merz: „Die CDU kann wieder auf 40 Prozent kommen.“ Doch das Mitglied aus Armin Laschets Zukunftsteam musste feststellen, dass diese Prognose utopisch war – so wie seine Einschätzung, die CDU werde ihn zum Parteivorsitzenden und später mit der CSU zum Kanzlerkandidaten machen.

Nach aktuellen Umfragen landet die CDU am 26. September zwischen 20 und 24 Prozent, doch die SPD liegt vorne. Sollte es im neuen Bundestag dennoch für eine Mehrheit aus Union, Grünen und FDP reichen, wird Armin Laschet als Fraktionschef versuchen, ein solches Bündnis zu schmieden. Doch ob die Grünen da mitmachen, ist sehr fraglich. Besonders an der Basis der Grünen ist Armin Laschet für viele ein rotes Tuch.

Bei einem solch historisch schwachen Wahlergebnis der Union wäre offen, ob der Spitzenkandidat überhaupt Fraktionschef wird. So gibt es auffällig wenige gemeinsame Wahlkampftermine von Armin Laschet und Jens Spahn. Der Bundesgesundheitsminister, der Armin Laschet bei dessen Wahl zum Parteichef noch offensiv unterstützt hat, scheint sich jetzt eine gewisse Distanz bewahren zu wollen für den Fall, dass Armin Laschet nach der Bundestagswahl 2021 doch keine Rolle mehr spielt. Jens Spahn wird jedenfalls als möglicher Oppositionsführer gehandelt.

Armin Laschet nach der Wahl als Fraktionschef? Eventuell schafft er es gar nicht in den Bundestag

Wird Armin Laschet Fraktionschef? Unter Umständen stellt sich diese Frage gar nicht. Denn es ist nicht sicher, ob der Aachener den Einzug in den Bundestag schafft. Er kandidiert in seiner Heimat nicht als Direktkandidat, so wie die amtierende Kanzlerin Angela Merkel es tat, sondern will über die NRW-Landesliste einziehen. Zwar steht er dort ganz oben, doch da die CDU traditionell viele Direktmandate gewinnt, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass diese Liste gar nicht zum Tragen kommt. Damit Armin Laschet dann dennoch zu seinem Bundestagsmandat kommt, müsste ein gewählter Abgeordneter verzichten. Gab es alles schon, ist alles nur eine Frage des „Preises“.

Union über 20 und Zweiter hinter der SPD: Für Armin Laschet könnte das aber auch bedeuten, dass er unter Olaf Scholz Vizekanzler in einer sogenannten Deutschland-Koalition aus SPD, CDU und FDP wird. Außenminister wäre doch was für den – und so lautet die Bezeichnung tatsächlich – „Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit“. Ein SPD-Landtagsabgeordneter twitterte am Mittwoch ein Foto, das Armin Laschet beim Verlassen des NRW-Landtags zeigt, und verabschiedete ihn auf französisch: „A bientôt!“ („Bis bald!“).

Was wird aus Armin Laschet nach der Bundestagswahl? Szenario 3: Union über 20 Prozent, Erster

Armin Laschet betont stets, dass Umfragen Momentaufnahmen sind. Als der 60-Jährige vor vier Jahren die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen gewann, war das auch deshalb eine große Überraschung, weil die Umfragen lange Zeit etwas anderes prognostiziert hatten. Armin Laschet siegte gewissermaßen erst kurz vor Schluss.

Das kann sich am 26. September wiederholen. Führt Armin Laschet die Union allen Unkenrufen zum Trotz doch auf Platz eins über die Ziellinie, wird es seine Aufgabe sein, eine Regierung zu bilden. Verhandeln, einbinden und Kompromisse schließen kann der Rheinländer. So könnte er doch noch Kanzler werden.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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