Parteitag am Samstag

Deshalb ist Armin Laschet der Favorit für den Vorsitz der CDU - eigentlich

Armin Laschet gilt als Favorit für den Vorsitz der CDU. Auf dem Parteitag tritt der NRW-Ministerpräsident gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen an.

Hamm - Armin Laschet hat 2017 überraschend Hannelore Kraft (SPD) aus dem Amt des NRW-Ministerpräsidenten gedrängt. Nun steht der 59-Jährige vor dem nächsten Karrieresprung: Er will Vorsitzender der CDU und dann Kanzlerkandidat der Union werden. Angesichts seiner Position ist er der Favorit. Eigentlich.

PolitikerArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 in Aachen
ParteiCDU
AmtMinisterpräsident des Landes NRW

Armin Laschet: Vorteil gegenüber Friedrich Merz und Norbert Röttgen

 Der Dienstag war erneut so ein Tag, an dem Armin Laschet seinen Vorteil gegenüber den parteiinternen Konkurrenten Norbert Röttgen und Friedrich Merz ausspielen konnte. Im Landtag von NRW ging es mal wieder um die Corona-Krise, und Laschet trat als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes – und damit als Macher und Entscheider auf. Im Gegensatz zu Röttgen und Merz hat Laschet ein Regierungsamt inne. Dessen ohnehin große Verantwortung und Bedeutung sind in der Pandemie noch größer geworden. Die Last auf Laschets Schultern wiegt zuweilen schwer. „Es geht um Leben und Tod“, hatte er zu Beginn der Krise gesagt.

NRW-Ministerpräsident, stellvertretender Bundesvorsitzender, Chef des größten CDU-Landesverbandes, der mehr als jeden vierten Delegierten auf dem Parteitag (Samstag ab 9.30 Uhr hier im News-Ticker) an diesem Wochenende stellt. Und nicht zu vergessen: Als Trumpfkarte steht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Vertreter des konservativen Flügels an Armin Laschets Seite. Außerdem neigen Christdemokraten im Gegensatz zu Sozialdemokraten weniger dazu, die eigenen Leute auf offener Bühne zu demontieren. Und beschädigt wäre der Mann aus Aachen, wenn er es am Samstag nicht in den zweiten Wahlgang schafft. Für Laschets Favoritenrolle auf dem Parteitag spricht also sehr viel. Auch wenn er in Umfragen gleichauf mit Norbert Röttgen liegt, der längst nicht nur noch als Außenseiter gilt.

Armn Laschet: Fehler in der Corona-Krise

Aber: Wer Krisenmanager ist, kann auch Fehler machen. Armin Laschet hat Fehler gemacht. Seine Kommunikation in der Corona-Krise war nicht immer klar und eindeutig. Ob Schule oder Schutzverordnung, das Urteil der Opposition ist vernichtend und in Teilen durchaus nachvollziehbar: „Die Landesregierung stiftet mit ihrer Chaos-Kommunikation zunehmend mehr Verwirrung bei den Menschen anstatt für Vertrauen und Akzeptanz in die Maßnahmen zu sorgen“, kommentierten die Grünen am Dienstag die Umsetzung der 15-Kilometer-Regelung in Hotspots. Der andere Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, ging sogar soweit und forderte in diesen Tagen ein Ende des Lockdowns für kleine Unternehmen. Der Sauerländer Merz ist Favorit in konservativen Kreisen der CDU.

Bundeskanzler Armin Laschet? Selbst CDU-Mitglieder haben Zweifel und befürchten, dass dieses Amt für den leutseligen Laschet doch eine Nummer zu groß wäre – selbst dann, wenn seine Familie, wie vom Bruder recherchiert, tatsächlich von Karl, dem Großen abstammen sollte. Ja, im Umgang mit Regierungschefs wie Emmanuel Macron aus Frankreich oder Mark Rutte aus den Niederladen steht Laschet einer Angela Merkel in nichts nach.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, sitzt bei einer Pressekonferenz zu aktuellen politischen Fragen auf dem Podium und nimmt seinen Mund-Nasen-Schutz ab.

Armin Laschet: Suche nach Kanzlerkandidat mit Markus Söder

Doch wenig staatsmännisch waren der ein oder andere Lapsus, den sich Armin Laschet geleistet hat. Spott und Häme gab es für die Maske unter der Nase, den fahrigen Auftritt bei Anne Will im Frühjahr oder sein zumindest missverständliches Statement, Rumänen oder Bulgaren hätten das Coronavirus in die Fleischfabrik Tönnies gebracht. Sieben Jahre her, aber unvergessen sind auch die erfundenen Noten des damaligen Lehrbeauftragten Laschet für verloren gegangene Klausuren an der RWTH Aachen.

Das alles könnte mit der Grund dafür sein, dass Laschet in den Kanzler-Umfragen deutlich hinter Markus Söder liegt. Dem bayerischen Ministerpräsidenten trauen die Menschen mehr zu – auch wenn er nicht wirklich viel mehr und viel Besseres als Laschet geleistet hat. Würde Laschet CDU-Chef, müsste er gemeinsam mit Söder die Frage des Kanzlerkandidaten der Union beantworten. Da ist es sicher nicht falsch und fällt dem Rheinländer auch nicht schwer, freundlich zu sein. „CDU und CSU stehen so eng wie seit Jahren nicht mehr zusammen. Danke an Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder, die die Union seit 2018 wieder zusammengebracht haben. In der Krise bewährt sich das Gemeinsame“, twitterte Laschet am Wochenende.

Der 59-Jährige glaubt zu wissen, was die Delegierten des Parteitags wollen: Ausgleich, Verlässlichkeit und Kontinuität. Hier sieht sich Laschet besonders gegenüber Friedrich Merz, der selbstbewusst auf den CDU-Parteitag blickt, im Vorteil. Laschets menschliche Art könnte den Ausschlag geben.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa-POOL | Federico Gambarini

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