Interview in der ARD

Armin Laschet äußert sich zur Lage in Afghanistan - und erntet dafür Kritik

Armin Laschet hat in einem TV-Interview Stellung zur aktuellen Lage in Afghanistan bezogen. Im Netz erntet der CDU-Kanzlerkandidat dafür reichlich Kritik.

Hamm - Die Bilder der aktuellen Geschehnisse in Afghanistan sorgen weltweit für Entsetzen. Nachdem die radikal-islamistischen Taliban das asiatische Land nach dem Abzug der internationalen Militär-Truppen in Windeseile zurückerobert haben, versuchen unzählige Menschen in Panik, das Land zu verlassen. Die Regierungen vieler westlicher Länder müssen sich nun die Frage stellen, ob die Entscheidungen der vergangenen Wochen und Monate die richtigen waren.

NameArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961, Aachen
Größe1,72 Meter
EhepartnerinSusanne Laschet

Armin Laschet: Reichlich Kritik nach Interview des CDU-Chefs zur Lage in Afghanistan

Armin Laschet, Vorsitzender und Kanzlerkandidat der CDU, stellte sich am Montagabend in den ARD-Tagesthemen den Fragen von Moderator Ingo Zamperoni zur dramatischen Lage in Afghanistan. Der Moderator hakte durchaus provokativ beim Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen nach: „Habe ich das richtig verstanden? Da klammern sich verzweifelte Menschen an startende Flugzeuge, und Ihre größte Sorge ist, dass sich 2015 hier bei uns nicht wiederholt?“

Laschet, der am Montagmittag mit Blick auf den Beginn der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren noch genau diese Aussage („2015 darf sich nicht wiederholen“) getroffen hatte, widersprach Zamperoni: „Nein, das haben Sie nicht richtig verstanden.“

Er habe am Sonntag drei Vorschläge zur Situation in Afghanistan gemacht: Deutschland solle erstens „sofort“ vor Ort sein und die Ortskräfte aus dem Land holen. Zweitens sollen auch Frauen, die besonders unter den Taliban litten - wie Schriftstellerinnen, Künstlerinnen oder Menschenrechtsaktivistinnen - sehr schnell die Möglichkeit bekommen, Afghanistan zu verlassen. Und um „neue, große Fluchtbewegungen“ zu verhindern, müsse man rechtzeitig in der Region helfen, damit die Menschen dort bleiben können. Der CDU-Chef plädiert aber für eine europäische Lösung.

Interview zu Afghanistan: Armin Laschet räumt „Fehlkalkulation“ ein

Die Menschen, „die sich da jetzt verzweifelt am Flughafen drängeln und an Maschinen klammern“, hätten sich „auf uns verlassen“, wirft Ingo Zamperoni ein. „So viele werden wir da gar nicht mehr rausholen können.“ Müsse Deutschland nicht mit anderen Ländern darüber nachdenken, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen? Wichtig sei, entgegnet Armin Laschet, den Prozess zu „ordnen“ - in europäischer Abstimmung. Als erstes müsse man aber „die, die sich auf uns verlassen haben, aus dem Land bringen“ - also die Ortskräfte, die vor Ort mit Kräften aus Deutschland zusammengearbeitet haben. „Es ist jetzt die Zeit der Rettung“, erklärte Laschet.

Moderator Zamperoni meint, dass es jetzt für viele Menschen, „die unsere Hilfe brauchen“, zu spät sei. „Wir müssen erstmal noch alles tun, was geht“, entgegnet Laschet. Danach werde es „weitere Bewegungen“ geben. Immerhin räumt der CDU-Vorsitzende ein, dass die Bundesregierung „eine Fehlkalkulation“ gemacht habe, was die Situation in Afghanistan angeht. „Das muss auch aufgearbeitet werden. Wir müssen Konsequenzen ziehen.“

In den sozialen Netzwerken kommen die Aussagen von Armin Laschet aus dem Tagesthemen-Interview nicht gut an. Zahlreiche Nutzer äußern sich kritisch über Laschets Haltung zur Situation in Afghanistan. Ein großer Kritikpunkt: Seine Aussage „2015 darf sich nicht wiederholen“ decke sich mit der Einstellung der AfD. Ein Twitter-Nutzer formulierte sie um: „Armin Laschet darf sich nicht wiederholen.“

Auch wenn der CDU-Kanzlerkandidat zuletzt auf seiner Wahlkampf-Tour im Sauerland frenetisch gefeiert wurde, sieht es im Beliebtheitsranking weniger gut aus: In den Umfragen verloren sowohl Armin Laschet als auch seine Partei deutlich an Zustimmung - wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021 kein guter Zeitpunkt.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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