Bundestagswahl 2021

Armin Laschet (CDU) im Wahlkampf: Angriffslust in NRW, doch die Sorgen bleiben

Armin Laschet (CDU) steht vor der Bundestagswahl 2021 unter Druck. Auf Wahlkampf-Tour im Sauerland (NRW) zeigt er sich angriffslustig. Doch einige Sorgen bleiben.

Olpe – In der CDU geben viele Männer aus Nordrhein-Westfalen den Ton an. Katholische Männer, die in Berlin mitregieren wollen. Und so spielen zum Start der heißen Phase des Wahlkampfs für die Bundestagswahl 2021 plötzlich Gott und Glaube eine wichtige Rolle. Um Himmels Willen! Beobachtungen aus dem Bundestagswahlkampf im Sauerland mit Armin Laschet.

NameArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 in Aachen
Größe1,70 Meter
EhepartnerinSusanne Laschet
KinderJohannes Laschet, Eva Laschet, Julius Laschet

Armin Laschet: CDU-Kanzerlandidat auf Wahlkampf-Tour im Sauerland

Fast alle sind sie da. Auf dem Schützenplatz Ümmerich in Olpe. Kanzlerkandidat Armin Laschet (aus dem Rheinland und katholisch), Bundesminister in spe Friedrich Merz (aus dem Sauerland und katholisch), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (aus dem Münsterland und katholisch) und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (aus dem Sauerland und katholisch). Von den mächtigen CDU-Bundespolitikern aus NRW fehlen beim NRW-Tag der Jungen Union nur noch Fraktionschef Ralph Brinkhaus (aus Ostwestfalen und katholisch) und der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Carsten Linnemann (aus Ostwestfalen und katholisch).

Dafür ist aber Serap Güler (aus dem Rheinland und gläubig) da. Die Staatssekretärin im NRW-Integrationsministerium gilt als Kandidatin für einen vergleichbaren Job in einer von Armin Laschet geführten Regierung in Berlin. „Diese Mannschaft, die heute hier ist, hätte so viele Leute: Wir könnten glatt die Regierung allein stellen“, sagt Laschet zu Beginn seiner Rede in Olpe. Ein Luxusproblem. Aber auch ein Luxusproblem ist ein Problem.

Armin Laschet (CDU) im Wahlkampf - Friedrich Merz wohl für Regierungsposten gesetzt

Armin Laschet hat angekündigt, dass eine Regierung unter ihm als Kanzler paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein wird. Zudem kann die CDU in der Regierung in Berlin nicht nur aus Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen bestehen. Für die genannten Männer wird es also eng. Gesetzt scheint Friedrich Merz, der Kanzlerkandidat der Herzen und Liebling der Jungen Union – auch an diesem Abend. „So einen brauchen wir in Berlin“, ruft Generalsekretär Ziemiak den mehr als 500 Unionsleuten zu. Spahn gilt als Kandidat für den Fraktionsvorsitz. Der Rest muss schauen, was nach dem 26. September möglich sein wird.

Doch zunächst muss gekämpft werden. Die Umfragen für die CDU/CSU sind wesentlich schlechter als die Stimmung auf dem Ümmerich. Hier feierte seit fast 200 Jahren der Schützenverein St. Sebastianus seine Feste. Dann kam Corona und das vorläufige Aus für solche Veranstaltungen. Heute ist die Junge Union da, und es fühlt sich an wie vor der Pandemie. Die Blaskapelle spielt Marschmusik, die Menschen stehen teils dicht zusammen, die Bierkästen stapeln sich hinter der Theke, und auf den Tischen liegen Kleine Feiglinge und andere Liköre. Die allermeisten Menschen tragen keine Maske. Gefeiert wird schließlich draußen – und nur mit Geimpften, Genesenen oder Getesteten. Übrigens schätzt eine junge Frau von der Einlasskontrolle die Impfquote unter den Gästen auf 90 Prozent. Im Sauerland ist die Welt eben noch in Ordnung...

Armin Laschet (CDU) zeigt sich in NRW angriffslustig

Aber zurück zum Kampf. General Ziemiak gibt am Ende seiner Rede die viel umjubelte Parole aus: „Alles Gute, Gottes Segen, auf in den Kampf!“ Und Friedrich Merz, letzter Redner des Abends, stellt fest: „Wahlkampf bedeutet in erster Linie kämpfen.“ Deshalb habe er sich sehr über Laschets kämpferischen Auftritt auf dem Schützenplatz gefreut. Ganz ohne Stichelei aber geht es bei Merz nicht. „Das war auch notwendig“, fügt er an. Die SPD habe derzeit einen Lauf.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der Union, steht beim Wahlkampfauftakt der Jungen Union von Nordrhein-Westfalen auf der Bühne.

In der Tat zeigt sich Armin Laschet an diesem lauen Sommerabend angriffslustig, siegessicher und in bester Laune. Kein Wunder, hier in NRW ist er unter Freunden, hier ist er willkommen. Zu seiner großen Freude entdeckt er in der zweiten Reihe Wilma Ohly. Olpes Schützenkönigin von 1984 gilt seit Laschets gewonnener Landtagswahl 2017 als gutes Omen, war sie damals doch zusammen mit dem CDU-Politiker auf einem Wahlplakat. „Sollte ich noch leise Zweifel am Sieg gehabt haben, jetzt habe ich sie nicht mehr“, ruft Laschet der Frau zu. Die 85-Jährige ist amtierende Beisitzerin im Bundesvorstand der Senioren-Union und in Olpe eine lebende Legende.

Armin Laschet (CDU): Sprechchöre für den CDU-Kanzlerkandidaten

Beflügelt von der Stimmung auf dem Schützenplatz sucht der derzeit angeschlagene Kandidat die Offensive. Er spricht vom „Schlafwagenwahlkampf à la Olaf Scholz“ und warnt vor einer Bundesministerin Saskia Esken. Schlafwagen? Ja, den Begriff nutzte kürzlich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder für den CDU-Wahlkampf für die Bundestagswahl im September. Auf dem Ümmerich ist das Schnee von gestern. Die „Armin, Armin“-Sprechchöre tun dem Kandidaten sichtlich gut.

Laschets Erzählung lautet: Hier steht das starke Team der Union, dort steht Olaf Scholz, hinter dem sich Kevin Kühnert und Co. verstecken – um nach einem Wahlsieg einen „Anschlag auf das Industrieland Deutschland und unseren Wohlstand“ zu verüben. Elmar Brok, langjähriger EU-Abgeordneter, für den sich Laschet nach seinem Auftritt kurz Zeit für ein Vier-Augen-Gespräch nimmt, sagt hinterher gegenüber wa.de*: „Seine Körpersprache war auf Sieg gesetzt, da war kein Zweifel. Ich fahre mit einem Gefühl nach Hause, das besser ist als das, mit dem ich hergekommen bin.“

Armin Laschet (CDU): Kanzlerkandidat im Wahlkampf unter Druck

Dass Armin Laschet aufs Team als Taktik im Wahlkampf setzt, dürfte seinen persönlichen Umfragewerten geschuldet sein. Die sind bekanntlich schlecht. Und so versucht Laschet die ganze Bandbreite der CDU abzudecken – eben von Friedrich Merz bis Serap Güler. Dabei kennt der konservative Sauerländer die Tochter türkischer Einwanderer – wie Merz beim Zusammentreffen auf dem Schützenplatz selbst sagt – bisher „nur vom Sehen“. Nun, in der Vergangenheit kritisierten sich die beiden Partei-„Freunde“ gerne mal via Fernsehen und soziale Medien deutlich. Heute eint sie der Wille zum Wahlsieg – und der Glaube. „Ich bin sehr froh, Mitglied in einer Partei zu sein, wo ich mich ohne Scham auf Gott beziehen kann“, sagt Güler in ihrer Rede.

Dass es gut 40 Tage vor der Wahl neben Klimawandel und Steuerpolitik auch um den Glauben geht, liegt ausgerechnet an der SPD. Die hatte ein Video produziert, in dem im Stile russischer Matroschka-Puppen aus einer Armin-Laschet-Figur weitere, immer kleinere Figuren mit Gesichtern anderer CDU-Politiker erscheinen. Dabei zeigte eine Sequenz auch Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf – ein weiterer katholischer CDU-Mann aus NRW, der unter einem Kanzler Laschet was werden will in Berlin. Liminski gehöre zu den „erzkatholischen Laschet-Vertrauten, für die Sex vor der Ehe ein Tabu ist“, hieß es in dem Clip. Die Sozialdemokraten haben das umstrittene Video mittlerweile zurückgezogen. Doch auf dem Ümmerich in Olpe, wo Glaube, Sitte und Heimat mehr als nur Programm sind, nutzt Generalsekretär Ziemiak den Angriff auf „unseren Freund Nathanael“ und die „schmutzige SPD-Kampagne“ noch einmal, um die CDU-Anhänger in Wahlkampfstimmung zu bringen.

Ob der Plan aufgeht? Im Konrad-Adenauer-Haus befürchtet man, dass der Bundestagswahlkampf im Schlussspurt doch auf die Frage des Spitzenkandidaten zuläuft – so wie bei den jüngsten Landtagswahlen zu beobachten. Dann müsste vor allem Armin Laschet liefern – und zwar mehr als nur eine kämpferische Rede im Sauerland. An deren Ende ruft der Kanzlerkandidat der CDU ins Mikrofon: „Wir werden gewinnen, weil wir müssen.“ Klingt banal und metaphysisch zugleich. Der Druck auf Armin Laschet ist jedenfalls groß.

Der Wahlkampf verläuft für Armin Laschet alles andere als reibungslos: Bei einem Besuch in den von der Flut-Katastrophe betroffenen Gebieten wurde der CDU-Mann teilweise heftig angefeindet. Zudem machten ihm Plagiatsvorwürfe rund um ein 2009 veröffentlichtes Buch zu schaffen.- *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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