Syrien: Hochrangige Militärs desertieren

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Gegen die Familie von Baschar al-Assad wurde ein Einreiseverbot verhängt.

Beirut - Unterstützt von Panzern haben syrische Regierungstruppen am Samstag die Ortschaft Sarakeb im Norden des Landes gestürmt. Über Assads Familie wurde ein Einreiseverbot verhängt.

Das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees erklärten, die Soldaten seien von Norden in den Ort eingerückt und stießen weiter vor. Sarakeb sei unter Beschuss genommen worden. Dabei wurde nach Angaben des Observatoriums mindestens eine Zivilperson getötet.

Syrien: So wütet Assad gegen sein eigenes Volk

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Beide Gruppen erklärten, die Soldaten würden von regierungsnahen Milizionären, den sogenannten Schabiha, begleitet. Die Truppen durchsuchten Häuser und nahmen Menschen fest. Sarakeb in der Provinz Idlib steht seit Monaten unter Kontrolle von Deserteuren.

Im ganzen Land bezifferte das Observatorium die Zahl der Todesopfer am Samstag auf sechs. Die Örtlichen Koordinationskomitees meldeten sieben Tote. In den vergangenen zwei Monaten hatten die Regierungstruppen mehrere Städte und Ortschaften zurückerobert. Die jüngste Offensive richtete sich gegen die Provinzhauptstadt Idlib im Nordwesten des Landes, Hama und Homs sowie die Region Deir el Sur im Osten.

Am Samstag beschossen syrische Truppen erneut die Rebellenhochburg Homs. Das Observatorium erklärte, seit dem frühem Morgen fielen Granaten auf den dicht besiedelten Stadtteil Chaldije, der noch von Regierungsgegnern kontrolliert wird. Die Koordinationskomitees veröffentlichten ein Video auf ihrer Facebook-Seite, das Rauch über einem Wohngebiet zeigte. Die Bilder sollten aus Chaldije stammen.

Ein UN-Untersuchungsausschuss berichtete unterdessen von Fahnenflucht innerhalb der syrischen Generalität. Es lägen Berichte vor, nach denen hochrangige Militärs, darunter vier Brigadegeneräle, desertiert seien, teilte die Kommission mit. Zudem gebe es Informationen über Unruhen in bislang relativ ruhigen Gegenden wie der Stadt Aleppo.

Einreiseverbot gegen Asma Assad verhängt

Am Freitag hatten die EU-Außenminister die Sanktionen gegen die Familie des syrischen Präsidenten Baschar Assad ausgeweitet. Sie verhängten ein Einreiseverbot gegen Assads Ehefrau Asma und froren deren Vermögenswerte in der Europäischen Union ein. Insgesamt wurden zwölf Personen aus dem Umfeld von Assad mit einem Einreiseverbot in die EU belegt, außerdem werden die Guthaben von zwei Ölgesellschaften in Europa eingefroren. Ein Einreiseverbot war bisher nur gegen den Präsidenten selbst in Kraft.

Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verurteilte in einer Resolution die Menschenrechtsverletzungen seitens der syrischen Behörden. Der gemeinsame Sondergesandte der UN und der Arabischen Liga, Kofi Annan, reiste nach Russland, um sich um eine friedliche Beilegung des Konflikts zu bemühen. In der kommenden Woche will er in China um Unterstützung werben. Das chinesische Außenministerium teilte am Samstag mit, Annan werde am kommenden Dienstag und Mittwoch zu Gesprächen erwartet.

China messe den Vermittlungsbemühungen des ehemaligen UN-Generalsekretärs Bedeutung bei, sagte Außenministeriumssprecher Hong Lei. Allerdings machte er keine Angaben, wer von chinesischer Seite Gespräche mit Annan führen wird. Am Widerstand der Vetomächte China und Russland sind bereits zwei Syrien-Resolutionen im Weltsicherheitsrat gescheitert.

Angesichts der unsicheren Lage in ihrer Heimat räumten die USA Syrern einen vorläufigen Flüchtlingsstatus ein. Auch nach dem Ablauf ihrer Visa dürften sie vorübergehend im Land bleiben, teilte Heimatschutzministerin Janet Napolitano am Freitag mit. Wegen “der ernsthaften Bedrohung ihrer persönlichen Sicherheit“ würden die USA derzeit keine Syrer in ihr Heimatland abschieben.

dapd

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