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Wird das 9-Euro-Ticket verlängert? Diese Ideen werden diskutiert

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn erfährt große Nachfrage. Doch was kommt danach? Es gibt viele Ideen – darunter auch jene, das Angebot bis Oktober zu verlängern.

Berlin – Nicht alle Maßnahmen aus dem Entlastungspaket 2022 können als voller Erfolg verbucht werden. Das durch die Ampelkoalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) beschlossene 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn gilt als eine der gelungeneren Entlastungen aus der Politik. Doch das Angebot, was seit Juni gilt, nähert sich dem Ende: Nach dem August ist Schluss. Was kommt danach? In dieser Frage scheiden sich die Geister. Welche Vorschläge es gibt und woher der Vorschlag kommt, das Angebot des 9-Euro-Tickets bis Oktober zu verlängern, hat die Kreiszeitung zusammengetragen.

9-Euro-Ticket: Wie lange gilt es? Bis August – wenn es nach dem VDV geht, bis Oktober

Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn gilt seit Anfang Juni bis Ende August. Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), sagt gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Wir brauchen schnell eine Nachfolgelösung“. Bis diese gefunden ist, schlägt Wolff eine Übergangslösung vor, nämlich die Verlängerung des vergünstigten Monatstickets. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte eine Verlängerung zuletzt abgewürgt. Für langfristige Lösungen gibt es dennoch verschiedene Vorschläge: ein 69-Euro-Ticket, ein 29-Euro-Ticket oder ein 365-Euro-Jahresticket. Einer der Vorschläge kommt ebenfalls vom VDV.

Wolff sagte der Süddeutschen: „Am besten wäre es, die Aktion als Übergangslösung um weitere zwei Monate zu verlängern. Das Ticket könnte im September und Oktober weiter gelten und so die Bürgerinnen und Bürger von den hohen Energiepreisen entlasten.“ Laut dem VDV-Geschäftsführer würde eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets aus dem Entlastungspaket 2022 Politik und Branche Zeit verschaffen, um eine dauerhafte Nachfolgelösung zu finden. Auch für diese gibt es vom VDV bereits einen Vorschlag. Bereits im Mai 2022 hatte die Linkspartei ebenfalls eine Verlängerung des günstigen 9-Euro-Tickets bis Dezember gefordert.

Nachfolge vom 9-Euro-Ticket: 69-Euro-Ticket ab September? VDV hält das für möglich

Als Nachfolge für das 9-Euro-Ticket kommt vonseiten des VDV der Vorschlag für ein 69-Euro-Ticket. Wolf sagte über den Preis gegenüber der Süddeutschen Zeitung, die Politik könne den Mindestpreis „aus sozialpolitischen Erwägungen – zum Beispiel für die Dauer des Krieges – für Bedürftige auf 29 oder 39 Euro senken.“ Dabei geht es um den monatlichen Preis. Er ergänzt: „Die Menschen sollten Ende August nicht in ein Loch fallen.“ Beim VDV hält man ein 69-Euro-Ticket ab September als Nachfolge vom 9-Euro-Ticket für durchaus umsetzbar. Erst vor kurzem hatte der Geschäftsführer des VDV erklärt „Die Branche ist in der Lage, ab dem 1. September ein solches Klimaticket anzubieten.“

Die Fortführung des 9-Euro-Tickets würde einigen Berechnungen zufolge einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten, mit dem 69-Euro-Ticket würden laut Wolff zwei Milliarden jährlich fällig. Für das laufende Jahr ließen sich diese Kosten seiner Einschätzung nach sogar noch über den Rettungsschirm für Verkehrsunternehmen finanzieren. Doch es werden derzeit noch weitere Alternativen zum 9-Euro-Ticket diskutiert.

Nachfolger 9-Euro-Ticket: Linke votiert für 365-Euro-Jahresticket

Es gibt verschiedene Vorschläge für Nachfolger des 9-Euro-Tickets. Auch die Linke sucht nach Anschlusslösungen, eine könnte das 365-Euro-Jahresticket sein. Ein solches beschrieb der Linken-Verkehrspolitiker Bernd Riexinger gegenüber der Kreiszeitung zuletzt als „machbar und finanzierbar, also vollkommen realistisch.“ Die Idee für das 365-Euro-Jahresticket beinhaltet genau das, was der Name verspricht: ein ÖPNV-Ticket für 365 Euro, welches das ganze Jahr gilt.

Die Verantwortung für die Umsetzung eines Nachfolgers vom 9-Euro-Ticket sieht Riexinger bei der Bundesregierung, da Kommunen und Länder die Aufgabe einer sozial-ökologischen Mobilitätswende nicht alleine stemmen könnten. Widerstand macht der Linken-Politiker vor allem in der FDP aus. Riexinger hatte gegenüber der Kreiszeitung kürzlich erklärt, er habe den Eindruck, „dass es vor allem an der FDP hakt.“ Dieser Eindruck ist nachvollziehbar: Erst vor kurzem hatte Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) erklärt, die Nachfolge des 9-Euro-Tickets sei Ländersache. Wissing sagte, die Länder müssten sehen, „wie sie das finanzieren wollen“.

Verbraucherzentralen für 29-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets

Auch die Verbraucherzentralen unterbreiten einen Vorschlag für die Nachfolge des 9-Euro-Tickets: Geht es nach ihnen, könnte auf das bisherige Monatsticket ein 29-Euro-Ticket folgen. Die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Jutta Gurkmann, hatte gegenüber der dpa erklärt, ein solches Angebot „würde in der Preiskrise alle entlasten, insbesondere aber Haushalte mit wenig Geld, und zudem der nötigen Verkehrswende mehr Schub geben.“

Konkret geht es um ein ÖPNV-Ticket für 29 Euro monatlich, umgerechnet also etwa einen Euro pro Tag. In der Debatte um Anschlusslösungen gibt es noch viele offene Fragen. Klar ist indes, dass der zeitliche Puffer schrumpft, sollte es tatsächlich einen nahtlosen Übergang geben sollen – der immer unrealistischer wird.

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