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365-Euro-Ticket als Nachfolger für 9-Euro-Ticket: Wie es funktioniert - woran es hakt

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Von: Daniel Großert

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Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August aus. Das 365-Euro-Ticket könnte sein Nachfolger werden. Ein Landkreis führt es ein. Deutschlandweit hakt es aber noch.

Hamm - In wenigen Tagen ist Schluss mit der günstigen Nutzung von Bus und Bahn in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland: Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August aus. Seit Wochen wird über mögliche Nachfolger der vergünstigten Monatskarte diskutiert. Ein Modell ist das sogenannte 365-Euro-Ticket, das in einzelnen Verkehrsverbünden bereits existiert. Doch wie funktioniert es?

Die österreichische Hauptstadt Wien war im Jahr 2012 der Vorreiter: Dort konnten die Bürger zuerst für 365 Euro ein Jahr lang den öffentlichen Nahverkehr nutzen - also umgerechnet für einen Euro am Tag. Ein entsprechendes Modell wird auch in Deutschland diskutiert. Denn viele Bürger wünschen sich auch nach Ende des 9-Euro-Tickets eine günstige Möglichkeit, Bus und Bahn zu nutzen.

365-Euro-Ticket: Wie der 9-Euro-Ticket-Nachfolger funktioniert - und woran es hakt

Der wohl prominenteste Fürsprecher des 365-Euro-Tickets ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Der CSU-Politiker hatte sich bereits im Juli für eine Fahrkarte ausgesprochen, die 365 Euro pro Jahr kostet und deutschlandweit für den Nahverkehr gelten soll. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte sich grundsätzlich offen für einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket gezeigt.

Ein Landkreis in Niedersachsen hat nun auch ohne den Bund oder das Land Nägel mit Köpfen gemacht: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg gibt es ab September ein regional gültiges 365-Euro-Ticket. Damit können alle Bürger den „straßengebundenen ÖPNV“ im gesamten Kreis für umgerechnet einen Euro pro Tag nutzen, wie die Kreisverwaltung erklärte. Damit hebt sich der Landkreis Lüchow-Dannenberg von anderen Gebieten ab, in denen auch ein 365-Euro-Ticket angeboten wird. Dort gilt es häufig nur für Schüler und Azubis.

365-Euro-Ticket: Finanzierung ist Knackpunkt für Nachfolger von 9-Euro-Ticket

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat gegenüber dem Bund einen Vorteil: Die Finanzierung des 365-Euro-Tickets war einfach umzusetzen. Wie die Kreisverwaltung mitteilte, wird es mit Fördermitteln des Bundesverkehrsministeriums gestemmt.

Dagegen ist die Finanzierung der große Knackpunkt bei einem möglichen deutschlandweit gültigen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) wiederholte zuletzt im ARD-Sommerinterview seine Ablehnung dafür, eine günstige Fahrkarte für den ÖPNV aus Bundesmitteln zu finanzieren. Doch die Bundesländer, in deren Verantwortungsbereich der öffentliche Nahverkehr liegt, hatten bereits angedeutet, ein 365-Euro-Ticket oder einen anderen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket nur mit Unterstützung des Bundes umsetzen zu können.

In NRW starten die Verkehrsverbünde im September eine Nachfolge-Aktion für das 9-Euro-Ticket. Davon profitieren aber nicht alle Nutzer von Bus und Bahn.

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