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2G in NRW für Jugendliche und Kinder: Experten fürchten langfristige Schäden

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Genesen oder geimpft: Für Jugendliche gilt vielerorts 2G in NRW - etwa für die Teilnahme an Freizeitaktivitäten. Experten fürchten gesellschaftliche Probleme.

NRW - Mehrere Lockdowns, viele Einschränkungen, noch immer strikte Regeln - auch Kindern und Jugendlichen verlangt Corona viel ab. Auch nach zwei Jahren Pandemie ist ein uneingeschränktes und spontanes Leben nicht so einfach möglich. Jugendliche dürfen in vielen Bundesländern - so auch in NRW - nur noch an Freizeitaktivitäten teilnehmen, wenn sie geimpft oder genesen sind. Ärzte und andere Experten warnen vor gesellschaftlichen Folgen.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,9 Millionen (2021)
MinisterpräsidentHendrik Wüst (CDU)

2G für Kinder und Jugendliche: Ohne Impfung oder Genesung

In vielen Bundesländern muss schon ab 14 oder 16 Jahren ein Impf- oder Genesenennachweis vorgelegt werden, wenn Jugendliche an Aktivitäten des sozialen Lebens teilhaben wollen. In NRW können Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren, die nicht geimpft und nicht genesen sind, nicht an Sport- oder Freizeitaktivitäten teilnehmen. Der Kino- oder Theaterbesuch ist zum Beispiel tabu.

Dabei hatte sich die Ständige Impfkommission (Stiko) bei ihrer Empfehlung der Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren dagegen ausgesprochen, die Impfung zur Bedingung zu machen, wenn es darum geht, dass Jugendliche Freizeitaktivitäten nachgehen. Damals (im August 2021) hieß es: „Die Stiko spricht sich jedoch explizit dagegen aus, dass der Zugang von Kindern und Jugendlichen zur Teilhabe an Bildung, Kultur und anderen Aktivitäten des sozialen Lebens vom Vorliegen einer Impfung abhängig gemacht wird.“ Genau das wird allerdings in vielen Bundesländern übergangen.

2G für Kinder und Jugendliche: Experten sehen Probleme

Das wiederum finden viele Experten aus Kinder- und Jugendmedizin, der Politik und aus Verbänden schwierig. So betonte etwa Heike Baehrens, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, gegenüber Welt, dass sie die Aussage der Stiko für richtig halte. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion sagte, Kinder sollten in möglichst vielen Bereichen von 2G und 2G-plus ausgenommen werden. Entscheidend seien vielmehr regelmäßige Tests. Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, befürchtet, dass die exklusive Teilnahme für geimpfte Kinder und Jugendliche an Sport-, Freizeit- und Kulturangeboten zu langfristigen gesundheitlichen und sozialen Schäden führe.

Coronavirus - Kinder werden geimpft
Geimpft oder genesen - 2G für Kinder und Jugendliche bringt Probleme mit sich, wie sich Experten einig sind. © Frank Hammerschmidt

Kritik kommt laut Welt auch von verschiedenen Verbänden - etwa von der Diakonie als Jugendhilfe-Träger. Sie lehnt 2G oder 2G-plus für Minderjährige ab, da solche Regelungen Familien weiter belasteten und bei der Abwägung von Nutzen und Risiko der Impfung zusätzlichen Druck erzeugten. Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, sieht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche, die nicht mehr an Begegnungsorte wie Jugendzentren gehen können, den Anschluss an ihr soziales Netzwerk verlieren.

Für Unmut sorgt derzeit auch, dass der Genesenenstatus von sechs Monaten auf drei verkürzt worden ist - allerdings nicht für alle. Im Bundestag ist er weiterhin sechs Monate gültig. Am Montag, 24. Januar, haben Bund und Länder bei einem weiteren Corona-Gipfel Beschlüsse gefasst. Es geht um PCR-Tests, Quarantäne und Großveranstaltungen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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