Senne-Landschaft

Zweites Wolfsgebiet in NRW: Wölfin in Ostwestfalen-Lippe heimisch

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In NRW wurde ein 922 Quadratkilometer großes Gebiet zum Wolfsgebiet erklärt.

Bielefeld/Paderborn - In Nordrhein-Westfalen ist vermutlich eine zweite Wölfin heimisch geworden. Die Landesregierung hat ein 922 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Bielefeld, Paderborn und Detmold zum Wolfsgebiet erklärt.

Den Behörden lägen inzwischen genügend Nachweise und Anhaltspunkte vor, so dass von einer standorttreuen Wölfin ausgegangen werden könne, teilte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf mit. 

Mit der Ausweisung des neuen Wolfsgebietes können ab sofort Fördergelder für den Schutz von Tierherden beantragt werden. Das gelte auch für eine Pufferzone um das eigentliche Wolfsgebiet herum, womit insgesamtknapp 3400 Quadratkilometer Fläche abgedeckt würden. 

Das Wolfsgebiet Senne

Der Truppenübungsplatz Senne, der im Zentrum des Wolfsgebiets liegt, ist landschaftlich stark von Heide, Moor und Wald geprägt. Für den Wolf gilt das als ein idealer Standort. 

Gerissene Schafe sorgen für Diskussionen

Im Bereich Schermbeck im Kreis Wesel am Niederrhein gibt es bereits ein Wolfsgebiet von ähnlicher Größe. Auch hier ist eine Wölfin heimisch geworden, nachdem der Wolf vor 180 Jahren in den Landschaften des heutigen Nordrhein-Westfalens ausgerottet wurde. 

Die Rückkehr des Wolfes erfolgt nicht ohne Konflikte. Gerissene Schafe sorgen für Diskussionen, Landwirte fordern schnelle Entschädigungen. 

Bei der Wölfin in der Senne, die in den Listen der Behörden die Bezeichnung GW1044f trägt, ist die genaue Herkunft noch nicht geklärt, wie das NRW-Umweltministerium mitteilte. Bei der Wölfin GW954f im Gebiet Schermbeck am Niederrhein sei aber bereits klar, dass sie aus dem Rudel Schneverdingen aus dem Heidekreis in Niedersachsen stammt.

Jüngste Geschehnisse vergrößern Sorge

Beide Wölfinnen haben auch schon mehrere Nutztiere gerissen, wie aus einem Verzeichnis des Landes hervorgeht. Allerdings sei das Problem am Niederrhein stärker, weil dort mehr Schafsherden gehalten werden. 

"Die Senne-Wölfin ernährt sich fast nur von Wildtieren", sagte der Ministeriumssprecher. Aber auch die Wölfin am Niederrhein ernähre sich überwiegend von Wildtieren. Erfahrungen in anderen Bundesländern zeigten, dass Schutzzäune und Schutzhunde die Zahl der Nutztierrisse senkten.

Der Rheinische Landwirtschaftsverband mahnt an, dass die Fördergelder für den Herdenschutz erhöht werden sollten. Zudem müssten DNA-Untersuchungen nach Tierrissen beschleunigt werden. Die jüngsten Geschehnisse in Hünxe im Wolfsgebiet Schermbeck vergrößerten die Sorgen. 

Binnen weniger Tage sei eine Schafherde dort zweimal Opfer von Angriffen geworden. Dabei wurden mehrere Tiere verletzt und getötet, wie der Verband mitteilte. Die Ursache und Umstände seien noch nicht geklärt. 

Kauf von Elektrozäunen zu 100 Prozent fördern

Sollte herauskommen, dass ein Wolf geeignete Herdenschutzmaßnahmen zweimal überwunden und Nutztiere gerissen habe, sei man für eine Tötung des Wolfes, erklärte der Fachausschuss Rinder des Verbandes. 

Nicht nur die Halter von Schafen, sondern auch die Halter von Mutterkühen beispielsweise in der Eifel seien in Sorge. Auch Kälber könnten Wolfsopfer werden und eine Herde in Panik versetzt werden. 

Das NRW-Umweltministerium will die Förderrichtlinien ändern, so das solche Schutzmaßnahmen wie der Kauf von Elektrozäunen künftig zu 100 Prozent statt zu 80 Prozent gefördert werden könnten. Auch die Anschaffung und Haltung von Herdenschutzhunden, die eine spezielle Ausbildung benötigten, sei für die Tierhalter kostenintensiv und soll künftig stärker gefördert werden. 

Es gebe Gespräche auf EU-, Bundes- und Landesebene, die finanzielle Unterstützung zu verstärken. - dpa

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