Experten besorgt

Zwangsheirat: Fälle in NRW sprunghaft angestiegen - Kampagne gestartet

Die Zahl der Fälle von Zwangsheirat in NRW stieg im vergangenen Jahr deutlich an. Experten sind deshalb in Sorge.

Hamm - Die Zahl der von der Polizei erfassten Fälle von Zwangsheirat ist in Nordrhein-Westfalen sprunghaft gestiegen. Nach 14 Fällen im Vorjahr registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 26 Fälle. Das entspricht also einem Anstieg von fast 86 Prozent. Experten gehen zudem von einem großen Dunkelfeld aus. Die landesweiten Fachberatungsstellen beraten im Jahr rund 250 Menschen, die zwangsverheiratet werden sollen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17.947.221 (31. Dezember 2019)
Größe34.110,26 km²

Land startet Kampagne gegen Zwangsheirat: Fälle in NRW sprunghaft angestiegen

Durch die Corona-Lockerungen und die Möglichkeit, wieder zu verreisen, befürchten Experten eine weitere Welle von Zwangsverheiratungen im Ausland. NRW-Gleichstellungsbeauftragte Ina Scharrenbach (CDU) äußerte am Dienstag (15. Juni) ihre Sorge: „Bei einigen endet der Urlaub in einer Zwangsehe. Das ist zutiefst menschenverachtend.“

Betroffen seien laut Sylvia Krenzel, Leiterin der Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat in Bielefeld vor allem Mädchen und junge Frauen (90 Prozent). Durch die Zwangsheirat haben die Betroffenen oft keine Möglichkeit, ihr Leben selbstständig zu planen. Manchmal werde ihnen sogar die Rückkehr nach Deutschland in Schule, Beruf und Studium verwehrt. Etwa jede dritte Hilfesuchende sei minderjährig, einige erst 14 oder 15, berichtet die WAZ.

Viele der Opfer seien in Deutschland geboren und aufgewachsen, einige vor Kurzem nach Deutschland geflüchtet. Die patriarchalisch organisierten Familien stammen aus Marokko, der Türkei, aus dem Kosovo, Syrien oder Irak. Auch in christlichen Ländern gebe es vergleichbare Wertvorstellungen, sagt Sylvia Krenzel.

Kampagne gegen Zwangsheirat: Fälle in NRW sprunghaft angestiegen

Doch nicht nur Frauen sind von Zwangsheirat betroffen. Auch Männer leiden darunter. Laut Krenzel sind vor allem homosexuelle Männer betroffen, die ihre Vorliebe verheimlichen müssen. Die Opfer schieben die Entscheidung, sich den Beratern anzuvertrauen, oft lange vor sich her. Bis es zu spät ist.

Aus diesem Grund hat die Landesregierung nun eine Kampagne gegen die Zwangsheirat. In 23 Städten sollen 1700 Plakate, ein TV-Spot und Auftritte in den sozialen Medien für das Thema sensibilisieren.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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