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Halb NRW ist jetzt Wolfsgebiet – was es mit den neuen Bereichen auf sich hat

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Fast die Hälfte von NRW ist jetzt Wolfsgebiet. Das Land hat neue Bereiche ausgewiesen – und fordert praxisgerechte Regeln im Umgang mit problematischen Wölfen.

Hamm - Im äußersten Nordosten von Nordrhein-Westfalen, im Kreis Minden-Lübbecke, wurden im Juni zwei Lämmer von einem Wolf gerissen – nicht zum ersten Mal. Und auch im Märkischen Kreis wurde bereits mehrfach ein Wolf nachgewiesen. Es gab mehrere Schafs- und Wildtierrisse. Beide Territorien wurden jetzt als neue Wolfsgebiete ausgewiesen. Doch was bedeutet das konkret – für die Anwohner, vor allem aber für Weidetierhalter?

Halb NRW ist jetzt Wolfsgebiet – was es mit den neuen Bereichen auf sich hat

Drei Wolfsterritorien in Niedersachsen grenzen direkt an den Kreis Minden-Lübbecke, in allen wurde die Aufzucht von Welpen nachgewiesen. Zumindest aus einem Rudel überschreiten die Wölfe laut dem Landesamt für Natur, Umweltschutz und Verbraucherschutz (LANUV) nachweislich die Grenze zu NRW – und verursachen in dem angrenzenden Landkreis Nutztierrisse.

Für die Halter der Tiere bedeutet das einen erheblichen Schaden. In ausgewiesenen Wolfsgebieten können Halter eine Unterstützung beantragen, um etwa ihre Tiere „wolfssicher“ einzuzäunen. „Fördergebiete für die Herdenschutzförderung werden ausgewiesen, wenn Wölfe in einer Region mehrfach nachgewiesen wurden und ein Territorium gebildet haben“, erklärt das Umweltministerium.

Das Umweltministerium hat in seiner Mitteilung zu den neuen Gebieten nicht mehr den Begriff „Wolfsgebiet“ verwendet. Stattdessen wird von Fördergebieten und Förderkulissen gesprochen. Auf Nachfrage von wa.de erklärte ein Sprecher Umweltministeriums, dass sich die ausgewiesenen Gebiete „speziell auf die Angebote zur Herdenschutzförderung“ beziehen würden. Daher werde der Begriff „Fördergebiet“ gewählt.

Ein Sprecher des LANUV teilte mit, dass dies eine „Umschreibung dessen ist, worum es geht“. Schutzmaßnahmen würden zu 100 Prozent gefördert. „Das ist das, was damit ausgedrückt werden soll“, so der Sprecher.

Neue Wolfsgebiete in NRW: Sauerland, Kreis Minden-Lübbecke und das Westmünsterland

Neue Förderkulissen sind seit dem 20. September 2023 das „Märkisches Sauerland“ und die „Dümmer-Geest-Niederung“. Außerdem wurde das Wolfsgebiet Schermbeck, das bereits 2018 ausgewiesen wurde, vergrößert und heißt jetzt „Westmünsterland“.

In den Gebieten werden laut Umweltministerium bis zu 100 Prozent der Kosten für investive Herdenschutzmaßnahmen gefördert. Das können Zäune, aber etwa auch Herdenschutzhunde sein. Zusätzlich gibt es großräumige Pufferzonen, in denen ebenfalls Herdenschutzzäune gefördert werden. Für die Maßnahmen stehen 2023 bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung, so das Land.

Übersicht: Neue Wolfsgebiete in NRW

Die Ausweisung von Wolfsgebieten hat also vor allem Vorteile für Tierhalter in den betroffenen Gebieten. Für Anwohner haben die Förderkulissen demnach keine konkrete Bedeutung. Allerdings können sie sich durch ein ausgewiesenes Fördergebiet sicher sein, dass ein Wolf in ihrer Region standorttreu ist. Wer einem Wolf begegnet, sollte bloß nicht weglaufen – und sich im Zweifel sogar einen Schritt nähern.

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