„Hochzeitsstraße“ in Wermelskirchen

Nudeln und Pesto statt Brautmoden: Einzelhändler protestiert gegen Corona-Lockdown

Pasta statt Brautmode: In Wermelskirchen (NRW) hat Unternehmer Jörg Michels - bekannt von der „Hochzeitsstraße“ mit einer besonderen Aktion gegen den Corona-Lockdown protestiert.

Wermelskirchen - Die „Hochzeitsstraße“ ist überregional bekannt. Die kleine Nebenstraße in der Innenstadt von Wermelskirchen (NRW) ist ein Hotspot für Heiratswillige. In 17 Jahren hat Unternehmer Jörg Michels mit seiner Gattin ein kleines Imperium aufgebaut: Ein Fachgeschäft neben dem anderen - alle spezialisiert auf die Bedürfnisse von Paaren, die den Bund fürs Leben eingehen wollen. Hier finden sie alles: Brautmoden, Schmuck und sogar ein Reisebüro für die Flitterwochen. Kartoffelchips und Curry-Ketchup gehörten aber bislang nicht zum Michels Portfolio. Die Corona-Krise machte es nun nötig. (Coronavirus in NRW)

StadtWermelskirchen
Fläche74,66 km²
Bevölkerung35.390 (2019)

Wermelskirchen: Aktion auf der „Hochzeitsstraße“ - Jörg Michels verkauft im Lockdown Chips statt Brautkleider

Denn auch der umtriebige Unternehmer von der „Hochzeitsstraße“ in Wermelskirchen muss sich nun etwas einfallen lassen, denn Brautkleider darf er wegen des Corona-Lockdowns nicht mehr verkaufen. Seine Läden sind zwangsweise geschlossen: „Das macht doch überhaupt keinen Sinn. Wir können völlig sicher und unter Einhaltung jeglicher Sicherheitsstandards unsere Brautpaare beraten. Das Shoppen bei uns ist viel ungefährlicher als im Supermarkt“. Dass dort aber Textilien verkauft werden dürfen, bringt für ihn das Fass zum Überlaufen: „Darum habe ich den Spieß herumgedreht und verkaufe jetzt Lebensmittel.“

Wermelskirchen: Protest gegen Lockdown von der „Hochzeitsstraße“ - Lebensmittel statt Brautmode

Wer nun befürchtet, statt Abendgarderobe würden auf der „Hochzeitsstraße“ nun dauerhaft Tomaten und Gurken verkauft, darf beruhigt sein. Was am Mittwochvormittag in der Carl-Leverkus-Straße in Wermelskirchen ablief, war eine reine Protestaktion - und statt frischer Kartoffeln gab es Chips. Über die eigens eingekauften Waren darf sich nun die Wermelskirchener Tafel freuen, denn um 13 Uhr schloss sich die Ladentür, und im Nu wurde aus dem Kiosk wieder ein Bekleidungsgeschäft.

Nudeln und Pesto statt Brautkleider: Jörg Michels hat in Wermelskirchen mit einer besonderen Aktion gegen die Umsetzung des Corona-Lockdowns protestiert. 

Sein Ziel hat Jörg Michels aber erreicht: Unter großem Interesse der Medien hat er seinem Ärger in Wermelskirchen Luft verschafft. Michels ist sauer auf die in seinen Augen verfehlte Corona-Politik: „Wenn ich die vollmundig angekündigten Hilfen bekommen hätte, bräuchte ich das hier nicht zu machen.“ Für den Lockdown an sich hat er nach eigenem Bekunden vollstes Verständnis, aber nicht so wie durchgeführt wird. „So bringt das doch alles nichts. Lieber einmal alles richtig herunterfahren, damit 90 Prozent der Menschen zuhause bleiben. Dann könnten wir uns nach drei Wochen in den Armen liegen, und Corona wäre erledigt.“

Wermelskirchen: Lockdown-Protest an der „Hochzeitsstraße“ - Unmut über Rücksichtslosigkeit

Wenig Verständnis hat der Unternehmer, dessen Fachgeschäfte in Wermelskirchen lange Zeit die Kulisse für eine einschlägige TV-Produktion boten, für Menschen, die das Virus auf die leichte Schulter nehmen: „Es kann doch nicht sein, dass manche durch die Gegend fliegen und eine Mutation nach der anderen nach Hause schleppen.“

Jörg Michels, Unternehmer aus Wermelskirchen, ärgert sich über die Corona-Politik.

Nun erhofft sich Jörg Michels ein Gesprächsangebot der Politik, denn er würde gerne Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oder den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) persönlich erklären, was er von ihrer Arbeit hält. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Doch angesichts der Berichterstattung verschiedener Medien kann es durchaus sein, dass die Message von der „Hochzeitsstraße“ aus Wermelskirchen ankommt. Seitens der NRW-Landesregierung ist man bereits auf die Aktion aufmerksam geworden und wollte sie unterbinden.

Wermelskirchen: Protest gegen Corona-Lockdown - Jörg Michels wäre Showdown recht gewesen

Doch der Unternehmer aus Wermelskirchen hatte die Ordnungsbehörden der Stadt auf seiner Seite. Über einen Showdown vor laufender Kamera hätte er sich gefreut, doch man hatte sich hinter den Kulissen rechtzeitig mit Gesundheitsministerium verständigt. Dass die kurzfristige Ladenöffnung überhaupt genehmigungsfähig war, lag an einem kleinen Zufall. Irgendwann hatte sich Michels mal Lebensmittelhandel im Gewerbeschein eintragen lassen. Eine Zukunft sieht er darin nicht. Er würde lieber heute als morgen wieder Brautkleider verkaufen.

Heiraten und die entsprechenden Vorbereitungen sind im Corona-Lockdown schwieriger. Der Besuch von Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen ist derzeit gänzlich unmöglich. Mit Blick in die Zukunft, erwägt Eventim Veranstaltungen nur für Personen mit Corona-Impfung. Sind solche Sonderrechte erlaubt? Ein Experte klärt auf. Und die Vergabe der Impfterminen in Deutschland bleibt ein Streitthema. Wann kann ich zur Corona-Impfung? Ein kostenloser Impfrechner gibt die Antwort.

Rubriklistenbild: © Markus Klümper

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