Seit einem Monat verschwunden

Werler JVA-Flüchtling: Daniel V. kann Geburtstag in Freiheit feiern

Werl - Von dem flüchtigen Sicherungsverwahrten aus der JVA Werl fehlt noch immer jede Spur. Derweil konnte der Entflohene seinen Geburtstag in Freiheit feiern.

Update, 16. April

Inzwischen ist es einen Monat her, dass der Sicherungsverwahrte Daniel V. bei einer Ausführung in Bad Salzuflen geflohen ist. Um 12.55 Uhr kam vor vier Wochen die Meldung der Werler JVA. 

Seither wird europaweit nach dem 32-Jährigen gesucht – unter anderem mit mehreren Fahndungsfotos. V. bleibt bislang weiter spurlos verschwunden. 

JVA-Leiterin Maria Look und ein Sprecher der zuständigen Polizei in Bielefeld bestätigten jetzt auf Anzeiger-Anfrage, dass es keine neuen Infos gebe.

Update, 1. April

Unterdessen konnte der Entflohene seinen 32. Geburtstag in Freiheit feiern. Wo er sich aufhält, steht noch immer nicht fest. „Es gibt keinen neuen Stand“, sagt Jörg-Uwe Schäfer, stellvertretender Leiter der JVA Werl, auf Anzeiger-Anfrage.

Daniel V.war in Begleitung von zwei JVA-Bediensteten aus Werl zunächst in Bad Salzuflen mit seinen Eltern unterwegs. In deren Wohnung schloss sich der Sicherungsverwahrte kurz vor Besuchsende im Bad ein „und entwich aus dem Fenster“, wie Justizminister Biesenbach berichtet. Die beiden Beamten lösten schnell den Alarm aus, doch da war der jetzt 32-Jährige schon entflohen. Als Fluchtauto nahm er den silbernen Opel Zafira seiner Eltern mit dem Kennzeichen LIP-NV 102.

Daniel V. war zuvor nach Aussage von Jörg-Uwe Schäfer dreimal mit Hand- und Fußfesseln im Freien unterwegs. Der JVA-Vize betont, dass sich der Sicherungsverwahrte positiv entwickelt habe. Daher habe man entschieden, beim vierten Ausgang auf Fesseln zu verzichten. „Davon hatte er einige Tage zuvor erfahren“, erklärt Schäfer auf Nachfrage. Gut möglich also, dass der Sicherungsverwahrte so seine Tat planen und vorbereiten konnten. Gegen die zwei Bediensteten, denen er entwischt war, läuft ein Dienstrechtsverfahren.

Damit ein „Nachahmer-Effekt“ ausbleibt, hat die JVA für einige Sicherungsverwahrte den begleiteten Ausgang untersagt. In der Werler Justizvollzugsanstalt sind alle Sicherungsverwahrte aus Nordrhein-Westfalen untergebracht. Momentan sind das 135.

Der gebürtige Herforder mit serbischen Wurzeln wird europaweit gesucht. Er wird wie folgt beschrieben: 1,83 Meter groß, kräftige Statur, dunkle Haare und Vollbart. Zuletzt gesehen wurde er mit einer braunen Lederjacke, einer blauen Jeans und hellen Schuhen.

Das wird empfohlen, wenn man auf den Gesuchten trifft

Die Polizei empfiehlt, den Flüchtigen nicht anzusprechen, sondern bei Antreffen sofort den Notruf 110 zu wählen. Zwar sei er vermutlich nicht bewaffnet, aber dennoch gefährlich. Hinweise zum Aufenthaltsort des Gesuchten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Update vom 28. März

Spurlos verschwunden, nach wie vor. Von dem geflüchteten Sicherungsverwahrten Daniel V. fehlt jede Spur, sagt die Polizei Bielefeld. Man befinde sich noch immer auf dem Stand vom Wochenbeginn, so Polizeisprecher Stefan Tiemann auf Anzeiger-Anfrage. Es gebe allerdings auch keine Hinweise, dass der Flüchtige sich mittlerweile einer Straftat schuldig gemacht habe. „Er ist weg – und seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört.“ 

Zunächst war eine eigene Ermittlungskommission bei der Bielefelder Polizei gegründet worden. Mittlerweile werde dem Vorgang im Alltagsgeschäft nachgegangen. Zu Art und Umfang der Fahndung macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Richtig sei aber, so Stefan Tiemann, dass es auch Hinweise aus anderen Bundesländern gegeben habe. Man arbeite sämtliche Hinweise ab. „Und wir haben alles im Blick, wo er sich aufhalten könnte.“ 

Ob sich der Gesuchte auch ins Ausland abgesetzt haben könnte? Dazu sagt die Polizei nichts. Auch nicht zu der Frage, wie lange die Personen geschützt werden, mit denen V. noch eine Rechnung offen haben könnte. Nach wie vor bittet die Polizei aber auch um Hinweise aus der Bevölkerung. Wer hat den 31-jährigen Daniel V. gesehen? Dass er sich im Werler Raum aufhält, davon gehen Insider nicht aus. Schließlich hat der Mann keine sozialen Beziehungen in die Region. 

Daniel V. war am Mittwochmittag der Vorwoche bei einer ungefesselten Ausführung in seinem Elternhaus in Bad Salzuflen den beiden begleitenden JVA-Beamten entwischt. Er hatte sich ins Bad eingeschlossen und war durch das Badezimmerfenster getürmt. Zur Flucht laufen noch immer Ermittlungen auch in der Frage, welches Fehlverhalten der Beamten vorlag – und wie man das in Zukunft verhindern könne. Auch in der JVA Werl laufen Überprüfungen zu weiteren Ausführungen und zu möglichen Konsequenzen aus dem Vorfall.

Update vom 27. März 

Die Flucht des gefährlichen Häftlings aus der JVA Werl war am Mittwoch Thema im Rechtsausschuss des Landtags in Düsseldorf. Justizminister Peter Biesenbach (CDU) legte dar, warum Daniel V. bei der Ausführung nicht gefesselt war. 

Update vom 26. März

16.55 Uhr: Noch immer ist Daniel V.auf der Flucht. Wie ein Sprecher der Polizei Bielefeld am Dienstagnachmittag mitteilte, fehle weiterhin jede Spur des 31-Jährigen. 

11.25 Uhr: Nach der Flucht des Sicherungsverwahrten Daniel V. wird NRW-Justizminister Peter Biesenbach im Rechtsausschuss des Landes am Mittwoch Bericht erstatten. In dem Bericht wird der CDU-Politiker auch die Umstände der Flucht näher erläutern.

Inhalte: Das steht im Bericht

Demnach ist der 31-jährige deutscher Staatsbürger. Er sei sich im Rahmen einer „Ausführung zur Erhaltung der Lebenstüchtigkeit entwichen.“ 

Laut der Leitenden Oberstaatsanwältin in Bielefeld sei V. am 10. Februar 2015 durch die 2. große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld „wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Führen einer halbautomatischen Kurzwaffe zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt“ worden. 

Mit Urteil vom 18. September habe das Landgericht Bielefeld die zunächst vorbehaltene Sicherungsverwahrung angeordnet. Nach Ablauf der Freiheitsstrafe befand sich der Verurteilte seit dem 20. März 2018 in der JVA Werl in Sicherungsverwahrung. Auch auf die Leitung der JVA wird sich der Minister stützen.

Seit Mai 2018 in Therapie

Seit Mai 2018 habe sich der Gesuchte auf der sozialtherapeutischen Abteilung befunden. „Der Untergebrachte war an das Behandlungsteam der Abteilung therapeutisch eng angebunden“, so heißt es in dem Bericht. 

Zunächst wurden drei Ausführungen - mit Hand- und Fußfesseln - zur Erhaltung der Lebenstüchtigkeit durchgeführt, davon zwei im Stadtgebiet Werl (2018) und zuletzt in die elterliche Wohnung nach Bad Salzuflen (2019). Untergebrachte der Sicherungsverwahrung hätten grundsätzlich einen Anspruch auf vier Ausführungen pro Jahr. 

JVA-Vize Jörg-Uwe Schäfer betont, der Sicherungsverwahrte habe sich positiv entwickelt, seinen Realschulabschluss machen wollen, therapeutische Angebote genutzt. 

Bei einer Vollzugskonferenz sei unter Abwägung zwischen dem Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit und dem Resozialisierungsinteresse des Untergebrachten am 20. Februar entschieden worden, bei der Ausführung am 20. März „erstmalig von einer Fesselung abzusehen“. 

„Diese Ausführungen dienen der Erhaltung der Lebenstüchtigkeit, der Förderung der Mitwirkung an der Behandlung oder der Vorbereitung weiterer vollzugsöffnender Maßnahmen“, so die JVA Werl. All das könne besser erreicht werden, wenn die Untergebrachten nicht gefesselt sind, „da sie andernfalls als Gefangene identifiziert werden können“. 

Daniel V.: So lief seine Flucht

Am 20. März nun sei V. gegen 12.50 Uhr bei einer Ausführung die Flucht aus der elterlichen Wohnung gelungen. Dabei war er erstmals nicht gefesselt. „Die Ausführung wurde von zwei Bediensteten begleitet und fand zunächst im Stadtgebiet von Bad Salzuflen gemeinsam mit den Eltern des Untergebrachten statt. Im späteren Verlauf begab man sich in die elterliche Wohnung, um dort gemeinsam das Mittagessen einzunehmen“, heißt es in dem Bericht. 

„Kurz vor Antritt der Rückreise begab sich der Untergebrachte in das dortige Badezimmer, schloss sich ein und entwich aus dem Fenster.“ Als das die beiden begleitenden Bediensteten bemerkt hatten, seien sie dem Flüchtenden nachgeeilt, hätten ihn allerdings nicht mehr ergreifen können. 

Es bestehe der „Verdacht“, dass V. mit dem Fahrzeug der Eltern floh, einem silbernen Opel Zafira mit dem Kennzeichen „LIP-NV 102“. 

Protokoll: Das passierte nach der Flucht

Die begleitenden Bediensteten hätten

  • um 12.52 Uhr zunächst die JVA Werl und 
  • um 12.54 Uhr die Polizei per Notruf informiert. 
  • Gegen 13 Uhr trafen laut Bericht die ersten Einsatzkräfte der Polizei ein. Ihnen wurden die mitgeführten Unterlagen zu V. mit aktuellem Foto ausgehändigt. Die in der JVA Werl zusammengetragenen Informationen über Außenkontakte seien „zeitnah“ an die Kreispolizeibehörde Lippe übermittelt, 
  • um 15.02 Uhr die Presse informiert und um 16.50 Uhr die Rufbereitschaft der Staatsanwaltschaft Bielefeld als Vollstreckungsbehörde in Kenntnis gesetzt worden. 

Haftbefehl am 21. März erlassen

Am 21. März wurde von der Staatsanwaltschaft Bielefeld ein Haftbefehl gegen V. erlassen und zunächst die nationale Ausschreibung zur Festnahme veranlasst. Zudem wurde die Öffentlichkeitsfahndung angeordnet. Der Erlass eines Europäischen Haftbefehls sowie die internationale Ausschreibung erfolgten kurz darauf.

Maßnahmen zum Schutz getroffen

Mit Stand 21. März gab es „keine Erkenntnisse, dass der Verurteilte seine Flucht zur Begehung weiterer Straftaten genutzt hat“. Der Präsident des Oberlandesgerichts Hamm hat dem Ministerium am 22. März berichtet, „dass Maßnahmen zum Schutz etwaig gefährdeter Justizbediensteter oder Verfahrensbeteiligter getroffen seien.“ 

Darüber hinaus gab es keine Informationen, „um den Erfolg der Maßnahmen nicht zu gefährden.“ Der Minister wird ankündigen, dass die Flucht des Sicherungsverwahrten Anlass ist „für weitere dienst- und fachaufsichtsrechtliche Prüfungen, insbesondere hinsichtlich der Beaufsichtigung des Untergebrachten sowie der angeordneten Sicherungsmaßnahmen“. 

Hinweise auch aus anderen Bundesländern

Unterdessen teilt die Polizei in Bielefeld mit, dass der Aufenthalt des 31-Jährigen weiterhin unbekannt ist. „Hinweise aus der Bevölkerung haben bislang nicht zur Ergreifung des Flüchtigen geführt.“ Hinweise zum Aufenthaltsort seien dabei nicht nur aus dem regionalen Bereich erfolgt, sondern auch aus anderen Bundesländern. 

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei Bielefeld gebe es aber keine sogenannte „Todesliste“. Auch gebe sich bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass V. Hilfe bei seiner Flucht erhalten hat. Die Polizei treffe Schutzmaßnahmen bei Personen, „für die nach Bewertung sämtlicher Fakten eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann“. 

Angaben zu den Personen sowie zur Art und Dauer der Schutzmaßnahmen macht sie nicht.

9.20 Uhr: Nach der Flucht von Daniel V. aus der Sicherungsverwahrung der JVA Werl ist die Polizei nach wie vor auf der Suche nach dem Mann. 

"Wir suchen weiterhin so intensiv nach ihm wie am Anfang", sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag in Bielefeld. Eine heiße Spur gebe es allerdings noch nicht.

Es gebe "vorsorgliche Schutzmaßnahmen" für einige Personen "unter anderem aus dem Justizbereich", die als möglicherweise gefährdet einzustufen seien, sagte ein Polizeisprecher. Genauere Angaben zu den Personen oder den Vorkehrungen machte er nicht. 

Bei der Suche nach dem Mann würden "neuralgische Punkte" - etwa Bahnhöfe oder öffentliche Plätze - besonders kontrolliert und frühere soziale Kontakte des 31-Jährigen überprüft.

Update vom 25. März

13.26 Uhr: Wie die Polizei Bielefeld am Montag gegenüber der Deutschen Presseagentur berichtete, kontrolliere die Polizei zur Zeit besonders "neuralgische Punkte" - etwa Bahnhöfe oder öffentliche Plätze - und frühere soziale Kontakte des 31-Jährigen. Man habe mehrere Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, die noch nicht alle ausgewertet seien. Es gebe bislang keine heiße Spur.

13.02 Uhr: Die beiden Beamten der JVA Werl, die den flüchtigen Daniel V. beim Besuch seines Elternhauses entwischen lassen haben, erwarten Disziplinarverfahren. Es gebe ausreichend Anhaltspunkte dafür, dass sie ihrer Verpflichtung nicht in ausreichendem Maße nachgekommen sind, sagte Dr. Marcus Strunk, Sprecher der Landesjustizvollzugsdirektion, auf Anzeiger-Anfrage. 

Klar sei: Eine solche Flucht, wie am Mittwoch vorgekommen, „darf nicht passieren, dafür waren die beiden ja dabei.“ Gleichwohl komme das nun einzuleitende dienstaufsichtsrechtliche Verfahren nicht einer Vorverurteilung gleich. Es gelte zu hinterfragen, welche Fehler die Beamten gemacht haben, sodass Daniel V. überhaupt durch ein Fenster des Elternhauses flüchten konnte. 

Das werde das Disziplinarverfahren zu klären haben, das sich aber sicher einige Zeit hinziehen werde, sagt Strunk. Zu den Vorwürfen werden die beiden Beamten auch angehört. Im Ergebnis können die Folgen von einem Verweis bis zur Entfernung aus dem Dienst reichen.

12.41 Uhr: Die Flucht von Daniel V. schlägt nun auch politische Wellen bis in die Landeshauptstadt Düsseldorf. Am Mittwoch um 13 Uhr wird der Vorfall Thema im Rechtsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen sein. Das kündigte Justizsprecher Ralf Herrenbrück auf Anfrage unserer Redaktion an. 

Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sei über die Vorgänge der Flucht informiert, werde am Mittwoch im Ausschuss der Politik sowie den Medien Rede und Antwort stehen. Darüber hinaus hat sich das NRW-Justizministerium zu den Umständen der Flucht bislang weiter nicht geäußert.

11.47 Uhr: Die Justizvollzugsanstalt Werl stellt nach der Flucht von Daniel V. weitere Ausführungen in der Sicherungsverwahrung auf den Prüfstand. Es könne sein, dass man von der „ein oder anderen Ausführung“ zunächst absehen werde, sagt der stellvertretende Anstaltsleiter Jörg-Uwe Schäfer auf Anfrage. 

Damit wolle man zur Beruhigung der Lage nach der Flucht des Untergebrachten Daniel V. beitragen. Klar ist: Die Flucht des 31-Jährigen in Bad Salzuflen sorgt für erheblichen auch medialen Wirbel. Und er ist Anlass, auch andere Ausführungen für weitere der derzeit 140 Sicherungsverwahrten des Landes NRW, die allesamt in Werl untergebracht sind, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. 

„Wir schauen in allen Fällen, ob die Entscheidungen richtig sind und ob wir so verfahren können, wie bislang geplant“, sagt Schäfer. Schließlich wolle man keinen Fehler machen. Das heiße aber nicht, dass es bei der Planung der Ausführung von V. Pannen gegeben habe

Noch immer aber könne man nichts sagen zu der Frage, ob die beiden begleitenden Beamten der JVA Werl bei der erstmals ungefesselten Ausführung von V. am Mittwochmittag einen Fehler gemacht haben oder nicht. Er habe die Aussagen der Beamten dazu noch nicht studieren und auswerten können, sagt Schäfer. 

Krisenstab eingerichtet

Die Fahndung nach dem als gefährlich geltenden Flüchtigen hat Vorrang, auch müsse intensive Pressearbeit geleitet werden. „Aber natürlich haben wir da noch viele Fragen.“ In der JVA Werl ist mittlerweile ein Krisenstab eingerichtet worden, um die Kommunikationswege kurz zu halten. Vor allem forsche man nach der so genannten„Todesliste“, über die in Medien spekuliert wird. Sie soll Namen von Menschen enthalten, an denen der Geflüchtete sich rächen wolle. 

Es gebe zwar keinerlei Hinweise auf die Existenz einer solchen Liste, zurzeit entbehre die Spekulation jeder Grundlage. Aber dennoch müsse man das „ernst nehmen“, sagt Schäfer. Auch hat die JVA Werl einen Hund in den Trakt der Sicherungsverwahrung kommen lassen, der auf das Aufspüren von Handys spezialisiert ist. Es gebe aber auch danach keinen Hinweis, dass V. aus der SV heraus einen „Parallelkommunikation“ aufgenommen habe und es damit einen „illegalen Handybesitz“ gab. 

Korrekte Bezeichnung "Verwahrter" - kein Häftling

Nach wie vor ist der Geflohene spurlos verschwunden. Zeugen haben sich nach der öffentlichen Fahndung offenbar nicht gemeldet. Es gebe auch keine Hinweise auf Straftaten, die in irgendeiner Form in Zusammenhang mit V. gebracht werden könnten, sagt Schäfer. 

Was in der bundesweiten Medienbetrachtung völlig durcheinander gerät ist die Bezeichnung des Flüchtigen. Mittlerweile wird berichtet, V. sei als „Häftling“ aus der Strafhaft in Werl entwichen. Dabei ist er kein Häftling, sondern gilt als „Verwahrter“ oder „Untergebrachter“. Die Sicherungsverwahrung ist von der Haft getrennt zu sehen. 

Hier werden Menschen untergebracht, die ihre Strafhaft bereits verbüßt haben, aber dennoch nicht in Freiheit entlassen werden können, weil sie noch immer als gefährlich gelten. Vor einigen Jahren war dazu ein eigener Trakt auf dem Gelände der JVA Werl gebaut worden, mit 140 Plätzen. Dieser Trakt ist derzeit voll belegt – bis auf den Bereich von V. ...

10.30 Uhr: Der Sicherungsverwahrte Daniel V. hat nach Informationen der Lippischen Landeszeitung angekündigt, mehrere Personen umbringen zu wollen. 

Laut Angaben der Bild-Zeitung stehen seit dem Wochenende etwa zehn Personen unter Polizeischutz. Darunter sollen die Ex-Freundin des Flüchtigen, ein Rocker, einige Bekannte und auch ein Richter sein.

Die Polizei in Bielefeld sei in höchster Alarmbereitschaft. „Die Fahndung läuft, insbesondere die Prüfung von Kontaktpersonen und neuralgischen Punkten“, erklärt Polizeisprecher Stefan Tiemann. 

Daniel V.: Ermordung offenbar gegenüber Therapeuten angekündigt

Die Lippische Landeszeitung bezieht sich zudem auf „gut unterrichtete Quellen“, die besagen, dass V. im Vorfeld sowohl seine Flucht als auch die Ermordung einiger Personen gegenüber einem Therapeuten angekündigt habe. Anschließend wolle er nach Werl zurückkehren. 

Denn in der Anstalt fühle er sich wohl. Der stellvertretende Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl, Jörg-Uwe Schäfer, gibt an, ihm sei von einer Ankündigung der Flucht oder gar von Tötungsabsichten nichts bekannt: „Gegenüber seinem Therapeuten hat er sich so nicht geäußert. In einem solchen Falle hätte Herr V. die JVA auch nicht verlassen dürfen“, sagt Schäfer.

Daniel V.: Diverse Sicherheitsmaßnahmen

Die Polizei und das Landgericht Bielefeld nehmen die Situation sehr ernst. Zum Schutz der möglicherweise bedrohten Personen wurden diverse Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. „Es wurden alle beteiligten Richter gewarnt“, bestätigt Guiskard Eisenberg, Sprecher des Landgerichts. 

Dies sei direkt nach der Mitteilung über den Ausbruch am Mittwochabend erfolgt. Die Polizei habe die Absprache mit der Justiz bezüglich eingeleiteter Schutzmaßnahmen bestätigt. Wie genau die aussehen, wollten die Ermittler, laut Lippischer Landeszeitung nicht sagen. 

V. soll unter Wahnvorstellungen leiden und eine dissoziale Persönlichkeitsstörung haben.

Update vom 21. März

Der Mann ist mit dem Wagen seiner Eltern unterwegs, einem silbernen Opel Zafira mit dem Kennzeichen LIP-NV 102. "Er hatte den Autoschlüssel und ist damit getürmt", sagt Jörg-Uwe Schäfer, stellvertrender Leiter der JVA Werl.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte überprüft, ob es eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem 31-Jährigen geben soll. Da das als schwerwiegender Eingriff gilt, ziehen sich solche Prüfungen in vielen Fällen hin - im Fall von Daniel V. offenbar nicht. 

Die JVA Werl hatte die öffentliche Fahndung empfohlen. So kann mit einem Foto des Flüchtigen gefahndet werden - und auch das Kennzeichen des Fluchtautos konnte so veröffentlicht werden.

V. floh bei ungefesselter Ausführung

Der Mann war zwei Beamten im Haus seiner Eltern in Bad Salzuflen entwichen, als er erstmals eine ungefesselte Ausführung absolvierte. Ob den Beamten der JVA Werl ein Vorwurf zu machen ist, das werde selbstverständlich geprüft, sagt Jörg-Uwe Schäfer. Die Beteiligten seien aber nach dem Ereignis erstmal "durch den Wind".

Daniel V. ist circa 185 cm groß, von kräftiger Statur, mit kurz rasiertem Haupthaar und einem Vollbart, teilt die Polizei Bielefeld mit. Zuletzt war er mit einer braunen Lederjacke, einer blauen Jeanshose und hellen Schuhen bekleidet.

Kein Tötungs- oder Sexualdelikt in der Akte

Der Mann sei "vielfältig einschlägig vorbestraft", sagt Schäfer. Allerdings hat er weder Tötungs- noch Sexualdelikte in der Akte stehen. 

Das Gericht ging damals bei seiner Verurteilung aber von einem Hang zu Straftaten bei ihm aus. Und natürlich wisse man nicht, wie er sich jetzt in der Drucksituation der Flucht verhalte. 

Weiterhin gehen die Justizbehörden aber davon aus, dass der Sicherungsverwahrte nicht bewaffnet ist. "Im Haus der Eltern gab es keine Waffen- und die Beamten haben ihre wieder mitgebracht."

Die Polizei empfiehlt, den Flüchtigen nicht anzusprechen, sondern bei Antreffen sofort den Notruf 110 zu wählen. Hinweise zum Aufenthaltsort nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Hier lesen Sie unsere Erstberichterstattung vom 20. März

Ein Sicherungsverwahrter aus der JVA Werl ist am Mittwoch geflüchtet. Der 31-jährige Mann wird seit 12.55 Uhr gesucht - er saß zuvor unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung ein und wird als gefährlich eingestuft.

Der Sicherungsverwahrte flüchtete am Mittwoch im Rahmen einer Ausführung zu seinem Elternhaus nach Bad Salzuflen. Es war die vierte Ausführung. 

Bei den drei Ausführungen zuvor war er gefesselt und unauffällig gewesen, sagt der stellvertretende JVA-Leiter Jörg-Uwe Schäfer auf Anfrage unserer Redaktion. Nun nutze er den ersten ungefesselten Besuch zur Flucht.

"Das ging alles sehr schnell"

Grundsätzlich stehen Sicherungsverwahrten vier Ausführungen im Jahr rechtlich zu. Zwei Beamte der JVA Werl hatten den Mann begleitet. In dem Haus in Bad Salzuflen habe er sich unvermittelt in ein Zimmer eingeschlossen und sei dann durch ein Fenster geflohen, sagt Schäfer. „Das ging alles sehr schnell.“

Die begleitenden Beamten hätten sich „überrumpelt“ gefühlt. Sie müssen nun aber noch ausführlichen befragt werden. Die Beamten seien nicht verletzt worden, es habe keinen Übergriff gegeben. Weil die bisherigen Ausführungen unauffällig waren, sei die Flucht „nicht erwartbar“ gewesen.

Große Fahndung nach dem Flüchtigen

Intensive Fahndungsmaßnahmen der Polizei sind unmittelbar eingeleitet worden, zunächst allerdings erfolglos. Bislang fehle jede Spur von ihm. Laut Angaben der Polizei Lippe soll er sich mit einem silbernen Opel Zafira auf der Flucht befinden. 

Sowohl das Kennzeichen des Wagens, als auch eine detaillierte Beschreibung des Mannes wolle man noch nicht veröffentlichen.

Der Mann sitzt auch deswegen in Sicherungsverwahrung, weil er trotz beendeter Verbüßung der Strafhaft als gefährlich gilt. 

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Bewaffnet ist er offenbar nicht. Der 31-Jährige verbüßte bis vor einem Jahr eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten wegen „gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Führen einer halbautomatischen Kurzwaffe“; seitdem befand er sich in der Sicherungsverwahrung der JVA Werl. 

Schäfer zufolge gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Getürmte in Richtung Kreis Soest flieht, da sein einziger Bezugspunkt die JVA in Werl gewesen sei.

Info: Sicherungsverwahrung soll dazu dienen, die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen.

Rubriklistenbild: © Daniel Schröder

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