Justizminister Peter Biesenbach (CDU) zu Gast

Es fehlen Plätze für Sicherungsverwahrte - da kommt die JVA Werl ins Spiel 

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In NRW gibt es zu wenig Platz für die Unterbringung von Sicherungsverwahrten. Ein Erweiterungsbau an der JVA Werl ist eine mögliche Option. 

In Nordrhein-Westfalen gibt es zu wenig Platz für die Unterbringung von Sicherungsverwahrten. Daher denkt das Land über die Möglichkeiten einer Ausweitung nach, sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU)  bei einem Besuch in Werl. Die hiesige JVA spielt eine wesentliche Rolle in den Überlegungen.

Werl - Ein Erweiterungsbau an der JVA Werl ist dabei ebenso eine Option wie die Verlegung von Strafgefangenen aus der JVA Werl in andere Anstalten, um aus Strafhaftplätzen welche für die SV zu machen, sagte der Minister im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Auch das würde allerdings umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich machen, weil sich durch das Abstandsgebot die Unterbringung von SVern deutlich von der in der Strafhaft unterscheiden muss.

Ausbau: Werl Favorit

Zunächst muss allerdings geprüft werden, wie das Land verfährt „Die Frage, ob es hier gelingen kann, ist noch nicht beantwortet“, sagte Biesenbach. Der Minister machte aber keinen Hehl daraus, dass er sich auch künftig Werl als einzigen NRW-Standort für die Sicherungsverwahrung wünscht. „Wenn es möglich ist, sollte das komplett hier bleiben.“ Denn die Erfahrungen und die Ergebnisse der SV in Werl seien gut, „da bietet sich das an.“ 

In Werl sind seit 2016 alle Plätze der Sicherungsverwahrung NRW konzentriert. 140 Plätze werden vorgehalten. Fakt sei aber: Es gebe bereits einen Platzmangel an SV-Plätzen, der derzeit durch Hilfe von Rheinland-Pfalz und des Saarlands ausgeglichen wird, sagte Biesenbach. Ebenso klar ist allerdings, dass der Platz in Werl nicht unbegrenzt ist. Im Gegenteil geht es schon jetzt sehr beengt zu; die Erweiterungsmöglichkeiten sind rar. 

An den Neubau für die SVer (Haus 4) grenzt heute das Aldi-Areal an der Belgischen Straße an. Der Discounter will bekanntlich umziehen an den Bahnhof; das frei werdende Areal soll eigentlich zum neuen JVA-Parkplatz werden. Pläne, die nun vielleicht überdacht werden müssen.

Platz-Zahl noch unklar

Von aktuell zehn fehlenden Plätzen spricht das Ministerium; bei einem Ausbau werde man aber sicher auch zusätzliche Kapazitäten im Blick haben müssen. Denn die Zahl der SVer habe sich anders als vermutet entwickelt. Dass sie stetig steigen würde, davon war man bei den Planungen damals nicht ausgegangen. Wenn also etwas getan werden muss, soll das auch mehr als nur einen kurzen Zeitraum überbrücken helfen. Wie viele Plätze letztlich entstehen müssten, ließ der Minister daher gestern noch offen. Auch sei mit ganz schnellen Entscheidungen nicht zu rechnen. „Denn wir haben zwar Bedarf, aber keine Not.“

Der Justizminister hat bei allen Überlegungen auch die Gesamtjustiz in NRW im Blick. Der Wunsch sei, einen Weg zu finden, mit den Ersatzfreiheitsstrafen anders umzugehen. 1200 Plätze am Tag werden dadurch in den Anstalten des Landes Tag für Tag blockiert. „Es würde für Entlastung sorgen, wenn wir die nicht mehr alle in die Justizvollzugsanstalten bringen.“ Dadurch würde man landesweit ein großes Potenzial an Haftplätzen gewinnen.

Grundsätzlich misst Peter Biesenbach der Werler JVA eine „besondere Bedeutung“ im Land zu als eine der größten geschlossenen Anstalten NRW-weit. Gestern war er zur Amtseinführung des neuen JVA-Leiters Thomas König in die JVA gekommen. Dessen Kapazitäten auf dem Gebiet der Sicherungsverwahrung sollen nun auch einfließen in die Überlegungen, wie es mit der SV im Land weiter geht, sagte Biesenbach. König sei ein sehr erfahrener Mann mit hoher Kompetenz im Bereich der SV. Natürlich werde sich der neue JVA-Chef in die Überlegungen einbringen.

Thomas König ist neuer Chef der JVA Werl

Thomas König (60) wurde gestern Morgen als neuer Chef der Werler JVA in das Amt eingeführt. Der Werler tritt die Nachfolge von Maria Look (65) an, die von NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Im Gespräch mit dem Anzeiger sprach König über die kurzfristigen Ziele. So werde die nötige Ausweitung des Bereichs der Sicherungsverwahrung natürlich ein Thema sein, dessen er sich schnell mit annehmen werde. Denn der Platzmangel sei ein Problem, das behoben werden müsse. „Da müssen wir eine Lösung finden.“ Darüber hinaus aber gelte es nun, zunächst alles wieder (neu) kennenzulernen. Denn Thomas König hat zwar weite Teile seiner beruflichen Laufbahn in der JVA Werl verbracht, zuletzt als stellvertretender Anstaltsleiter. Mittlerweile aber ist die Anstalt umgebaut worden, die Wege und viele Gebäude sind neu. „Da hat sich vieles verändert.“ Wo früher Türen waren, sind heute Mauern oder andersherum.

Thomas König

 

Dass er aber auch sprichwörtlich nicht „mit dem Kopf durch die Wand“ will, machte der neuen Chef zudem deutlich. Es gehe um die intensive Kooperation mit den Beschäftigten, um das Ziel, einen „zeitgemäßen behandlungsorientierten Vollzug“, gewährleisten zu können. Er habe zwar noch viele vertraute Gesichter gesehen, aber eben auch viele fremde, mit denen er sich nun zunächst vertraut machen will, sagte König. Ihm sei sehr schnell deutlich geworden, dass er sich jetzt in einer ganz anderen Rolle befinde als früher, als er sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich der Sicherungsverwahrung befasste. Nun sei er für die gesamte Anstalt zuständig. 

Das Credo: „Alles läuft über eine gute Zusammenarbeit.“ Thomas König betonte, dass er vieles von dem, was sich in der Vergangenheit in Werl entwickelt hat, fortsetzen wolle. Aber es gebe eben auch permanente Veränderungen innerhalb der Anstaltsmauern am Langenwiedenweg. Neben dem unausweichlichen SV-Ausbau sei zuletzt auch die Notwendigkeit einer neuen Großküche genannt worden. Obwohl es sich bei der Justizvollzugsanstalt Werl um eine moderne Anstalt handele, komme man um Neubauten oder Umstrukturierungen nie ganz umhin. „Und das sind immer wieder Herkulesaufgaben.“

Für Thomas König wird Werl aller Voraussicht nach die letzte berufliche Station sein. Erst vor einigen Tagen ist er 60 Jahre alt geworden. Bis zum 66. Lebgensjahr wird er arbeiten, mithin sechs Jahre in der JVA Werl sein – eins mehr als seine Vorgängerin...

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