Feuer in Werler Mehrfamilienhaus

Dramatischer Großeinsatz: Zwölf Menschen im Krankenhaus - Baby und Kleinkind schwer verletzt in Spezialklinik

Dramatischer Großeinsatz der Feuerwehr in Werl: 11 Menschen im Krankenhaus - Baby und Kleinkind schwer verletzt in Spezialklinik
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Rettungskräfte der Hilfsorganisationen aus dem ganzen Kreis Soest waren im Einsatz.

Dramatische Szenen spielten sich in der Nacht in Werl ab. Im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses war ein Feuer ausgebrochen. 12 Bewohner kamen ins Krankenhaus, ein Baby und ein Kleinkind wurden schwer verletzt und kamen in eine Spezialklinik. Die Feuerwehr rettete mehrere Menschen aus dem Rauch.

Update, 11.30 Uhr: Nach der Besichtigung des Brandortes teilte der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei mit, "dass sich der Brandausbruchsort im Treppenflur des Mehrfamilienhauses befand". Zurzeit könne eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen dauern an. Weitere Ergebnisse seien frühestens am Nachmittag zu erwarten, sagte der Polizeisprecher auf Anfrage.  Was da vor der Wohnungstür überhaupt gebrannt hat, ist unklar. "Das war völlig verbrannt", sagt die Feuerwehr.

Kripo hat das Brandhaus mittlerweile wieder freigegeben

Die Kripo hat das Brandhaus mittlerweile wieder freigegeben. Das teilt die Stadt Werl auf Anfrage mit. Alle fünf Wohnungen könnten wieder bezogen werde, drei davon sofort. Zwei müssen zuvor gereinigt werden. 

Die Stadt hat derzeit aber keinen Druck, weil die Bewohner dieser betroffenen Wohnungen entweder selber im Krankenhaus sind oder aber als Begleiter im Hospital sind. "Wir müssen schauen, wie lange die Reinigung dauert", sagt Alexandra Kleine von der Stadt. Wenn es nötig wird, werde die Stadt Wohnraum vermitteln. Wo, hängt auch davon ab, wie lange die Reinigung der Wohnungen dauert.

Am Morgen danach erinnerten von außen betrachtet nur die Rußspuren an einem Fenster im Obergeschoss an die dramatischen Ereignisse in der Nacht.

Am Morgen danach erinnerten von außen betrachtet nur die Rußspuren an einem Fenster im Obergeschoss an die dramatischen Ereignisse in der Nacht. Vor dem Haus lag ein einzelner Badeschlappen im Gras. Die Spurensicherung hatte das Siegel gebrochen und forschte nach der Brandursache. 

Bewohner: "Sie hat uns allen das Leben gerettet"

Rainer Siedhoff wohnt im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses. Wegen Verdachts auf Rauchvergiftung war er in der Nacht zur Untersuchung im Krankenhaus. Doch ihm gehe es gut, sagte er am Morgen. Er wartete vor dem Haus darauf, wieder in seine Wohnung zu dürfen. Als das Feuer ausbrach, habe er gerade erst eine Stunde geschlafen, berichtet der 49-Jährige. Dann sei er hochgeschreckt, weil die Nachbarin, die im Obergeschoss wohnt, an seine Tür gehämmert und Sturm geklingelt habe. “Als ich draußen war, sah ich eine schwarze Rauchwolke direkt über mir.” Siedhoff ist überzeugt: “Sie hat uns allen das Leben gerettet.”

Brand in Werl: Polizei korrigiert Zahl der Verletzten auf zwölf

Nachdem bei dem Brand im Mehrfamilienhaus in Werl zunächst von elf Verletzten ausgegangen war, berichtet die Polizei Soest am Morgen, dass es sich um zwölf Verletzte handelt. Zwei von ihnen sind schwer verletzt. Vor allem bei einem Kleinkind gibt es erhebliche Verbrennungen, obwohl das Feuer gar nicht so groß war. Aber auch heißer Rauch kann solche Folgen haben, sagt Karsten Korte, Leiter der Feuerwehr Werl. Neben den schwer verletzten Kindern gibt es drei Leichtverletzte, so hieß es vor Ort. Die anderen Bewohner kamen mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung vorübergehend in Krankenhäuser, darunter ein Mann, dessen Gesicht vom Rauch komplett schwarz war.

In der Nacht auf Dienstag brach in einem Mehrfamilienhaus im Werler Osten das Feuer mit schrecklichen Folgen aus. Um kurz nach 1 Uhr wurde eine Bewohnerin des Hauses am Rottmannsring durch das schrille Piepen eines Rauchmelders aus dem Schlaf gerissen. 

Vor ihrer Wohnungstür im ersten Obergeschoss war ein Feuer im Treppenhaus ausgebrochen. Die Flammen breiteten sich bereits aus und hatten schon auf die Tür übergegriffen. Giftiger Rauch zog in ihre Wohnung. Dennoch schaffte sie es, die weiteren Hausbewohner vor der tödlichen Gefahr zu warnen. "Das hat Leben gerettet!", betonte Karsten Korte.

Karsten Korte, Leiter der Feuerwehr Werl, betonte, dass die Warnung durch einen Rauchmelder und die richtige Reaktion einer Bewohnerin Leben gerettet haben.

Die Feuerwehr war um 1.05 Uhr verständigt worden, "Brandgeruch im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses" lautete zu diesem Zeitpunkt die knappe Info, mit denen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus dem Schlaf gerissen wurden. Wenige Minuten später trafen die ersten Einsatzfahrzeuge zusammen mit dem Rettungsdienst und der Polizei vor Ort ein.

Dramatischer Einsatz in Werl: Schreiende Kinder und flüchtende Menschen

"Man hörte schreiende Kinder, Menschen flüchteten - zum Teil verletzt - aus dem Haus und rannten über die Straße - das war schon eine beängstigende Situation", schilderte Karsten Korte das Chaos zu Beginn des Großeinsatzes. Gemeinsam mit der Polizei und dem Rettungsdienst konnte in kurzer Zeit eine gewisse Ordnung ins Chaos gebracht werden, um an wichtige Informationen für die Menschenrettung zu gelangen. Neun Bewohner sind in den Wohnungen gemeldet, es waren aber auch zwei Übernachtungsgäste im Haus.

Zahlreiche Notarzteinsatzfahrzeuge und Rettungswagen waren vor Ort.

Von der Rettungsleitstelle hatten die Einsatzkräfte auf ihrer Anfahrt bereits mitgeteilt bekommen, dass sich noch mehrere Menschen im Gebäude befinden sollten. Aufgrund der massiven Rauchausbreitung bis ins Dachgeschoss bedeutete das für sie akute Lebensgefahr!

Brand in Werl: Bewohner im Dachgeschoss gefangen und per Telefon mit der Rettung verbunden

Zwei Bewohner, die im verrauchten Dachgeschoss gefangen waren, hatten sich über den Notruf 112 bei der Rettungsleitstelle in Soest gemeldet und ihre Situation geschildert. Sie hatten sich am Boden liegend in vorübergehende Sicherheit gebracht - während der heiße Rauch an der Decke entlang zog, konnten sie am Boden die noch verbliebene Frischluft atmen.

Bis zu ihrer Rettung durch die Feuerwehr standen sie telefonisch mit dem Disponenten der Rettungsleitstelle in Kontakt, der wiederum über Funk mit den Einsatzkräften vor Ort kommunizierte, sodass die Suche nach den Bewohnern möglichst zielgerichtet und schnell verlaufen konnte.

An einer Sammelstelle wurden die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses behandelt.

Mehrere Feuerwehrleute drangen unter schwerem Atemschutz durch den Rauch ins Gebäude vor, um die Bewohner aus der Falle zu retten. Mit so genannten Fluchthauben auf dem Kopf, wurden sie ins Freie geführt. Gegenüber des Hauses wurde von den Einsatzkräften eine Verletztenablage errichtet. Dort wurden die Bewohner untersucht, ihre Verletzungen in Kategorien unterteilt nach denen entschieden wurde, welche Person am schnellsten auf eine intensive Versorgung angewiesen ist.

Feuerwehr und Rettungskräfte waren im Großeinsatz.

Ein Baby, nur wenige Monate alt, und ein viereinhalbjähriges Kleinkind zogen sich schwere Brandverletzungen zu. Schnell war klar, dass sie in Spezialkliniken transportiert werden mussten. "Zunächst sollten sie mit Rettungshubschraubern geflogen werden. Aufgrund der Dunkelheit (nur wenige Rettungshubschrauber in der Umgebung sind nachtflugtauglich, Anmerkung der Redaktion) und des Zeitfensters wurde dann jedoch entschieden, dass sie im Rettungswagen in eine Spezialklinik nach Duisburg gefahren werden", erklärte Karsten Korte.

Ersten Erkenntnissen des Leitenden Notarztes zufolge bestehe immerhin keine Lebensgefahr bei den Kindern. In der Duisburger Klinik gibt es so genannte Brandbetten für Verbrennungsopfer.

Neben den beiden Kindern erlitten drei weitere Personen Verletzungen, deren Schwere erst durch weitere Untersuchungen im Krankenhaus festgestellt werden kann. Die weiteren sechs Bewohnerinnen und Bewohner kamen ebenfalls ins Krankenhaus, um sie auf mögliche Rauchgasvergiftungen zu untersuchen. Insgesamt mussten sich die Einsatzkräfte somit um 11 Personen kümmern.

Die Rettungskräfte versorgten 11 Patientinnen und Patienten vor Ort.

Deshalb wurde die Alarmstufe auf "Massenanfall von Verletzten 2" erhöht, sodass neben mehreren Notärzten und Rettungswagen des Kreises Soest auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und der Malteser aus dem ganzen Kreisgebiet anrückten.

Der Einsatz zog sich über zwei Stunden.

Das Feuer konnte von der Feuerwehr schnell unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Was dort genau in Flammen stand ist ebenso noch unklar wie die Ursache des Feuers. Die Polizei kommentierte vor Ort, dass die Ermittler "eine Vermutung" hätten, aber noch nichts konkretes sagen könnten und sich von den weiteren Ermittlungen gesicherte Erkenntnisse erhoffen.

Großeinsatz in Werl: Die Fotos

Großeinsatz in Werl: 11 Menschen im Krankenhaus - Baby und Kleinkind schwer verletzt in Spezialklinik

Der Einsatz war nach knapp zwei Stunden gegen 3 Uhr beendet. Vor Ort waren rund 70 Kräfte der Feuerwehr, die mit den Löschzügen Stadtmitte und dem Löschzug 3 im Einsatz war. Zur Anzahl der weiteren Rettungskräfte der Hilfsorganisationen gibt es noch keine Angaben.

Die Polizei versiegelte und beschlagnahmte den Brandort.

Das Gebäude wurde von der Polizei versiegelt und für die weiteren Ermittlungen beschlagnahmt. 

Bereits in der vergangenen Woche war die Feuerwehr Werl im Großeinsatz. Beim Brand eines Wohnhauses in Werl kam ein Mensch ums Leben.

Wir berichten weiter.

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