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Weiterbau der A445: erst Naturschutz, dann Baustart

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Von: Uta Müller

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Die Autobahn 445 bei Werl soll bis nach Hamm weitergebaut werden.
Die Autobahn 445 bei Werl soll bis nach Hamm weitergebaut werden. © Maaß

Die Planfeststellung für den Lückenschluss der Autobahn A445 von Werl nach Hamm ist seit Anfang 2021 erfolgt. Bis zum Baustart voraussichtlich im Jahr 2024 werden etliche Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt.

Werl/Hamm – „Der Verursacher ist verpflichtet, unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen oder zu ersetzen“: Diese Aussage im Paragraf 15 des Bundesnaturschutzgesetzes geht dem voraus, was an Baumaßnahmen für den Weiterbau der A445 angestrebt ist. In den Planungsunterlagen des Großprojekts muss erst der Nachweis erbracht werden, bevor gebaut wird.

Auf Hammer Gebiet ist für 26 Parzellen oder Landschaftsbestandteile eine rechtssichere Zweckbindung ausgearbeitet. In Werl sind es 22. „In Kürze werden erste umweltrechtliche Maßnahmen umgesetzt“, erklärt Rüdiger Sürig, Abteilungsleiter Planung bei der Autobahn GmbH. Dazu gehören Verträge mit zukünftigen Bewirtschaftern für dann zweckgebundene Landschaftsteile ebenso wie Ausschreibungen oder Grunderwerb.

Mit dem Bau wird Lebensraum für geschützte Arten beeinträchtigt. In die Planung muss daher auch der Paragraf 44 „Vorschriften für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten“ einfließen.

„Durch Ausgleichsmaßnahmen erhält Landschaft Aufwertung“

„Die Erfassung von Biotopen und von Vorkommen schutzwürdiger Arten sowie die Erarbeitung entsprechender Gutachten erfolgten bereits in den vergangenen Jahren und wurden im Landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) zusammengefasst“, erklärt Mirko Heuping, Sprecher der Autobahn GmbH. Über den Zeitraum einer Vegetationsperiode wurden Artengruppen und Winterquartiere erfasst. Diese Bestandserfassung ist Maßstab für die Ersatzmaßnahmen. „Wir legen Wert darauf, das einzuhalten“, betont Stefanie Tilg, Landschaftspflegerin bei der Autobahn GmbH, zuständig für die Ausgleichsmaßnahmen.

Rund zwei Jahre vor dem Baubeginn müssen sie in Angriff genommen werden, „damit der Ersatzlebensraum schon da ist“, erklärt sie. „Durch die Ausgleichsmaßnahmen erhält die Landschaft eine Aufwertung“, ist sich Tilg sicher. Das Gesamtpaket betrifft Lebensräume für Greifvögel oder Vogelarten, die in offenen Agrarlandschaften zu Hause sind. Für Amphibien und Fledermäuse soll und muss weiterhin ein Biotop vorgehalten werden. Zu nennen ist ebenso die Sicherung von Brut- und Nahrungshabitaten. Alles werde rechtssicher und „Flächen genau“, so Tilg, mit Verträgen für Bewirtschafter oder Eigentümer ausgearbeitet. Die Zweckwidmung wird fixiert.

In der Bildmitte sind besonders geschützte Bereiche, die während der Bauphase nicht befahren werden dürfen.
In der Bildmitte sind besonders geschützte Bereiche, die während der Bauphase nicht befahren werden dürfen. © Uta Müller

„Auf agrarstrukturelle Belange ist Rücksicht zu nehmen“

Ein Beispiel: Am Beginn des Lindfeldwegs in Hilbeck wird ein Waldstück für die Autobahntrasse benötigt. Dem Nachweis über den vorkommenden Bussard folgend, wurde rund 400 Meter Luftlinie weiter am Hilbecker Weg ein Waldstück als Alternative ausgewiesen.

„Auf agrarstrukturelle Belange ist Rücksicht zu nehmen, insbesondere sind für die landwirtschaftliche Nutzung geeignete Böden nur im notwendigen Umfang in Anspruch zu nehmen“, so der Gesetzgeber. Ausgleichsmaßnahmen können beinhalten, Flächen aus der intensiven Nutzung zu nehmen. Der Verzicht auf Spritzmittel und intensive Düngung gehört ebenso dazu wie flächenmäßig geringere Aussaatstärke.

„Man darf sich das nicht so vorstellen, dass erst alles abgearbeitet werden muss, bevor gebaut wird“, betont Rüdiger Sürig. „Es werden immer nur für den jeweiligen Bauabschnitt relevante Maßnahmen ausgeführt.“ Zum einen sind Vorgehensweisen vor, während und nach den Bauarbeiten in der Planung erfasst. Zum anderen könne ein Bauabschnitt bereits begonnen werden, während man anderorts noch mit vorbereitenden Arbeiten tätig ist.

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