Staatsanwaltschaft ermittelt

Sexueller Missbrauch von Kriminalitätsopfer: Weißer Ring wirft Außenstellen-Leiter raus

Der Weiße Ring hat den Außenstellen-Leiter im HSK abberufen. Dem Mann wird der sexuelle Missbrauch eines Kriminalitätsopfers vorgeworfen.
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Der Weiße Ring hat den Außenstellen-Leiter im HSK abberufen. Dem Mann wird der sexuelle Missbrauch eines Kriminalitätsopfers vorgeworfen. (Symbolfoto)

Schwere Vorwürfe: Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Weißen Rings aus dem Sauerland soll ein Kriminalitätsopfer sexuell missbraucht haben. Der Verein, der Opfer von Kriminalität betreut, hat den Mann bereits von seinem Posten abberufen.

Update vom 23. Februar, 15.30 Uhr: Wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen den Leiter der Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring im HSK. Nach einer entsprechenden Anzeige ergebe sich ein Anfangsverdacht, dem nun nachgegangen werde, sagte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Arnsberg am Dienstag.

Einem ehrenamtlichen Mitarbeiter wird vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem von ihm seit 2018 betreuten Kriminalitätsopfer vorgenommen zu haben. Der Weiße Ring hatte Strafanzeige gestellt und den Missbrauchsverdacht am Montag selbst öffentlich gemacht.

Erstmeldung vom 22. Februar: Hochsauerland - Mit sofortiger Wirkung hat der Landesvorsitzende des Weißen Rings NRW/Westfalen-Lippe, Jörg Bora, den Leiter der Außenstelle Hochsauerlandkreis abberufen. Außerdem hat der Verein Strafanzeige gegen den ehrenamtlichen Mitarbeiter erstattet wegen des Verdachts von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Das teilte der Weiße Ring am Montag via Pressemitteilung mit.

Hintergrund seien Hinweise einer Opferanwältin und einer Beratungsstelle auf ein mutmaßliches schweres Fehlverhalten des Mitarbeiters, die den Verein auf schriftlichem Weg am 10. Februar erreicht haben. Darin werde dem Außenstellenleiter vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem Kriminalitätsopfer vorgenommen zu haben, das er seit Anfang 2018 betreut habe. Der geschäftsführende Bundesvorstand des Vereins habe die Hinweise als glaubwürdig bewertet. „Da die dem Verein vorgebrachten Vorwürfe potenzielles Täterwissen beinhalten, wird der Weiße Ring aus ermittlungstaktischen Gründen dazu keine weiteren Angaben machen“, heißt es.

Weißer Ring wirft Außenstellen-Leiter raus: Fall hat Vorgeschichte

Unabhängig von einer strafrechtlichen Bewertung der Vorwürfe durch die Justiz habe der Mitarbeiter aus Sicht des Weißen Rings „massiv gegen den Verhaltenskodex des Vereins und gegen die Standards der Opferbetreuung verstoßen“. Allein das rechtfertige bereits die Abberufung.

Der Fall habe zudem eine Vorgeschichte: „Bereits Anfang 2019 hatte sich ein von dem Mann betreutes Kriminalitätsopfer beim Opfer-Telefon des Weißen Rings gemeldet und ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen“, teilte der Verein mit. Der Mitarbeiter sei daraufhin vom Landesvorsitzenden Bora suspendiert worden. Weil die Aussagen des Opfers allerdings als widersprüchlich und nicht hinreichend glaubhaft bewertet worden seien und der Mitarbeiter die Vorwürfe zudem „völlig haltlos“ genannt habe, habe der Landesvorsitzende die Suspendierung nach wenigen Wochen wieder aufgehoben.

Weißer Ring wirft Außenstellen-Leiter raus: Verein ist „tief betroffen“

„Für den Weißen Ring, seine vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für mich persönlich bleibt eine tiefe Betroffenheit zurück. Das Vertrauen von Menschen, die sich in einer persönlichen Ausnahmesituation hilfesuchend an uns gewandt haben, ist hier mutmaßlich auf schwerste Weise missbraucht worden. Ich möchte persönlich dafür um Entschuldigung bitten, dass es dem Weißen Ring, dass es mir nicht gelungen ist, sie hiervor zu bewahren, wenn die Vorwürfe zutreffen. Es ist grundsätzlich unerträglich, wenn Menschen durch ein Verhalten eines Mitarbeiters des Weißen Rings erneut zu Opfern werden. Das schmerzt mich und schmerzt den Weißen Ring als Organisation unendlich“, sagte Jörg Bora, der gleichzeitig um Vertrauen in die „wichtige und wertvolle Arbeit der rund 220 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesverband Westfalen-Lippe“ warb, die sich in 26 Außenstellen engagiert für die Interessen von Kriminalitätsopfern einsetzen würden.

Direkt nach Bekanntwerden der Vorfälle hat der Weiße Ring nach eigenen Angaben in der Bundesgeschäftsstelle in Mainz eine Taskforce eingerichtet, die sämtliche Opferfälle überprüfen werde, die der frühere Außenstellenleiter betreut hat. Der Verein habe zudem eine Hotline für potenziell betroffene Frauen geschaltet, die Kontakt aufnehmen möchten. Über die Telefonnummer 0151/551 645 97 ist Petra Klein, Vorstandsmitglied und Leiterin der Außenstelle Oldenburg in Niedersachsen, erreichbar.

Die Außenstelle Hochsauerlandkreis ist über das Landesbüro NRW/Westfalen-Lippe in Dortmund unter der Telefonnummer 0231/981 948 50 oder per E-Mail an nrw-westfalen-lippe@weisser-ring.de zu erreichen. Der Weiße Ring verspricht „größtmögliche Transparenz bei der Aufarbeitung des Geschehens“. Auf einer regelmäßig aktualisierten Website veröffentlicht der Verein detailliert den aktuellen Kenntnisstand

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