Weihnachtsgeschichte

Faire Orangen aus Italien nach Westfalen: Katja Breyer verteilt 18 Tonnen

Katja Breyer von der Evangelischen Landeskirche von Westfalen organisiert die Verteilung von Bio-Orangen.
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Katja Breyer von der Evangelischen Landeskirche von Westfalen organisiert die Verteilung von Bio-Orangen.

Katja Breyer holt 18 Tonnen fair gehandelte Orangen aus Italien nach Westfalen: „Die Resonanz war unwahrscheinlich groß“.

Dortmund – Es begann mit einer einfachen Bitte aus Italien: Ob man nicht in Deutschland vielleicht Abnehmer für fair gepflückte Orangen aus der süditalienischen Regionen Kalabrien finden könne, wollte eine Mitarbeiterin der italienischen Waldenserkirche von der Evangelischen Landeskirche von Westfalen wissen.

Also machte sich Katja Breyer, Mitarbeiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in Dortmund, auf die Suche. Die 48-Jährige fragte bei Eine-Welt-Läden nach, in Kirchenkreisen und -gemeinden sowie bei zahlreichen weitere Einrichtungen – und ist nun vom eigenen Erfolg überrascht. 18 Tonnen Orangen wurden diese Woche aus der kleinen Stadt Rosarno im italienischen Süden nach Westfalen geliefert. „Die Resonanz war unwahrscheinlich groß“, sagt Katja Breyer stolz.

Aus Italien nach Dortmund: Katja Breyer organisiert die Verteilung der Bio-Orangen

Die Früchte werden nun von sieben zentralen Verteilstellen in Dortmund, Witten, Schwelm, Gelsenkirchen, Marl, Münster und Bielefeld aus an die Vorbesteller weiterverteilt. Sie gehen an Kirchengemeinden, Familienzentren, Jugendgruppen, Kindertagesstätten und Schulen, Weltläden, Firmen und viele weitere Abnehmer, die sich schon seit Wochen auf ihre saftigen Früchte freuen.

Guiseppe Pugliese, der Leiter von SOS Rosarno in Süditalien, bei der Verladung der fair gepflückten Orangen.

Doch was ist das Besondere an den Orangen aus Rosarno? Die Erntehelfer, die sie gepflückt haben, und die Kleinbauern, auf deren Plantagen die Früchte wachsen, wurden fair für ihre Arbeit bezahlt. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Der Alltag auf Orangen-Plantagen sieht aber häufig anders aus, berichtet Katja Breyer. Die meisten Erntehelfer in Kalabrien seien Flüchtlinge, die als Tagelöhner auf den Feldern der Region anheuerten. Für ihre Arbeit bekämen sie etwa 25 Euro am Tag. Kein Lohn, von dem man anständig leben könne, findet die Mitarbeiterin der westfälischen Landeskirche.

Dennoch könnten die Bauern häufig nicht mehr bezahlen, da sie selbst von den Abnehmern der Orangen – meist multinationalen Handelsketten – kaum Geld für die Früchte erhalten würden. Anders sei es im Falle der fairen Orangen, die nun überall in Westfalen verteilt werden, erklärt Katja Breyer. Diese Früchte wurden von Arbeitern des Vereins SOS Rosarno geerntet. „Die Kooperative stellt Erntehelfer ein und zahlt ihnen den Mindestlohn für ihre Arbeit auf den Plantagen.“ Auch die Kleinbauern erhalten einen fairen Preis. „Die Bauern bekommen 80 Cent für ihre Orangen statt 12 Cent von den Supermarktketten.“ So profitieren am Ende alle: die Arbeiter, die Farmer und auch die Kunden, die ihre süßen Früchte ohne bitteren Beigeschmack genießen können.

Bio-Orangen aus Italien: Guiseppe Pugliese hat viele Abnehmer

Guiseppe Pugliese, der Leiter des Vereins SOS Rosarno in Kalabrien, ist dankbar für die vielen Abnehmer der fairen Orangen in Westfalen. „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass Hunderte von Menschen, die so weit weg wohnen, sich für das interessieren, was hier passiert, für das, was ein kleiner Verein und eine Genossenschaft wie SOS Rosarno tut“, schreibt er in einem Statement zur Aktion. Die Unterstützung sei bewegend und zeige, „dass Solidarität und Gegenseitigkeit keine Grenzen haben“.

Katja Breyer ist ebenfalls überwältigt vom riesigen Interesse im Netzwerk der evangelischen Landeskirche. Die hohe Nachfrage hat ihr viel Arbeit beschert. „Wir tun unser Bestes und sind auch nicht unerfahren bei der Organisation größerer Projekte – dank des Dortmunder Kirchentags –, aber eben keine Profis in dem Bereich“, schreibt sie in einer Mail an die Orangen-Besteller. Zwischenzeitlich auftretende Probleme – zum Beispiel Lieferschwierigkeiten der Orangen-Pappkistenfabrik in Italien – wurden gemeistert und so konnten die Orangen sicher per Lkw nach Deutschland gebracht werden.

Die Wartezeit hat Katja Breyer den Interessierten mit Tipps zur Lagerung der Orangen und mit Ideen und Rezepten für die Verwertung der Früchte verkürzt. „Da es Bio-Orangen sind, muss man die Schale nicht wegwerfen“, erklärt sie. Man könne Leckeres wie Orangenmarmelade oder Orangenschalen-Tee herstellen. Für sich selbst hat die 48-Jährige, die in Schwerte lebt und in Dortmund arbeitet, gleich drei Zehn-Kilo-Kisten Orangen aus Rosarno bestellt.

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