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Schwarz-Grün in NRW: Koalition aus CDU und Grünen wahrscheinlich - und eine Premiere

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Von: Alexander Schäfer

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Nach der Landtagswahl in NRW deutet vieles auf eine Koalition von CDU und Grünen hin - eine Premiere. Doch das Bündnis könnte Zukunft haben, wenn es funktioniert.

Düsseldorf - Bei der Landtagswahl NRW wurden die CDU stärkste Kraft und die Grünen zu den Königsmachern. Regiert in Nordrhein-Westfalen bald Schwarz-Grün? Die beiden möglichen Partner decken jene Themen ab, die die Menschen umtreiben: Klimaschutz und Wirtschaft. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat seine Hände längst ausgestreckt.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Schwarz-Grün in NRW: Koalition aus CDU und Grünen brächte Gegensätze zusammen

„Wir wollen die Versöhnung von Klimaschutz und Industrieland“, sagte Wüst am Wahlabend. Das war nicht neu, ähnlich hatte sich der 46-Jährige bereits bei seiner Regierungserklärung im Oktober vergangenen Jahres geäußert. Kurz vor der Wahl schrieb Wüst auf Twitter folgende Worte, die man durchaus schon als Einladung an die Grünen verstehen durfte: „Mein Ziel bleibt der Kohleausstieg 2030. Klimaschutz und Industrie zu versöhnen, um gute Arbeitsplätze und soziale Sicherheit zu gewährleisten, ist die größte Aufgabe unserer Generation. Auf dem Weg dahin brauchen wir Flexibilität und Pragmatismus.“

Diese Sätze könnten so auch von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Mona Neubaur, der Spitzenkandidatin der NRW-Grünen, stammen. Neubaur will die Jobs und den Wohlstand im Land halten, ohne den Umwelt- und Artenschutz aus den Augen zu verlieren. Wie Wüst geht es also auch ihr darum, Widersprüchliches zusammenzubringen.

Positiv auf ein mögliches Bündnis zwischen Schwarzen und Grünen reagierte Arndt G. Kirchhoff, Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen. „Trotz programmatischer Unterschiede kann in einer solchen Koalition eine echte Chance liegen“, sagte Kirchhoff am Montag. Vielleicht, so der Unternehmer-Präsident, werde gerade ein solches Bündnis bisher nur schwer überbrückbare Spannungsfelder auflösen und bestehende gesellschaftspolitische Blockaden überwinden.

Landtagswahl NRW: Koalition aus CDU und Grünen würde Stadt und Land repräsentieren

Eine Koalition aus CDU und Grünen würde auch den urbanen und den ländlichen Raum repräsentieren und könnte diese zusammenführen. Hochburgen der CDU waren vor allem Wahlkreise im Münsterland und Westfalen, wo sie in sechs Wahlkreisen jeweils 50 Prozent und mehr holte. Die Grünen bekamen die meisten Zweitstimmen in den Großstädten Köln, Bonn, Aachen und Münster. Hier holten sie zudem insgesamt sieben Direktmandate.

Die Spitzenkandidaten der Parteien in NRW, Mona Neubaur (2l, Bündis 90/Die Grünen), Hendrik Wüst (2r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, beantworten Fragen der Moderatoren Gabi Ludwig (r, WDR-Chefredakteurin) und Jochen Trum (l, Leiter der landespolitischen Redaktion) am Abend der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.
Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Beide könnten erstmals in der NRW-Geschichte ein schwarz-grünes Bündnis schmieden. © Fabian Strauch/dpa

Grünen-Chefin Neubaur wohnt in Düsseldorf, stammt aber aus einem kleinen Dorf in Bayern. Wüst stammt und wohnt in einer Kleinstadt im Münsterland, hat dazu eine Zweitwohnung in Düsseldorf. Beide kennen die Verkehrsprobleme sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Gemeinden. Wüst will, wie er am Montag in Berlin sagte, eine „bessere und saubere Mobilität“. Neubaur versprach vor der Wahl eine „Mobilitätsgarantie für Stadt und Land“.

Zusammenführen könnte ein schwarz-grünes Bündnis auch die Generationen. Wüst und die CDU siegten dank der Alten, die Grünen erzielten starke Werte bei den Jüngeren. Wenn Großeltern CDU und Enkel Grüne wählen, kommen solche Ergebnisse heraus wie am Sonntag in Nordrhein-Westfalen.

NRW-Wahl: Hendrik Wüst kündigt „modernes Zukunftsbündnis“ an

Als 2017 CDU und FDP an Rhein und Ruhr zusammenfanden, nannten sie ihr Bündnis „NRW-Koalition“. Diesmal geht es um nicht weniger als die Zukunft. Am Montag kündigte Wüst ein „modernes Zukunftsbündnis“ an, es gebe zwei Wahlgewinner. Angesichts der rechnerischen Möglichkeit einer Ampel wird Wüst den Grünen maximal entgegenkommen müssen. Der Parteinachwuchs der Grünen hat, wie er betonte, für „linke Mehrheiten gekämpft“. Doch selbst hier geht man bereits von einer Koalition mit der CDU aus. So heißt es in der Pressemeldung: „Klar ist für uns als linker Jugendverband auch, dass wir uns mit Schwarz-Grün sehr schwertun werden.“ Kein Konjunktiv!

Dass CDU und Grüne sich auf gemeinsame Ziele verständigen können, zeigen die Regierungen in Hessen und Baden-Württemberg. In Schleswig-Holstein könnten die beiden Partner nun auch ohne FDP regieren. In Bayern schaut es 2023 ebenfalls nach einem solchen Bündnis aus. Rechnet man NRW hinzu, tragen künftig womöglich weite (und die bevölkerungsstarken) Teile der politischen Deutschland-Karte zwei Farben: schwarz und grün.

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