Ermittlungen fast abgeschlossen / Anklage wegen Doppelmordes?

Gesichertes Videomaterial zeigt tödliche Messerattacke vom Iserlohner Bahnhof

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Der Beschuldigte, der hier kurz nach der Tat abgeführt wird, muss mit einer Anklage wegen Doppelmordes rechnen. Seine Verteidigung hat der Iserlohner Rechtsanwalt Andreas Trode übernommen.

Nach der tödlichen Messerattacke am Stadtbahnhof Iserlohn vom 17. August geht die Staatsanwaltschaft Hagen davon aus, die Ermittlungen zeitnah abschließen zu können. Der geständige Beschuldigte (43), der seine getrennt lebende Ehefrau (32) und deren neuen Partner (23) erstochen haben soll, muss mit einer Anklage wegen zweifachen Mordes rechnen. Hier gibt es den aktuellen Sachstand.

Iserlohn - Dieses Verbrechen schockierte angesichts seiner Brutalität viele Menschen im Märkischen Kreis, aber auch weit darüber hinaus: Wie in einem Blutrausch hatte ein Kosovo-Albaner vor etwa dreieinhalb Wochen - beobachtet von zahlreichen Zeugen - mit einem Küchenmesser auf seine beiden Opfer eingestochen

Seine Ehefrau, die elf Monate zuvor wegen häuslicher Gewalt aus Bergisch Gladbach ins Iserlohner Frauenhaus geflüchtet war, starb im Parkhaus am Bahnhof. Ihre Leiche wies elf Stichverletzungen auf.

Strafverteidiger will sich (noch) nicht öffentlich äußern

Ihr neuer Lebenspartner war verletzt vor dem Angreifer in Richtung Bahnsteig geflüchtet, wurde jedoch eingeholt und laut Obduktionsergebnis mit mehr als 60 Messerstichen auch in Herz und Halsschlagader getötet.

Gegen den Beschuldigten, der sich widerstandslos hatte festnehmen lassen, war am Amtsgericht Iserlohn Untersuchungshaftbefehl wegen zweifachen Totschlags erlassen worden. Seither sitzt der 43-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Hagen.

Zuständigkeit bei der Staatsanwaltschaft hat gewechselt

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte der Iserlohner Strafverteidiger Andreas Trode, dass er das Mandat für den 43-Jährigen übernommen habe und sich aktuell in die Akten einarbeite.

Weil er indes noch keine komplette Akteneinsicht habe nehmen können, sei es zu früh, sich öffentlich in der Sache zu äußern.

Auf Seiten der Staatsanwaltschaft Hagen hat es indes einen Wechsel in der Zuständigkeit gegeben. So hat Staatsanwalt Nils Warmbold den Fall an seinen Kollegen Michael Burggräf abgegeben. Der eigentlich zuständige Dezernent hatte zum Tatzeitpunkt noch im Urlaub geweilt.

Ermittlungen können in zwei Wochen abgeschlossen sein

Staatsanwalt Burggräf hat sich inzwischen umfangreich in die bisherigen Ermittlungen eingearbeitet und sagt: "Ich hoffe, dass die Ermittlungen binnen 14 Tagen abgeschlossen sind."

Wird der 43-Jährige denn dann wegen zweifachen Totschlags oder gar wegen Doppelmordes angeklagt? "Diese Frage behält die Staatsanwaltschaft im Auge. Das wird geprüft und dann, wenn alle Beweismittel ausgewertet sind und ein umfassender Überblick vorliegt, bewertet", so Burggräf.

Vernehmung sämtlicher Zeugen ist abgeschlossen

Aktuell laufen nach seiner Darstellung noch die allerletzten Detail-Auswertungen von Handys der drei Tatbeteiligten. Komplett abgeschlossen sind dagegen bereits die Vernehmungen von rund zwei Dutzend Zeugen der Tat.

Durch diese Aussagen sowie durch die Spurenlage und nicht zuletzt durch das Videomaterial von Überwachungskameras im Bereich des Parkhauses und des Bahnsteiges ist der Ablauf der Tat rekonstruiert worden.

Großteil der Tat ist aufgezeichnet worden

"Das Tatgeschehen ist zu weiten Teilen auf Video aufgezeichnet worden. Das gibt uns Ermittlern die Möglichkeit der umittelbaren Wahrnehmung. Wir sind also nicht nur auf Zeugenaussagen und die Rekonstruktion der Ereignisse angewiesen", betont Burggräf.

Gleichwohl müssen er und auch die Beamten der eingesetzten Mordkommission auch den Anblick der dramatischen Bewegtbilder vom 17. August verkraften, wenn sie die Anklage vorbereiten. Wann konkret die erhoben wird, sei noch nicht endgültig absehbar.

Wie kam es zur konkreten Konfrontation am Bahnhof?

Die Handyauswertung soll ja vor allem Aufschluss darüber liefern, wie es am Tattag selbst zur Konfrontation des Tatverdächtigen mit seinen Opfern im Parkhaus am Iserlohner Stadtbahnhof gekommen war.

Dass die Frau an einem Geldautomaten am Stadtbahnhof Iserlohn merhfach Geld vom gemeinsamen Konto abgehoben und so unabsichtlich über die Kontoauszüge Hinweise auf ihren Aufenthaltsort gegeben hatte, gilt als sicher.

"Ja, auch dadurch dürfte der Beschuldigte vom Aufenthaltsbereich seiner Frau erfahren haben", mutmaßt Staatsanwalt Burggräf. Letzte Gewissheit könnte mögliche Kommunikation geben.

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