Vermehrt Fälle von Staupe-Infektionen

Vorsicht vor tödlichem Hunde-Virus 

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Der Staupe-Virus kann durch Wildtiere auch auf Hunde übertragen werden.

In den Medien kursieren zurzeit wieder erschreckende Berichte über Vierbeiner, für die der Tierarzt in den meisten Fällen nichts mehr tun konnte. „Der Staupe-Virus ist sehr, sehr gefährlich“, versichert Dr. Martin Zöllner, Inhaber der gleichnamigen Tierarztpraxis in Plettenberg. Er erklärt, dass es für fast alle Hunde nach einer Infizierung tödlich sein kann, deshalb rät er dringend zu einer Impfung.

Plettenberg - Welcher Hundebesitzer kennt es nicht? Man ist mit dem Vierbeiner im Wald unterwegs, der fröhlich am Wegesrand schnuppert. Hier die Nase reingesteckt, dort den so lecker aussehenden Stein abgeschleckt und mal eben noch das Revier markiert, bevor es wieder weiter geht.

Die Staupe (canine distemper) war vor Einführung der Impfung die verlustreichste Virusinfektion des Hundes. Aber auch heute noch kann es bei ungenügendem Impfschutz oder mangelhaftem Immunisierungsgrad der Hundepopulation zu Seuchenzügen (Epidemien) mit zahlreichen Todesopfern kommen. Staupe führt zu einer Entzündung der Lunge, des Darmes und des Gehirns. 

In den vergangenen Tagen gab es einige Fälle in NRW. „Die Impfung ist eigentlich eine Basisimpfung für Hunde und meine Patienten sind in der Regel durch die Bank gegen Staupe geimpft“, erklärt der Tierarzt. Dennoch gäbe es auch immer wieder einzelne Impfgegner unter den Hundehaltern, die natürlich aktuell beim Gassigehen ganz besonders aufpassen sollten. 

Generell sind Tiere jeden Alters gefährdet. Besonders häufig erkranken jedoch junge, ungeimpfte Hunde im Alter von drei bis sechs Monaten. Staupe wird durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) verursacht und ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit für Hunde und andere Fleischfresser (Carnivoren) wie Fuchs, Wolf, Dachs, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund.

Symptome variieren von Tier zu Tier

In mehreren Teilen Deutschlands sind seit Anfang des Jahres vermehrt an Staupe erkrankte oder verendete Füchse aufgefunden worden, die den Virus weiter verbreiten und wiederum eine Infektionsquelle für andere Tiere – auch den Hund – darstellen. Jagdhunde sind deshalb besonders gefährdet. Die Symptome variieren je nach Form der Erkrankung und von Tier zu Tier. 

Der Virus kann sich in hohem Fieber und Mattigkeit, in Erbrechen und Durchfall oder blasigem Hautausschlag äußern – zumindest beim Hund. Andere Anzeichen sind Atembeschwerden oder Bewegungsprobleme bis hin zu Lähmungserscheinungen. Bei Tieren, die die Krankheit überstanden haben, können Verhaltensstörungen oder Epilepsie die Folge sein

Der Plettenberger Hegeringsleiter Hartmut Tengler berichtet von einem erkrankten Fuchs, der in der vergangenen Woche in Holthausen von einem Anwohner gemeldet wurde. 

Es ist allerdings nicht klar, ob er an Staupe erkrankt war oder an Räude. „Der arme Kerl schleppte sich durch das Wohngebiet. Er sah furchtbar aus – an mehreren Stellen fehlte das Fell und er war überhaupt nicht mehr scheu. Ein Zeichen dafür, dass es ihm nicht gut ging“, berichtet Tengler. Er sei froh darüber, dass der zuständige Jagdpächter das Tier schnell erlöst hätte.

Generell sei Staupe unter den Jägern immer ein Thema, sagt der Hegeringsleiter. Immer mal wieder würden erkrankte Wildtiere auch in Plettenberg gesichtet. „Man kann aber wenig da gegen tun, anders als bei Hunden, die geimpft werden können“, erklärt Tengler.

Staupe bei Wildschweinen "sehr grausam"

Bei Wildtieren sei eine flächendeckende Impf-Aktion wesentlich aufwändiger. Auch Wildschweine würden hin und wieder von dem Virus befallen, was sehr „grausam“ wäre. Die Tiere würden sich laut Hartmut Tengler nach einer Infektion unheimlich quälen.

Die Staupe-Infektion erfolgt beim direkten Kontakt über Sekrete und Exkrete infizierter Hunde oder Füchse (Tröpfcheninfektion) oder bereits vor der Geburt durch die Mutterhündin. Eine indirekte Erregerübertragung durch Hände, Kleidung, Schuhe, Futternäpfe und Ähnliches ist zwar möglich, bei der Staupe aber nur von geringer Bedeutung, da das Virus in der Umgebung nicht besonders widerstandsfähig ist.

Dr. Martin Zöllner rät allen Hundebesitzern, aktuell noch einmal den Impfstatus ihrer Vierbeiner zu überprüfen und gerade in Waldgebieten vorsichtig zu sein. Vor allem ungeimpfte Hunde sollte man nicht an fremden Hinterlassenschaften schnüffeln lassen. Für Menschen ist der Staupe-Virus ungefährlich.

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