28-facher Mordversuch

Anschlag auf BVB: Lange Gefängnisstrafe für Sergej W.

+
Gericht hat den BVB-Attentäter verurteilt

[Update 16 Uhr] Dortmund - Das Dortmunder Schwurgericht hat nach elf Monaten Verhandlung das Urteil gegen den BVB-Attentäter gesprochen. Sergej W. muss mehrere Jahre ins Gefängnis.

Das Dortmunder Schwurgericht erklärte den 29-jährigen Sergej W. am Dienstag des 28-fachen Mordversuches, der gefährlichen Körperverletzung und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion für schuldig und verurteilte ihn zu 14 Jahren Haft.

"Der Angeklagte hat mit der Möglichkeit gerechnet, dass Menschen zu Tode kommen", sagte Richter Peter Windgätter bei der Urteilsbegründung. "Die Sprengrichtung war für ihn nicht beherrschbar."

Nach Überzeugung des Gerichtes hatte der 29-Jährige aus Rottenburg am Neckar am 11. April 2017 bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses am Teamhotel des BVB zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco drei Sprengsätze gezündet. Laut Anklage war sein Ziel, mit den Bomben Spieler zu töten und damit den Kurs der BVB-Aktie zum Absturz zu bringen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 29-Jährigen lebenslange Haft wegen versuchten Mordes gefordert. Anklagevertreter Carsten Dombert zeigte sich davon überzeugt, dass Sergej W. bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco drei Sprengsätze am Teamhotel des BVB zündete, um die Spieler zu töten und damit den Kurs der BVB-Aktie zum Absturz zu bringen.

Sergej W. aus Rottenburg am Neckar hat zwar zugegeben, die Bomben gebaut und gezündet zu haben. Der in Russland geborene Deutsche bestreitet jedoch jede Tötungsabsicht.

Die Verteidiger Carl Heydenreich und Christos Psaltiras hatten deshalb nur eine Haftstrafe wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion beantragt. Diese sollte "deutlich im einstelligen Bereich" liegen. Die Verteidiger hatten Sergej W. in ihren Plädoyers als zutiefst verunsicherte Persönlichkeit mit narzisstischen und selbstverliebten Zügen beschrieben.

"Anschlag hat mein Leben verändert"

In dem elf Monate dauernden Prozess haben die Richter neben Sprengstoff- und Aktiensachverständigen auch fast alle damaligen Businsassen als Zeugen vernommen. 

Der heute für Borussia Mönchengladbach spielende Verteidiger Matthias Ginter brach dabei in Tränen aus. Der damals noch für Dortmund aktive Torwart Roman Weidenfeller sagte: "Der Anschlag hat mein Leben verändert."

BVB-Torwarttrainer Wolfgang de Beer meinte: "Das ist eine Sache, die man nie vergisst." Dortmunds damaliger Trainer Thomas Tuchel mutmaßte in seiner Zeugenaussage sogar, dass er nach der Saison weiter im Amt geblieben wäre, hätte es das Attentat nie gegeben.

Kein Kommentar zum Urteil vom BVB

 Bei dem Anschlag war der spanische Innenverteidiger Marc Batra im Inneren des Busses schwer am Unterarm verletzt worden - ob von einem der in den Bomben versteckten Metallsplitter oder einer Glasscherbe, konnten Mediziner nicht abschließend klären. Ein Polizist, der dem Bus auf einem Motorrad vorausfahren sollte, hatte ein Knalltrauma erlitten. Der Beamte ist heute dienstunfähig.

Der BVB wollte das Urteil nicht kommentieren. "Wir widmen uns heute nur dem Spiel. Das Thema war intern seit langer Zeit aufgearbeitet", sagte BVB-Mediendirektor Sascha Fligge bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Champions League-Saison auf Fragen nach der Gerichtsentscheidung. - dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare