Neue Studie

Unwetter in NRW: Flutkatastrophen drohen durch Klimawandel häufiger

Dauerregen führte zu einer Flutkatastrophe mit vielen Toten in NRW. Eine Studie bestätigt: Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit solch extremer Regenfälle.

Offenbach - Mindestens 180 Menschen haben bei der verheerenden Flutkatastrophe Mitte Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ihr Leben verloren. Durch den Klimawandel werden solche Extremwetterereignisse häufiger auftreten, bestätigen Forscher in einer aktuellen Analyse - und fordern Konsequenzen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Unwetter in NRW: Flutkatastrophen drohen durch Klimawandel häufiger

Unter den derzeitigen Klimabedingungen sei zu erwarten, dass eine bestimmte Region in Westeuropa etwa einmal in 400 Jahren von einem solch verheerenden Ereignis heimgesucht werde. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern unter anderem des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in einer jetzt veröffentlichten Untersuchung. Innerhalb des gesamten Gebiets, das die Wissenschaftler betrachteten, seien in dem Zeitraum mehrere solche Ereignisse zu erwarten.

Mit weiter steigenden Temperaturen werde derart extremer Starkregen häufiger. Eine wärmere Atmosphäre könne auch mehr Wasser speichern. Werde es nochmals 0,8 Grad wärmer, erhöhe sich die Häufigkeit auf alle 300 Jahre, auch die Intensität des Starkregens steige weiter.

Bei der Flutkatastrophe in NRW verloren unzählige Menschen ihr zuhause - oder sogar ihr Leben.

Das internationale Forscherteam hatte für seine Analyse Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz als Region betrachtet und gefragt, wie wahrscheinlich ähnlich extremer Starkregen hier ist und und inwiefern dies durch weltweit steigende Temperaturen beeinflusst wird.

Unwetterkatastrophen in NRW: Klimawandel sorgt für häufigeres Extremwetter

Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Katastrophen hat sich demnach in dieser Region bereits um einen Faktor zwischen 1,2 und 9 erhöht, die maximale Regenmenge ist zwischen 3 und 19 Prozent größer als früher. Ein Beispiel der Wissenschaftler: Wenn die Wahrscheinlichkeit um den Faktor 5 erhöht sei, bedeute dies, dass ein Ereignis im Mittel anstelle alle 2000 alle 400 Jahre auftrete.

Dass der Faktor nicht genauer angegeben werden könne, liege unter anderem daran, dass verschiedene Klimamodelle zugrundegelegt worden seien, deren Vorhersagen sich unterschieden, erklärte Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die Zahlen zeigten eine sehr klare Tendenz in Richtung häufigeren Extremwetters durch den Klimawandel.

Flutkatastrophen in NRW: Auswirkungen der Unwetter könnten deutlich schlimmer sein

Die Auswirkungen könnten die früherer Unwetter weit übersteigen, sagte Kreienkamp. „Die lokalen und nationalen westeuropäischen Behörden müssen sich dieser wachsenden Risiken durch Starkregen bewusst sein, um besser auf mögliche künftige Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein“, erklärte der Leiter des Regionalen Klimabüros Potsdam des DWD. Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde erklärte, die Erkenntnisse würden in Analysen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes einbezogen.

Die 39 Wissenschaftler verglichen die Auswirkungen des heutigen Klimas mit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als die globale Durchschnittstemperatur 1,2 Grad weniger betrug. Die Arbeit, für die Wetteraufzeichnungen und Computersimulationen analysiert wurden, entstand im Rahmen der World Weather Attribution Initiative, die mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse untersucht.

Umweltverbände forderten in Reaktion auf die Veröffentlichung der Studie die Bundesregierung unter anderem zu verschärften Klimaschutzmaßnahmen auf. „Dies ist ein letzter Weckruf an die Politik, Treibhausgasemissionen endlich durch wirksame Maßnahmen zu mindern, anstatt Klimaschutz durch bloße Zieldefinitionen zu betreiben“, sagte etwa Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Nach der Hochwasser-Katastrophe in NRW fragten sich viele Menschen, welchen Beitrag sie persönlich leisten können, um den Klimawandel aufzuhalten. Es gibt viele Tipps für den Alltag. - dpa

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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