Groß-Kontrolle

Provokationen und unerwartete Auto-Sicherstellungen: Polizei nimmt Tuning-Fahrzeuge ins Visier

Der Manta war deutlich lauter, als in den Papieren angegeben. Deshalb führt sein Weg nun zum Gutachter.
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Der Manta war deutlich lauter, als in den Papieren angegeben. Deshalb führte sein Weg zum Gutachter.

Bei einer Groß-Kontrolle nahm die Polizei Unna am Freitagabend getunte Fahrzeuge ins Visier. Dabei erlebten die Beamten manche Provokation. Es gab jedoch auch Fahrzeug-Stilllegungen, mit denen selbst die Profis nicht gerechnet hätten.

Unna - Freitagabend, Beethovenring in Unna: Die Polizei hat kurz hinter dem Ringtunnel eine Kontrollstelle eingerichtet. Durch Pylonen wird der Verkehr verlangsamt, Beamte auf der Straße werfen ihre aufmerksamen Blicke auf jedes Fahrzeug. Stichprobenartig wird die Halte-Kelle eingeschaltet und in die Höhe gestreckt. Bitte rechts ranfahren!

An diesem Abend liegt der Fokus auf Tuning-Autos. "Aber es wird stets eine ganzheitliche Kontrolle durchgeführt", erklärt Polizeisprecher Bernd Pentrop. So stehen für manche der gestoppten Fahrerinnen und Fahrer auch gleich noch Alkohol- und Drogentests an. 

"Cops Favorite": Für diesen Golf und seinen Fahrer war es vermutlich nicht die erste Kontrolle.

Im Minutentakt werden die Fahrzeuge aus dem Verkehr gewunken. Der junge Fahrer eines VW Golf hat es offenbar darauf angelegt. Auf seiner Heckscheibe prangt unter anderem der Slogan "Cops Favorite". Zwischen Reifen und Radkästen ist nicht viel Platz, doch in den Fahrzeugpapieren sind alle technischen Änderungen vorschriftsmäßig eingetragen. Der junge Mann darf weiterfahren.

Die Polizei in Unna legte am Freitagabend den Fokus auf leistungsstarke Fahrzeuge.

Ein aufgemotzter Wagen fährt mit heruntergelassenen Fenstern und lauter Ballermann-Musik zum zweiten Mal an der Kontrollstelle vorbei. Die Insassen grölen, als die Polizei ihnen den "Gefallen" tut und sie zur allgemeinen Verkehrskontrolle bittet. "Manche legen es echt drauf an", sagt ein Beamter mit leicht genervter Stimme. Aber auch die Freunde des gepflegten Ballermann-Schlagers dürfen ihre Fahrt wenig später fortsetzen.

Tuning-Kontrollen: Polizeibeamte begeistert von Oldtimer - nützte am Ende aber nichts..

Länger dauert die Kontrolle eines perfekt gepflegten Opel Ascona, den sich alle Auto-begeisterten Polizeibeamten neugierig anschauen. Der Besitzer wirkt entspannt: "Ich habe Verständnis für solche Kontrollen, das Auto ist mein Hobby und ich habe nichts zu verbergen."

Der Opel Ascona wurde von den Beamten auf Herz und Nieren geprüft.

Dass er sich wenig später Gedanken darum machen muss, wie er nun nach Hause kommen soll, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sein Oldtimer ist deutlich lauter, als im Fahrzeugschein angegeben. Für die Sicherstellung und die Prüfung bei einem Gutachter geht die Fahrt des Ascona auf einem Abschleppwagen weiter.

Thomas Stoltefuß (rechts) ist Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Unna und selbst Autoliebhaber.

Ähnlich ergeht es dem Fahrer eines anderen Oldtimer-Schätzchens: Auch sein Opel Manta ist gut in Schuss. "Was für ein mega Teil!", schwärmt Thomas Stoltefuß, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Unna. Er selbst ist Baujahr 1960 und Autoliebhaber durch und durch: "Vor allem die Modelle, mit denen wir in den 70ern und 80ern groß geworden sind - Golf GTI 1, Ford Granada oder Opel Kapitän - bringen das Herz zum höherschlagen."

Groß-Kontrolle: Polizei in Unna hat Tuning-Autos im Fokus - Opel Manta und Ascona stillgelegt

Bevor er Leiter des Verkehrsdienstes wurde, war er bei der Autobahnpolizei im Einsatz: "Dort gab es damals den letzten Porsche bei der Polizei. Er war meine Motivation, zur Polizei zu gehen", schwelgt er in Erinnerungen, während der Opel Manta am Beethovenring überprüft wird.

"Damit hätte ich nicht gerechnet!"

Es gibt ein Problem: "Es wird gerade geklärt, ob es für ihn eine Sondergenehmigung gibt, weil er ein Oldtimer ist", sagt einer der Beamten. Einige Minuten vergehen, ehe klar ist, dass der Manta sichergestellt werden muss: Auch er ist deutlich lauter, als in den Fahrzeugpapieren angegeben. "Damit hätte ich nicht gerechnet!", zeigt sich Thomas Stoltefuß überrascht.

Endstation Abschleppwagen für diesen Opel Manta.

Der Manta-Fahrer nimmt es gelassen: "Ich habe den Auspuff bei einem Händler gekauft. Der hat mir gesagt, dass alles zugelassen ist. Darauf habe ich mich verlassen. Jetzt lasse ich mich von meinem Sohn abholen und werde mit dem Händler in den nächsten Tagen ein Gespräch führen", sagt er.

Inklusive der Abschleppkosten müsse er sich auf rund 400 Euro einstellen, sagen ihm die Beamten. Bei all dem Geld, was bereits in den Oldtimer geflossen sein muss, ist diese Summe aus Sicht seines Besitzers zu verkraften.

Frau liegt in den Wehen, als das Auto angehalten wird

Viel Kraft braucht auch eine Frau, die Beifahrerin eines BMW-Fahrers ist, der seinen Wagen gerade auf Anweisung eines Polizisten in der Kontrollstelle abstellt. Es folgt lediglich ein kurzes Gespräch, ehe ein anderer Polizist dem Fahrer zuruft: "Dann fahren sie schnell weiter! Und alles Gute!"

Die Frau liegt in den Wehen und ist gerade mit ihrem Mann auf dem Weg ins Krankenhaus. Während sie später ihr Kind zur Welt bringt, geht die Kontrolle am Ring bis spät in die Nacht weiter. 

Zu tief: Auch dieser BMW wurde von der Polizei sichergestellt.

Die Bilanz: sechs sichergestellte Fahrzeuge, eine Strafanzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, eine Anzeige wegen eines Rotlicht-Verstoßes, eine Anzeige, weil ein Kind im Fahrzeug nicht vorschriftsgemäß gesichert war, eine Anzeige wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss, eine Anzeige wegen Handy-Nutzung am Steuer, drei Mängelkarten, zwei Verwarngelder und eine Anzeige wegen Erlöschens der Betriebserlaubnis sowie 88 Verwarngelder und fünf Anzeigen wegen Geschwindigkeitsverstößen. Der "traurige Spitzenreiter", so die Polizei, hatte 82 statt der erlaubten 50 km/h auf dem Tacho.

Auch Alkoholkontrollen wurden durchgeführt.

Einsatzleiter Thomas Stoltefuß betonte bereits während der laufenden Kontrolle: "Je weniger Verstöße es gibt, desto besser. Wir machen das hier, um die Anzahl der Unfälle mit Verletzten und Toten zu minimieren."

Er unterstrich, dass derartige Unfälle auch durch unsachgemäßes Autotuning zustande kommen können, auch wenn "Tuning nicht gleich Rasen mit hohen Geschwindigkeiten" sei. "Wenn man unzulässig tunt, kann es sehr schnell sehr gefährlich werden. Und das nur, um sein Auto möglichst flach und möglichst geschmeidig aussehen zu lassen."

"Tuning-Verstöße" könne man im Vorfeld übrigens nicht an einem bestimmten Klientel, wie beispielsweise jungen Autofahrern, festmachen, betonte die Polizei vor der Kontrolle. Die Sicherstellungen der beiden Oldtimer unterstrich diese These.

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