"Enkeltrick" hat funktioniert

Warum schöpfte bei der Bank niemand Verdacht? Betrüger sahnen riesige Summe ab

Betrüger haben eine Frau im Kreis Unna mit dem Enkeltrick um eine riesige Bargeld-Summe gebracht. Die Bank schöpfte offenbar keinen Verdacht - auch zum Bedauern der Polizei.
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Betrüger haben eine Frau im Kreis Unna mit dem Enkeltrick um eine riesige Bargeld-Summe gebracht. Die Bank schöpfte offenbar keinen Verdacht - auch zum Bedauern der Polizei.

Betrüger haben eine Frau im Kreis Unna mit dem Enkeltrick um eine riesige Bargeld-Summe gebracht. Die Bank schöpfte offenbar keinen Verdacht - auch zum Bedauern der Polizei.

  • Mehrfach scheiterten Ganoven im Kreis Unna mit dem Enkeltrick, jetzt räumten sie richtig ab.
  • Eine Seniorin übergab eine hohe fünfstellige Summe in bar an einen unbekannten Mann.
  • Bei der Bank war niemand stutzig geworden - die Polizei gibt 10 wertvolle Tipps.

Kreis Unna - Binnen weniger Stunden schnappte die Falle zu - von der ersten Kontaktaufnahme am Mittag bis hin zur Abholung des Geldes durch einen Boten Stunden später.

Eine Frau aus dem Kreis Unna brachte sich am Mittwoch (3. Juni) mutmaßlich selbst um den Großteil ihrer Ersparnisse. Sage und schreibe 75.000 Euro verlor sie nach Angaben der Kreispolizeibehörde Unna an Betrüger, wie WA.de* berichtet.

Besonders bitter für die 79-Jährige, über deren Wohnort die Ermittler aus Rücksicht auf die Seniorin keine Angaben machen wollten:

Achtung, Enkeltrick: Großer Teil des Vermögens ist weg 

In der Bankfiliale schöpfte offenbar auch niemand Verdacht, als die Kundin irgendwann nachmittags erschien und die hohe fünfstellige Summe mit nach Hause nehmen wollte.

Was zuletzt desöfteren (auch) in NRW vorbildlich funktioniert und Menschen vor dem Verlust ihres Vermögens bewahrt hatte, blieb aus: Die Dame bekam die 75.000 Euro ausgezahlt und machte sich damit auf den Weg nach Hause.

Achtung, Enkeltrick: "Echte" Nichte hatte nicht angerufen

Dabei war sie nach Angaben der Polizei trotz aller öffentlichen Warnungen der Polizei im festen Glauben gewesen, dass sie von ihrer echten Nichte angerufen und um Hilfe gebeten worden war.

Fürs Ersteigern einer Wohnung benötigte die Frau, die zur Mittagszeit angerufen hatte, angeblich ganz kurzfristig 75.000 Euro. Nachdem sie unter Druck gesetzt worden sei, habe die Seniorin schließlich eingewilligt und sich die Summe über ihre Bank beschafft.

"Ein Mann, der sich als Schwiegersohn des Notars der Nichte vorstellte, holte das Geld später bei der 79-Jährigen ab und entkam", so die Polizei Unna.

Video: So gehen die Betrüger beim Enkeltrick vor

Deren Sprecher Christian Stein wurde von unserer Redaktion mit der Frage konfrontiert, ob nicht Banken darauf hingewiesen würden, bei ungewöhnlichen Kundenwünschen die Ermittler einzuschalten.

"So wie wir die Bevölkerung auffordern, ältere Mitmenschen darüber zu informieren, welche Betrugsmaschen es gibt, appellieren wir auch an die Banken und deren Mitarbeiter, bei verdächtigen Abhebungen oder Abbuchungen lieber einmal mehr die Polizei zu rufen", so Stein.

Achtung, Enkeltrick: Fall wird komplett nachbereitet

Warum eben das im konkreten Fall nicht passiert sei, werde im Rahmen der Ermittlungen zum aktuellen Fall hinterfragt. Die Erfahrung habe ja gezeigt, dass es sehr wohl Mitarbeiter gebe, die Alarm schlagen würden, wenn ihnen etwas nicht seriös vorkomme.

Das gilt offenbar vor allem dann, wenn Mitarbeiter ihre Kunden und deren Umgang mit Geld schon über Jahre kennen - wie auch im obigen Video erklärt wird.

Achtung, Enkeltrick: Tausende Fälle im ganzen Land

Dass bundesweit fast täglich Betrugsfälle mit Erfolg durchgezogen werden, beweist alleine der Blick ins Presseportal der Polizeibehörden. Unter dem Schlagwort "Enkeltrick" finden Sie im Ressort Blaulicht fast 4100 Treffer.

Wer hier die Schadenssummen addiert - sofern sie überhaupt angegeben sind - erahnt schnell die Dimensionen. Wie hoch die Zahl der aus Scham nicht gemeldeten Fälle ist, können Ermittler nur erahnen.

Den jüngsten Fall nimmt die Kreispolizeibehörde Unna noch einmal zum Anlass, Verhaltensregeln zu veröffentlichen.

Achtung, Enkeltrick: Das sind 10 Tipps der Polizei

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahe stehende Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.
  • Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen. 
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z. B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände, nicht zu Hause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.

*WA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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