Lage auf den Intensivstationen

Corona: Erste Fälle von Triage in Deutschland? Professor zur Lage in NRW

Die Corona-Zahlen steigen rasant. Vor allem in den Kliniken ist die Lage ernst. Jetzt ist die Rede von ersten Triage-Fällen. Ein Professor äußert sich zur Situation in NRW.

Hamm - Ein neuer Höchststand erschütterte am Mittwochmorgen (16. Dezember) Deutschland: Das Robert-Koch-Institut meldete 952 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus binnen eines Tages. Immer mehr Corona-Patienten müssen auf der Intensivstation behandelt, viele von ihnen beatmet werden. In Sachsen soll es jetzt in einem Klinikum zu ersten Fällen von Triage gekommen sein. Die Entscheidung über Leben und Tod - wie ist die Lage in NRW? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Fläche34.098 km²

Ein Reporter des Deutschlandfunks hat am Dienstagabend getwittert, dass der Ärztliche Direktor des Klinikums Oberlausitzer Bergland, Dr. Mathias Mengel, in einem Online-Forum gesagt habe, dass am Standort Zittau bereits mehrfach triagiert werden musste, da nicht genügend Beatmungsbetten zur Verfügung standen.

Berichte über erste Triage-Fälle in Krankenhäusern wegen Corona - die Situation in NRW

Dr. Mathias Mengel bekräftigte am Mittwoch gegenüber t-online seine Aussage noch einmal: „Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht.“ Es wäre der erste Fall von Triage in der Corona-Pandemie.

Das Wort Triage leitet sich aus von dem französischen Wort „trier“ (sortieren) ab und stammt ursprünglich aus der Militärmedizin. Der Begriff steht für die (ethisch schwierige) Aufgabe, etwa bei einem hohen Aufkommen an Patienten darüber zu entscheiden, wie die knappen Ressourcen (Personal oder Material) aufzuteilen sind. Die Triage kommt bei einem Massenanfall von Verletzten, Großunfällen, Katastrophen, Kriegen und eben auch Pandemien zum Einsatz.

Corona: Erste Fälle von Triage in Deutschland? Professor zur Lage in NRW

Triage kann im Zweifel eine Entscheidung über Leben und Tod bedeuten. Das ist in Nordrhein-Westfalen laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann noch nicht der Fall. „Trotz einer starken Belastung der Krankenhäuser sind wir von einer Triage noch sehr, sehr weit entfernt“, zitierte Laumann am Dienstag einen Aachener Medizin-Professor in einer Sondersitzung des Landtags zur Corona-Krise.

„Wir müssen nicht entscheiden, wer eine lebensnotwendige Beatmung bekommt und wer nicht“, versicherte der Minister. Er warnte zudem die SPD-Opposition davor, Panik zu verbreiten. Die Genossen hatten eine Aktuelle Stunde zum „drohenden Kollaps auf den Intensivstationen in NRW“ gestellt. Laut Laumann seien die Krankenhäuser in NRW im Vergleich zum Beginn der Corona-Pandemie mittlerweile wesentlich robuster aufgestellt. Inzwischen gebe es hier 30 Prozent mehr Intensivplätze mit Beatmungsmöglichkeit.

Erste Triage-Fälle? Immer mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern - die Situation in NRW

In den Krankenhäusern in NRW werden derzeit (Stand 15. Dezember, 12.19 Uhr) 1061 Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt, mehr als die Hälfte von ihnen muss invasiv beatmet werden (632). Das geht aus dem DIVI-Intensivregister hervor. Demnach sind von den 5806 Intensivbetten in NRW aktuell noch 812 frei. Der Anteil der Covid-19-Patienten der Gesamtzahl der belegten Intensivbetten beträgt 18,27 Prozent.

Deutschlandweit befindet sich NRW damit im Mittelfeld. Vornweg: Sachsen. Hier liegt der Anteil der Corona-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten bei 38,36 Prozent. In dem Bundesland schießen die Corona-Zahlen durch die Decke. Für den Landkreis Görlitz, in dem das Klinikum Oberlausitzer Bergland liegt, meldete das RKI am Mittwoch einen Inzidenzwert von 532. Noch höher lagen fünf weitere Landkreise in Sachsen, der traurige Spitzenreiter war Bautzen mit 631,2 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen.

„Die Lage in Sachsen ist außer Kontrolle“*, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in seiner Rede im Landtag, berichtet merkur.de*.

Berichte über erste Triage-Fälle in Krankenhäusern wegen Corona - Aussage noch nicht bestätigt

Das Klinikum Oberlausitzer Bergland bestätigte im Übrigen die Aussagen des Direktors zunächst nicht, man wollte die Berichte zu einer möglichen Triage prüfen, hieß es am Mittwoch. Und auch das Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz könne noch nichts dazu sagen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Die sächsische Klinik versucht laut Dr. Mengel, die Patienten, für die es keine Versorgung gibt, in eine andere Klinik zu verlegen. „Aber wir sind im Epizentrum, manche Häuser nehmen gar nicht mehr auf.“ die Entscheidung könne auch bedeuten, dass es für einen nicht verlegungsfähigen Patienten keine entsprechende Hilfe mehr gebe, und das sei auch der Fall gewesen, berichtet t-online. - *merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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