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Traumberufe NRW: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart wirbt für Ausbildung

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Von: Alexander Schäfer

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Wirtschaftsminister Habeck zu Besuch in Nordrhein-Westfalen
NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart © Oliver Berg

Düsseldorf – Die Berufe im Handwerk sind vielfältig und nicht zuletzt aufgrund des ökologischen Umbaus der Wirtschaft zukunftsträchtig.

Trotzdem herrscht vielerorts Fachkräftemangel – während gleichzeitig Bewerber ohne Ausbildungsplatz bleiben. Und das bei vollen Auftragsbüchern. Alexander Schäfer sprach mit NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) über das Thema.

Erst Corona, jetzt der Krieg. Die Wirtschaft erlebt keine leichten Zeiten. Wie steht es um die Zukunft des Handwerks?

Ich schaue positiv nach vorne, denn gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker werden gebraucht und gesucht. Wenn wir den Ausbau der erneuerbaren Energien stark vorantreiben wollen, brauchen wir allein bei Gebäuden 130 000 neue Fachkräfte. Das ist eine große Herausforderung und zeigt: Handwerker sind Klimamacher. Das ist natürlich hoch attraktiv für die jungen Menschen. Ich nenne nur ein paar Stichwörter: Photovoltaik, Wasserstoffkraftwerke, Smart Home, Elektromobilität – all das will gebaut und gewartet werden. Da entstehen ganz neue Berufsfelder, sodass wir natürlich die Ausbildungsberufe stark weiterentwickeln müssen. Wir als Politik wollen das massiv unterstützen.

Wie viele Ausbildungsplätze hat Corona gekostet? Wie sind die Aussichten für das neue Azubi-Jahr?

Gleich vorab: Die Aussichten für junge Menschen auf einen Ausbildungsplatz sind trotz der Pandemie so gut wie nie. In den beiden Pandemiejahren ist die Zahl der Ausbildungsverträge in Nordrhein-Westfalen zwar leicht gesunken. Seit Sommer 2021 verzeichnen wir wieder eine positive Tendenz, die sich dieses Jahr hoffentlich fortsetzt. Trotzdem war die Situation für viele Auszubildende natürlich herausfordernd. Sie erlebten Schul- und Betriebsschließungen, mussten auf digitale Bildungsangebote umschwenken und konnten in den Betrieben nicht wie gewohnt ihrer Ausbildung nachgehen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir das Gröbste nun hinter uns haben und blicke positiv auf das neue Ausbildungsjahr.

Was raten Sie jungen Menschen, die vor der Entscheidung stehen, wie es nach der Schule weitergeht? Wie finden die jungen Menschen den Weg zum Handwerk?

Um die richtige Entscheidung treffen zu können, müssen junge Menschen wissen, welche Wege und Möglichkeiten ihnen offenstehen. Das ist in der Schule allein nicht so einfach. Deshalb ist es mir besonders wichtig, dass Praktiker, junge Gesellen und Meister in die Schulen kommen und das Gespräch suchen. Denn sie sind es, die am besten informieren und für das Handwerk begeistern können. Wir brauchen auch viel mehr Angebote für Praktika in den Betrieben. Die Politik sollte nicht nur über den Fachkräftemangel klagen, sondern in ihrer Kommunikation besser werden: Wir müssen zeigen, dass es für die großen Herausforderungen unserer Zeit auf hochqualifizierte Handwerksberufe ankommt. Wir brauchen den Nachwuchs in diesem Bereich.

Was kann Politik tun, um eine Ausbildung im Handwerk attraktiver zu machen?

Wir haben bereits viele Maßnahmen auf den Weg gebracht, um das Handwerk zukunftsfest zu machen. Das reicht vom Azubi-Ticket bis hin zur verbesserten Meistergründungsprämie. Wir haben einen Innovationspreis für das Handwerk ausgelobt, um zu zeigen, dass es gerade im Handwerk innovative Arbeitsplätze und eine tolle Zukunft gibt. Denn für mich ist klar: Eine attraktive Perspektive gibt es nicht nur im akademischen Bereich, sondern auch in der beruflichen Ausbildung und besonders im Handwerk. Vielleicht erleben wir ja gerade eine Trendwende, denn es gibt viele junge Menschen, die ihren Weg an der Hochschule doch nicht fortsetzen und sich umorientieren, weil ihnen die kontaktarme Pandemiezeit und das Online-Lernen nicht zugesagt haben. Das sind für mich keine Studienabbrecher. Sie haben sich neu orientiert und wollen mit einem Wechsel ins Handwerk etwas Konkretes und Sinnstiftendes tun.

Sie haben sich vor vier Jahren mit hochrangigen Vertretern des Handwerks zum Spitzengespräch getroffen. Dabei verabredeten Sie eine Digitalisierungsoffensive für das Handwerk. Wie weit sind Sie bis heute gekommen?

Wir sind im ständigen Austausch mit der Branche und diskutieren Lösungen. Dazu gehört natürlich auch die Digitalisierung. Ich bin davon überzeugt, dass die digitale Transformation viele Chancen für das Handwerk eröffnet. Wir haben daher eine Digitalisierungsoffensive gestartet und mit handwerk-digital.nrw eine zentrale Plattform geschaffen, die Handwerksbetrieben Informationen rund um digitale Tools und Techniken bietet. Wir haben die Mittel für Beratungsangebote bei den Handwerkskammern insbesondere für die Themen Digitalisierung und Innovation aufgestockt und bieten mit unserem Förderprogramm „Mittelstand Innovativ & Digital“ finanzielle Unterstützung für Digitalisierungsvorhaben.

Die Enquetekommission „Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW“ im Landtag hat sich intensiv mit den Herausforderungen und der Zukunft des Handwerks in NRW befasst. Ergebnis waren mehr als 170 Handlungsempfehlungen. Was steckt da konkret für Azubis drin?

Die Landesregierung und das Handwerk haben in der Enquetekommission sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet, denn Handwerkspolitik ist eine Querschnittsaufgabe. Der Abschlussbericht macht deutlich: Von den 171 Empfehlungen der Kommission sind bereits 90 Prozent ganz oder teilweise umgesetzt. Viele Initiativen, die den Auszubildenden zugutekommen, entsprangen dem Geist der Kommission: So wurde das digitale Gewerbeamt auf den Weg gebracht, Auszubildende fahren mit einem vergünstigten Ticket durch Nordrhein-Westfalen und die berufliche Bildung wurde mit einer Investitionsoffensive gestärkt. Auch die Verbesserungen beim Ausbildungs-Bafög auf Bundesebene wurden vor dem Hintergrund der Enquetekommission unterstützt.

Sie haben selbst Bankkaufmann gelernt. War das Handwerk nichts für Sie oder war das damals kein Thema?

Es war immer mein Wunsch, Bankkaufmann zu werden. Ich hätte auch Medizin studieren können, und mancher Lehrer war auch verwundert, dass ich es trotz des erfüllten Numerus clausus nicht getan habe. Doch so habe ich eine berufliche Ausbildung genießen können, von der ich noch heute zehre. Sie war eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen will.

Kampagne: Traumjob Handwerk

Auch in diesem Jahr stellen unsere Zeitung, Radio Lippewelle Hamm und Hellweg Radio mit Unterstützung der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe „Traumberufe“ vor. In Zusammenarbeit mit heimischen Handwerkern liefern wir in einer Neuauflage der Serie handfeste Informationen über unterschiedlichste Zweige für Interessierte und Berufseinsteiger. Das Interview mit NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart ist der Auftakt. Weitere Informationen folgen. Die Serie selbst beginnt am Samstag, 19. März.

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