BGH verwirft Revision

Baby zu Tode geschüttelt: Frau aus Bergkamen muss in Haft

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Die Verteidiger der Angeklagten hatten nach dem Urteil im Juni 2018 Revision angekündigt.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Säuglings in Bergkamen muss die Mutter nun endgültig ins Gefängnis. Die Verurteilung der mittlerweile 38-jährigen Frau zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten ist rechtskräftig geworden – der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat die Revision der Verteidiger als unbegründet verworfen.

Bergkamen/Dortmund –  Nach einem über vierjährigen Mammutverfahren mit 95 Verhandlungstagen ab Januar 2015 wurde die junge Mutter im Juni 2018 vor dem Dortmunder Schwurgericht unter Vorsitz von Wolfgang Meyer wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt – die schriftliche Begründung des Urteils umfasste später 450 Seiten. 

Die zwischenzeitlich nach Lünen verzogene Mutter des sieben Monate alten Jungen hatte nach absoluter Überzeugung der Richter ihren Sohn am 20. Juni 2010 in der damaligen Familienwohnung an der Hardenbergstraße in Bergkamen so massiv geschüttelt, dass er mit dem Kopf gegen ein Möbelstück oder eine Wand geschlagen oder auf den Boden gefallen war. Das Kind erlitt drei Schädelbrüche und innere Hirnverletzungen. 

Auf fünf geplanten Verhandlungstagen wurden 95

Wenige Stunden nach dem brutalen Übergriff musste sich das Kind mehrfach erbrechen. Der herbeigerufene Vater der Kindesmutter, selbst niedergelassener Chirurg, diagnostizierte bei seinem Enkel einen Magen-Darm-Infekt, wurde von seiner Tochter nicht über ein Schütteln oder einen Sturz des Säuglings informiert. Trotz intensivmedizinischer Behandlung später starb das Kind am Folgetag im Krankenhaus. Der zur Tatzeit abwesende Kindsvater war vom Angeln nach Hause gekommen und hatte den Notarzt alarmiert. 

Bei der Polizei und später im Prozess behauptete die Angeklagte, dass ihr Sohn ihr in einem unbeobachteten Moment aus dem Elternbett gekrabbelt und auf den Laminatboden gefallen sei. In dem ursprünglich auf fünf Verhandlungstage terminierten Prozess setzten die Verteidiger Rüdiger Deckers aus Düsseldorf und Christian Koch aus Dortmund alles daran, die von der Mutter behauptete Darstellung durch entsprechende Expertisen zu untermauern. 

Kind an "Schütteltrauma" gestorben

Diverse Sachverständige und entsprechende Gegengutachter unter anderem aus den Fachbereichen Kindermedizin, Neurologie und Physik wurden gehört mit immer wieder unterschiedlichen Ergebnissen. In der zweistündigen Urteilsbegründung kritisierte der Vorsitzende Richter Meyer dieses Auftreten der von der Verteidigung gestellten Gutachter. Sie hätten „einseitig“ vorgetragen mit Blick auf ein gewünschtes Ergebnis, mit teilweise „dreisten Unterstellungen“ und „schweren Mängeln“ ihrem eigenen Ruf und dem der medizinischen Wissenschaft sehr geschadet. 

Fest stehe vielmehr, dass das Kind an einem „Schütteltrauma“ verstorben sei – typischen Verletzungen nach massivem Schütteln und Anschlagen des Schädels. Die internationale medizinische Fachliteratur beschreibe immer wieder diese charakteristischen Verletzungsbilder. Die Schädelbrüche und inneren Hirnschwellungen seien mit dem behaupteten Sturz aus einem Bett nicht zu erklären. 

Verurteilte könnte in offenen Vollzug

Zwei Jahre vergingen von der mündlichen Urteilsbegründung bis hin zur Entscheidung des zuständigen Strafsenats des Bundesgerichtshofs. Nach ausgiebiger Prüfung erwies sich das Dortmunder Urteil als fehlerfrei und wurde jetzt rechtskräftig. 

Die ansonsten unbescholtene Verurteilte hat vermutlich gute Chancen, ihre Freiheitsstrafe im offenen Vollzug zu verbüßen. Sie war nach dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes kurze Zeit in Untersuchungshaft gewesen, wurde dann aber haftverschont und erschien pünktlich zu jedem der 95 Verhandlungstage.

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