Tierfreunde warnen Katzenhalter

Vorsicht! Das Halsband wird für Katzen zur tödlichen Gefahr

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Bei den meisten Tieren in der Auffangstation des TSV in Listerhammer handelt es sich um Katzen. Ihnen Halsbänder anzulegen – auf diesen Gedanken würden die Mitarbeiterinnen nie kommen.

Meinerzhagen - Sie ersticken, verhungern, verdursten oder sterben an ihren infizierten Wunden. Katzen, die ein festsitzendes Halsband tragen und sich im Gestrüpp oder an Zäunen verfangen, haben kaum eine Chance, ihr „Missgeschick“ zu überleben.

Und das passiert nicht selten, davon kann zum Beispiel ein Meinerzhagener Landschaftsgärtner berichten. Was der Mann, der sich selbst als absoluten Tierliebhaber bezeichnet, bei seiner Arbeit schon entdeckt hat, ist schockierend: „Erst vor kurzer Zeit habe ich in einem Gestrüpp gearbeitet. Da hing eine Katze – oder das, was von ihr übrig war. Sie hatte sich mit dem Halsband festgehakt. Das muss schon vor Jahren passiert sein. Denn zu sehen waren nur noch der Schädel, Knochen – und das Halsband.“

Ein Einzelfall? Wohl nicht. „Ich arbeite jetzt fünf Jahre als Landschaftsgärtner und das war bereits die dritte Katze, die ich so vorgefunden habe, die so gestorben ist“, berichtet der Gärtner. 

Er vermutet, dass es sogar noch mehr unbekannte Katzen-Schicksale dieser Art gibt. „Gerade in solchen Gestrüppzonen. Da geht zehn Jahre keiner rein, bis solche Tiere dann entdeckt werden.“ Deshalb lautet der dringende Rat des Volmestädters an alle Katzenhalter: „Bitte lasst eure Katzen ohne Halsband laufen.“

Video warnt vor lebensgefärhlichen Halsbändern

Diesem Appell kann sich Pia Sperber sofort anschließen. Die Vorsitzende des heimischen Tierschutzvereines hat selbst Erfahrungen mit Katzen gemacht, die ihrem Halsband großes Leid zu „verdanken“ haben: „Ende letzten Jahres wurde Kater Leonardo als Fundtier zu uns gebracht. Er ließ sich nicht anfassen und humpelte. Und er stank nach Eiter. Wir haben ihn dann zum Tierarzt gebracht.“ 

Dort, so Sperber, sei dann der wahre Grund für die Probleme des Tieres festgestellt worden. Leonardo hatte ein Vorderbein durch das Halsband gesteckt, er konnte sich aus dieser Falle nicht mehr befreien und musste fortan durchs Leben hinken. Weil er zu dem Zeitpunkt bereits verwildert war, draußen lebte und offensichtlich keinen Besitzer mehr hatte, fiel die missliche Situation niemandem auf. 

Halsband grub sich regelrecht in den Hals

Pia Sperber schildert das ganze Martyrium: „Leonardos Hals wurde eingeschnürt. Das schmale Halsband – vermutlich für einen Hund bestimmt – war aus starkem Leder und mit Nieten besetzt. Es grub sich regelrecht in Leonardos Hals hinein. Ringsum hatte sich ,wildes Fleisch’ gebildet, der ganze Bereich war stark entzündet und vereitert. Kein Wunder, denn das Halsband scheuerte ständig an Fell und Haut. Ein Mensch hätte das nicht überlebt.“

Leonardo schon – allerdings war eine sehr intensive Behandlung mit Antibiotika, desinfizierenden Medikamenten und einer Quarantäne in der Auffangstation des Tierschutzvereines nötig, um den Kater zu retten. 

Elektronischer Chip als Alternative

Weil Pia Sperber all' das miterlebt hat und diesen „Fall“ nie vergessen wird, rät sie auch davon ab, Katzen Halsbänder umzulegen. „Es gibt zwar Exemplare, die eigens für Katzen hergestellt werden und die eine Sollbruchstelle aufweisen. Aber ob das sein muss?“, fragt sie sich.

Doch alles hat bekanntlich zwei Seiten. Und so gibt es durchaus auch Argumente für Halsbänder. Sperber: „So ausgestattete Tiere lassen sich anhand eines Anhängers natürlich zuordnen, wenn sie verloren gehen und von Fremden gefunden werden. Die Möglichkeit zur Identifikation bietet allerdings auch ein elektronischer Chip, der unter die Haut verpflanzt wird. Der muss dann im Fall der Fälle mit einem Gerät ausgelesen werden.“

Leonardos Leben hat sich übrigens sehr positiv entwickelt, nach der Leidenszeit. Er wurde vor einigen Wochen sogar vermittelt. „Ein älterer Herr hat ihn zu sich aufgenommen“, freut sich Pia Sperber. Dort wird er wohl kein Halsband bekommen und hoffentlich einmal eines natürlichen Todes sterben.

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