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Thomas Kutschaty: Ein Rebell kämpft sich nach oben

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Von: Alexander Schäfer

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Thomas Kutschaty will nach der Landtagswahl NRW Ministerpräsident werden. Der SPD-Politiker galt lange als Rebell - und hat es nach oben geschafft. Ein Porträt.

Bochum – Thomas Kutschaty will neuer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden. Obwohl der SPD-Landesvorsitzende bekannter sein könnte und selbst die Anhänger der eigenen Partei nicht alle von ihm überzeugt sind, hat der 53-Jährige gute Chancen, die Landtagswahl NRW am 15. Mai zu gewinnen. Die SPD liegt in Umfragen nahe bei der CDU, und die aktuelle Koalition aus CDU und FDP hat keine Mehrheit. Wer also ist dieser Thomas Kutschaty?

NameThomas Kutschaty
Geboren12. Juni 1968 (Alter 53 Jahre), Essen
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Thomas Kutschaty: Ein Rebell kämpft sich nach oben

Besuch in Bochum. Genauer gesagt im Stadtbezirk Wattenscheid. Nicht nur die Zeiten, in denen hier Erstliga-Fußball gespielt wurde, sind lange vorbei. Erstklassig ist hier mitten im Ruhrgebiet vieles nicht. Das fängt beim Bahnhof an, der zum Haltepunkt zurückgebaut wurde – ohne öffentliche Toilette. Für Farbe im Bahnumfeld sorgen derzeit nur die Plakate der SPD mit ihrem Spitzenkandidaten. Auf ihnen verspricht Thomas Kutschaty 100.000 neue Wohnungen pro Jahr, mehr Lehrkräfte sowie gute und sichere Arbeit der Zukunft. Typisch sozialdemokratische Wahlkampf-Slogans.

Der Termin an diesem Tag in Wattenscheid ist wie gemalt für den Kandidaten. Auf Einladung seines Landtagskollegen Serdar Yüksel besucht Kutschaty die Awo-Kindertagesstätte im Familienzentrum Bußmanns Weg nahe der Autobahn A40, die Bochum mit Kutschatys Heimatstadt Essen verbindet.

Hier hört Kutschaty von den Müttern der Kinder das, was er als Oppositionschef im Landtag anprangert und als Regierungschef ändern will: zu wenig Plätze im Offenen Ganztagsbereich, zu hohe Kita-Gebühren, zu viel Bürokratie bei Bildung und Teilhabe. Die rund 85 Kinder der Kita haben 14 verschiedene Nationalitäten, zwei von drei haben einen Migrationshintergrund. Als zunehmendes Problem benennt die Kita-Leiterin, dass immer mehr Eltern keinen Job haben oder von ihrer Arbeit allein nicht leben können.

Landtagswahl NRW: Thomas Kutschaty bringt als Vater 14 Jahre Kita-Erfahrung mit

Kutschaty hört sich alles interessiert an und spricht mit den Kindern – auch dann noch, wenn die Kamera des begleitenden Fernsehteams aus ist. Als Vater von drei Kindern bringt er, wie er selbst sagt, 14 Jahre Kita-Erfahrung mit. Seine Kinder sind zwischen 15 und 26 Jahre alt.

Kutschaty hat Humor. Die Frage, ob er nicht auch mal die Kletterwand im Turnraum der Kita ausprobieren wolle, kontert er so: „Ich komme ja so schon fast an den obersten Haltegriff.“ Kutschaty ist 1,70 Meter groß, die Kletterwand ist – kitatauglich – nicht viel höher. Zweites humoriges Beispiel: Als Parteifreund Yüksel erzählt, hier Blockflöte gelernt zu haben, sagt Kutschaty: „Deshalb sind die Balken hier so gebogen.“

Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender der nordrhein-westfälischen SPD, kommt vor Beginn der WDR-“Wahlarena: Der Fünfkampf“ in einem Fernsehstudio in Bocklemünd an.
Thomas Kutschaty: Ein Rebell kämpft sich nach oben © Rolf Vennenbernd/dpa

Ja, für einen Sozialdemokraten, den die Heimatzeitung im Ruhrgebiet im vergangenen Jahr als „linken Rebell“ adelte, ist es ein angenehmer Termin im Endspurt des Wahlkampfes. Angenehm? Darauf angesprochen, sagt Kutschaty: „Ich habe auch nix dagegen, wenn es ruppig wird.“

Landtagswahl NRW: Thomas Kutschaty mit teils heftigen Angriffen auf die Landesregierung

Stimmt. Der 53-Jährige kann auch anders. Im Landtag fielen seine Angriffe auf die Landesregierung in der ablaufenden Legislaturperiode teils so deftig und derbe aus, dass ihm der Fraktionschef der CDU mehrfach die Qualifikation für das Amt des Regierungschefs absprach. Und auch, wenn es gegen die eigenen Leute geht, ist Kutschaty wenig zimperlich. Erst gewann er den Machtkampf um den Fraktionsvorsitz gegen Marc Herter, den heutigen Oberbürgermeister in Hamm, dann komplimentierte er den blassen SPD-Landeschef (Sebastian Hartmann hieß der) aus dem Amt. An Machtinstinkt und Machtwillen mangelt es Kutschaty wahrlich nicht.

Kutschaty kokettiert gerne mit der Geschichte seiner Herkunft aus kleinen Verhältnissen. Der Sozialdemokrat stammt aus einer Eisenbahner-Familie aus dem Norden Essens, und er war der Erste in seiner Familie, der die Hochschulreife erwarb. „Wir würden nie in eine teure Villa ziehen. Da gehören wir nicht hin“, sagte seine Ehefrau Christina dem Magazin „Bunte“. Sie ist Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Remscheid. Ihr Mann arbeitete als Rechtsanwalt, ehe er in der Landesregierung von Hannelore Kraft zwischen 2010 und 2017 Justizminister wurde.

Seit nunmehr 17 Jahren macht Kutschaty Landespolitik. Auf Bundesebene ist er einer von fünf stellvertretenden Parteichefs. Richtig bekannt ist er dennoch nicht, was auch am nicht einfachen Namen liegen dürfte. Mit der Anrede Ministerpräsident könnte sich das ändern.

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