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Rechte Parolen zu „L‘amour toujours“: So reagieren die Radiosender in NRW

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Nach dem Sylt-Skandal steht „L‘amour toujours“ im Fokus – und das fordert von Radiosendern eine Entscheidung. In NRW gibt es eine deutliche Haltung.

Berlin - Die Kontroverse um das Video von Sylt hält auch Wochen später noch an. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Lied „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino, das von den jungen Menschen in dem Video für ihre rechten Parolen zweckentfremdet wurde. Die Frage, ob es im Radio weiterhin gespielt werden soll, spaltet die Meinungen. Während einige Radiosender den Song aus ihrem Programm nehmen, entscheiden sich andere dafür, ihn weiterhin zu spielen – um den rechten Hetzern nicht zu viel Einfluss zu geben.

Rechte Parolen zu „L‘amour toujours“: Wie die Radiosender in NRW reagieren

Die Reaktionen der größten deutschen Radiosender auf das in Verruf geratene Lied des italienischen DJs variieren von Sender zu Sender. Auslöser der Kontroverse war ein im Internet weit verbreitetes Video, in dem junge Menschen in einer Bar auf Sylt die Melodie von „L‘amour toujours“ für rechte und xenophobe Parolen missbrauchten. Dies war kein Einzelfall, das Lied wird immer wieder für solche Zwecke missbraucht.

L’Amour toujours von Gigi D‘Agostino in der Playlist eines Radiosenders.
Nach dem Sylt-Skandal steht „L‘amour toujours“ im Fokus. Radiosender in NRW haben dazu eine klare Haltung. © Svenja Jesse/wa.de

In Nordrhein-Westfalen ist die Haltung der Sender eindeutig. Beim Pop-Sender WDR2 wurde das Lied in den vergangenen eineinhalb Jahren nur vier Mal gespielt, daher war laut Pressestelle keine aktuelle Entscheidung notwendig. Ähnlich sieht es bei Antenne NRW aus. „Wir spielen diesen Song nicht. Tatsächlich auch schon vor dem Eklat nicht, da wir ein anderes Musikformat bespielen“, erläutert Programmgeschäftsführerin Julia Schutz auf Nachfrage von wa.de. Ihre Haltung ist trotzdem eine klare: „Wäre er in der Rotation gewesen, hätten wir ihn aus der Playlist genommen.“

Im Südwesten hat sich SWR3, Popsender des Südwestrundfunks, ebenfalls dazu entschieden, das Lied vorerst aus dem Programm zu nehmen, wie der Sender gegenüber IPPEN.MEDIA bestätigte. „Die SWR3-Redaktion hat sich darüber ausgetauscht und beschlossen, das Lied vorerst nicht mehr zu spielen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Nummer aufgrund des tumben, menschenverachtenden Gegröles für viele Hörer ein rotes Tuch ist“, so der SWR. Der Sender betonte jedoch, dass der Titel nicht dauerhaft aus dem Programm genommen werde.

BR lässt „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino im Programm

Im Gegensatz dazu wird das Lied beim Radiosender Bayern 3 des Bayerischen Rundfunks (BR) weiterhin gespielt. „Nach unserem Wissensstand geben weder der Original-Text noch der Sänger Gigi D‘Agostino selbst Anlass zu der Vermutung, dass der Song aus bestimmten Gründen für die unerträglichen Botschaften missbraucht wird. Die Redaktion wird den Titel daher derzeit nicht aus dem Programm nehmen“, erklärte eine Sprecherin des BR auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA.

Nichtsdestotrotz geht der BR mit dem Lied nicht leichtfertig um. „Allerdings soll auch berücksichtigt werden, dass der Song durch den menschenverachtenden ‚Gröle‘-Text der vergangenen Tage für viele Menschen im Moment ein rotes Tuch ist und leider mit diesen unsäglichen Parolen verbunden wird. Deswegen wird Bayern 3 vorerst vorsichtig mit Einsätzen dieses Titels umgehen – wenn er eingesetzt wird, dann stets eingeordnet im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung.“

„Dies ist ausschließlich auf das grobe Fehlverhalten einzelner Personen zurückzuführen“

Auch der NDR2 wird das Lied weiterhin spielen, während es in anderen norddeutschen Programmen ohnehin nicht mehr gespielt wurde, wie eine Sprecherin erklärte. Bei Antenne Bayern ist das Lied laut stellvertretendem Programmdirektor Gerrit Kohr „schon seit langer Zeit nicht mehr zu hören“, wie er unserer Redaktion mitteilte. Kohr bedauerte, dass es überhaupt zu solchen Fragen und „unschönen Assoziationen“ kommt. „Dies ist jedoch ausschließlich auf das grobe Fehlverhalten einzelner Personen zurückzuführen und steht in keiner Verbindung zu Gigi D‘Agostino und seiner Musik“, so der Programmdirektor.

Für den Bayerischen Rundfunk, der das Lied weiterhin spielt, ist die Frage, ob der Song auch in Zukunft gespielt werden soll, auch eine Grundsatzdebatte darüber, inwiefern sich eine Gesellschaft von extremen Rändern beeinflussen lassen darf: „Soll sich eine freie Gesellschaft von radikalen Minderheiten Musik, Bilder, Filme durch bewusste Entfremdung und Missbrauch wegnehmen lassen? Das würde in den rechten Kreisen ganz sicher als Erfolg gefeiert werden. ‚L’Amour toujours‘ gehört allen Menschen, die friedlich und gemeinsam miteinander feiern wollen. Er gehört nicht den radikalen Bewegungen.“

Die rassistische Umdichtung von „L‘amour toujours“ ist kein Sylt-Problem. Flächendeckend kam es in Deutschland zu ähnlichen Vorfällen – auch in NRW.

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