Badegast beschwert sich

Streit ums Stillen im Schwimmbad: Mutter fühlt sich diskriminiert

Badelatschen stehen im Heidjers Wohl Hallenbad am Beckenrand. Im Corona-Lockdown haben Hallenbäder eigentlich geschlossen. In der Lüneburger Heide hat ein Betreiber aber eine Lösung gefunden, wie Gäste dennoch Baden können.
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Eine Frau hat in einem Schwimmbad ein Kind am Beckenrand gestillt. Es kam zum Streit mit der Badeanstalt. (Symbolbild)

Ein Mann hat sich in einem Schwimmbad über eine Mutter beschwert, die ihr Kind im Wasser gestillt hat. Der Bademeister griff ein. Jetzt fühlt sich die Frau diskriminiert.

Essen (NRW) - In Essen ist es zum Streit ums Stillen im Schwimmbad gekommen. Wie die WAZ berichtet, wurde eine stillende Mutter gebeten, das Stillen zu unterlassen. Das Problem aus Sicht des Hallenbads: Die Frau stillte ihr Kind im Wasserbecken.

StadtEssen
Fläche210,3 km²
Einwohner582.415

Zoff ums Stillen im Schwimmbad: Mutter fühlt sich diskriminiert

Laut des Berichts ereignete sich der Vorfall am 6. Mai. Die junge Mutter sei mit ihrem zweijährigen Kind bei einem Schwimmkurs im Essener Nord-Ost-Bad gewesen. Anschließend - die anderen Mütter seien schon weg gewesen - habe die junge Frau ihr quengelndes Kind auf der Treppe zum Becken gestillt. Dabei habe sie nach eigenen Angaben halb im Wasser gesessen und sich von anderen Badegästen abgewendet.

Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass die junge Frau ihren Sohn am Schwimmbecken gestillt hat, berichtet sie der WAZ. Die Kursleiterin habe bislang nie einen Einwand gehabt - ebenso wie andere Badegäste. Aber an diesem einen Tag störte sich nach Angaben der Mutter ein älterer Mann an dem Anblick.

Er sei mit seinen Enkeln im Kleinkinderbecken gewesen und beschwerte sich beim Bademeister. Dieser habe die Mutter „in barschem Ton“ aufgefordert, das Stillen zu beenden und darauf hingewiesen, dass auch Männer im Bad seien, die sie sehen könnten. Er habe ihr empfohlen, sich in den hinteren Bereich zurückzuziehen, etwa in die Umkleide. Zudem sei es grundsätzlich untersagt, im Wasser zu stillen.

Mutter für Stillen im Schwimmbad ermahnt: Betreiber äußert sich

Die junge Mutter äußert sich bei der WAZ empört über den Vorfall. Der Essener Sportbund (Espo) betreibt das Nord-Ost-Bad und hat in dem Bericht auch Stellung bezogen. So sagte Geschäftsführer Thorsten Flügel, dass man nichts dagegen haben, dass Mütter im Hallenbad ihre Kinder stillen, etwa auf einer Bank oder im Umkleideraum. Das Stillen im Wasser sei aber nicht erlaubt.

Das Personal des Schwimmbades hat im Streit mit der jungen Frau unter anderem darauf verwiesen, dass es unhygienisch sei, wenn Muttermilch ins Wasser gelange und verwies auf folgende Vorschrift: Der Verzehr mitgebrachter Speisen und Getränke im Wasser und am Beckenrand ist verboten. Die Mutter hält dagegen und sagte der WAZ: „Ich bin keine mitgebrachte Speise, sondern eine Mutter.“

Wie der Espo-Geschäftsführer weiter mitteilt, habe man auf das Personal des Bades eingewirkt, in ähnlichen Situationen künftig de-eskalierend zu sein und Lösungen zu finden. Die junge Mutter will laut WAZ weiterhin in das Schwimmbad gehen - protestierte die Woche nach dem Vorfall mit einem Schriftzug in ihrem Dekolteé: „Mitgebrachte Speise“.

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