Corona-Einschränkungen

Sport im Freien: Neue Regeln durch Bundes-Notbremse – Forscher spricht Klartext

Die Bundes-Notbremse bringt neue Regeln für Sport - auch im Freien. Darf ich trotz Corona jetzt noch joggen? Das ist jetzt noch draußen erlaubt. Und das nicht.

Hamm - Die Bundes-Notbremse wird kommen: Das neue Maßnahmenpaket zur Eindämmung des Coronavirus wirkt sich auf viele Bereiche des Alltags in Deutschland und NRW aus. Auch der Sport im Freien ist von Einschränkungen betroffen. Allerdings gibt es Ausnahmen. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
KanzlerinAngela Merkel
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)

Bundes-Notbremse bringt neue Regeln für den Sport im Freien auch in NRW

Deutschland ist bereits im 13. Monat der Corona-Pandemie. Nach einem ständigen Auf und Ab aus Lockdown und Lockerungen und zunehmend unterschiedlicher Ansichten über den richtigen Weg durch die Krise soll nun die sogenannte Bundes-Notbremse die Regeln bundesweit vereinheitlichen.

Ausufernde Diskussionen zwischen Bund und Ländern wie dem von Ministerpräsident Armin Laschet geführten Nordrhein-Westfalen könnten damit der Vergangenheit angehören und ebenso die Sonderwege einzelner Bundesländer. Vorausgesetzt, dass Gesetz passiert Bundestag und Bundesrat.

Persönliche Kontakte, Arbeit, Freizeit, Handel, Geschäfte und mehr - die Regeln der Bundes-Notbremse betreffen fast alle Bereiche unseres Lebens. Die Bundes-Notbremse greift, wenn die 7-Tage-Inzidenz in einem Gebiet an drei aufeinander folgenden Tagen den Wert von 100 überschreitet. Ab dem übernächsten Tag sollen dann schärfere Maßnahmen gelten, zu denen auch eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr gehört.

Sport ist in Städten und Kreisen, die sich im Notbremse-Modus befinden, nur sehr eingeschränkt möglich. Sport in der Gruppe bleibt bei einem Inzidenzwert über 100 grundsätzlich verboten. Allerdings soll die Bundes-Notbremse eine Ausnahme für bis zu fünf negativ getestete Kinder bis 14 Jahre für „kontaktlosen“ Sport im Freien enthalten.

Bundes-Notbremse: Muss ich auf Sport im Freien verzichten? Ausnahmen erlaubt

Müssen Jugendliche und Erwachsene ganz auf Sport im Freien verzichten? Nein. Kontaktloser Individualsport - also beispielsweise Joggen oder Radfahren - bleibt erlaubt. Man darf auch zu zweit laufen oder mit mehreren Angehörigen des eigenen Hausstands. Wer spätabends joggen möchte oder muss, weil es dienstlich nicht anders geht, darf das trotz Ausgangssperre sogar noch nach 22 Uhr tun dürfen - und zwar bis Mitternacht.

Ginge es nach Aerosolforschern, wäre wohl noch weit mehr an Sport im Freien möglich als die Bundes-Notbremse in ihrer aktuellen Fassung erlaubt. Beim kontaktlosen Sport im Freien gibt es laut der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) so gut wie keine Gefahr für Corona-Infektionen. Die Erkenntnisse der GAeF-Wissenschaftler sind schon seit Winter 2020 bekannt, ohne dass die Politik daraus Entscheidungen für eine generelle Öffnung des Sports unter freiem Himmel abgeleitet hat. „Das ist definitiv ein Versäumnis“, kritisiert der Pharmakologe Fritz Sörgel aus Nürnberg.

Joggen zu zweit? Die Bundes-Notbremse bringt neue Regeln für den Sport im Freien

Bei Teamsportarten oder auch Tennis im Freien sieht GAeF-Präsident Christof Asbach „ein extrem geringes Infektionsrisiko“. Dies gelte sogar auch für das Rudern mit mehreren Scullern im Boot. Ebenso hätten zwei nebeneinander laufende, keuchende Jogger wegen der Bewegung kaum etwas zu befürchten. „Ein Virus macht noch keine Infektion“, stellt Asbach fest. „Dazu braucht man einige hundert bis einige tausende“, so Ansbach.

Sport im Freien: Aerosolforscher halten ihn für unbedenklich

Sein Kollege Gerhard Scheuch, ehemaliger Präsident der International Society for Aerosols in Medicine, hält im Fußball Zweikämpfe und normales Mannschaftstraining für problemlos. „Kleingruppen und Training streng nach Abstand ergeben keinen Sinn“, sagte er dfb.de. Zudem hält er die Altersbeschränkung für Sport im Freien für überflüssig: „Das Alter ist egal, weil es so gut wie keine Ansteckungen im Freien gibt.“

Eine Studie in Irland bestätigte die deutschen Aerosolforscher in ihrer Gefährdungsanalyse. Danach seien laut einem Bericht der Irish Times von 232.000 Infektionsfällen nur 260 im Freien aufgetreten. „In anderen Worten: 99,9 Prozent der Covid-19-Ansteckungen erfolgen in geschlossenen Räumen“, fasste Scheuch zusammen. Bei aller Zuversicht warnt Christof Asbach aber auch vor Corona-Risiken: „Wir sehen die Gefahren in Umkleidekabinen, Toiletten oder bei der Anfahrt im Auto oder Bus.“

So sehr die strengen Regeln aufgrund der hohen Corona-Zahlen in Deutschland nach Angaben vieler Experten nötig sind: Die Corona-Notbremse trifft viele Bereiche jedenfalls hart - zum Beispiel in Hamm, wie wa.de* schreibt: Aufgrund der Einschränkungen verlieren Geschäfte in Hamm bis zu 90 Prozent ihrer Kunden. (mit dpa-Material) - *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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