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Spice: Jugendliche landen auf Intensivstation in NRW - das steckt hinter der Droge

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Immer mehr Jugendliche aus NRW landen nach der Einnahme von Spice auf der Intensivstation. Die Polizei warnt explizit vor der Droge. Das steckt dahinter.

Hamm - Sie nennen es die Zombie-Droge. Weil Spice genau das aus einem macht: Einen, der im Stehen schläft. Einen, an dem die Tage einfach vorbeidämmern. Einen, der mehr tot zu sein scheint als lebendig. So wird Spice vor drei Jahren in einer Reportage des Tagesspiegels aus Manchester (England) beschrieben - damals ein Spice-Hochgebiet. Und jetzt nehmen die Fälle anscheinend auch in Nordrhein-Westfalen zu. Die Polizei im Ruhrgebiet warnt eindringlich.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen (2021)

Spice: Jugendliche landen auf Intensivstation in NRW - das steckt hinter der Droge

In den vergangenen Tagen mussten drei Jugendliche aus Recklinghausen und Herten nach der Einnahme von Spice und CBD-Liquids auf Intensivstationen behandelt werden. Die Jugendlichen waren erst 16 und 17 Jahre alt. Vor rund einer Woche berichtete die Polizei von einem weiteren Fall in Duisburg - auch dort mussten drei Jugendliche behandelt werden. Die Polizei hat umfangreiche Ermittlungen eingeleitet, um die Herkunft der Droge festzustellen, heißt es in einem Bericht.

Spice ist in Deutschland verboten. Die Polizei warnt, dass die Einnahme erhebliche und dauerhafte Schädigungen zur Folge haben kann. Auch lebensbedrohliche Verläufe seien möglich. Gerade mit Blick auf die Karnevalsfeiern, die in NRW unter Corona-Auflagen stattfinden, raten die Experten noch einmal von der Einnahme von Spice, THC oder sogenannten „Legal Highs“ ab.

Unter dem Namen Spice wird eine Droge verkauft, die aus synthetischen Cannabinoiden und verschiedenen getrockneten Pflanzenteilen besteht. Der US-Forscher J.W. Huffmann hat in den 1990er Jahren synthetische Cannabinoide entwickelt. Wichtigster Bestandteil: der Stoff JWH-018, der war auch Wirkstoff der ersten Spice-Generation. Huffmann selbst wollte nie, dass seine Erfindung von Menschen konsumiert wird.

Spice: Mehr Wirkung als der Cannabis-Wirkstoff THC

Denn JWH-018 wirkt ungefähr viermal so stark wie der natürliche Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Im Reinzustand liegen synthetische Cannabinoide - mittlerweile gibt es verschiedene - als Feststoffe oder Öle vor. Rauchmischungen werden in der Regel in Päckchen aus Metallfolie verkauft und enthalten getrocknetes pflanzliches Material, dem ein oder mehrere Cannabinoide zugesetzt worden sind. Für die Herstellung werden getrocknete Blätter – beliebt sind die der Eibischpflanze – mit Chemikalien besprüht, die eine ähnliche Wirkung wie das in Cannabis enthaltene THC haben.

Die Gefahren der Designerdroge sind weitaus höher als von natürlichem Cannabis. Die künstlichen Substanzen wirken stärker als pflanzliches THC, außerdem können beim Besprühen der Kräuter Hotspots entstehen - also Stellen mit einer erhöhten Dosis -, die einen Teil einer Füllung zum Höllentrip werden lassen, berichtet das Magazin VICE.

Zwei Tütchen mit der Droge „Spice“ (Archivfoto vom 15.12.2008).
Spice: Jugendliche landen auf Intensivstation in NRW - das steckt hinter der Droge © Boris Roessler/dpa

Spice: Immer neue Substanzen werden entwickelt

Spice ist mittlerweile nur noch ein Oberbegriff für die zahlreichen künstlichen Cannabinoide, die vertrieben werden. Der Verkauf erfolgt wohl häufig online, versendet wird per Post. Es werden immer neue Substanzen entwickelt - mit ähnlichen Wirkungen.

Dagegen geht die Bundesregierung seit 2016 mit dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) vor. Das Gesetz macht nicht mehr nur einzelne Stoffe illegal, sondern gleich ganze Stoffgruppen. „Mit dieser Stoffgruppenregelung soll der Wettlauf zwischen dem Auftreten immer neuer chemischer Varianten bekannter Stoffe und den anzupassenden Verbotsregelungen im Betäubungsmittelrecht durchbrochen und ein klares Signal an Händler und Konsumenten gegeben werden, dass es sich um verbotene und gesundheitsgefährdende Stoffe handelt“, heißt es von der Regierung.

Normalerweise kommt es beim Konsum von Spice zu ähnlichen Wirkungen wie bei Marihuana. Experten befürchten jedoch zahlreiche Nebenwirkungen: etwa Halluzinationen und Verwirrtheit. Und das lässt einen dann eben aussehen wie ein Zombie.

Erst vor wenigen Tagen ist die Polizei in NRW zufällig auf eine Drogen-Fabrik gestoßen. Es war erst ein normaler Einsatz der Feuerwehr: Ein Brand in einer Fabrikhalle in Hagen musste gelöscht werden. Doch dadurch kam eine Gras-Plantage zum Vorschein.

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