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Soesterin fällt auf „Karma-Beauftragte“ rein und wechselt fünf Tage ihre Unterwäsche nicht

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Von: Daniel Schröder

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In einem Putzlappen sah die Soesterin ihr Geld und ihren Schmuck zum letzten Mal. (Symbolfoto)
In einem Putzlappen sah die Soesterin ihr Geld und ihren Schmuck zum letzten Mal. (Symbolfoto) © Daniel Schröder

Einmal mehr trieb eine dubiose Wunderheilerin, die sich in diesem Fall als „Karma-Beauftragte“ ausgab, ihr Unwesen in Soest. Eine Seniorin fiel auf die Masche herein. Die Polizei schildert den kompletten Fall.

Soest - Eine leichtgläubige Seniorin, Eier und eine „schwarze Seele“ - mehr brauchte es für die Betrüger nicht, um an eine Menge Geld zu kommen.

Das Opfer der Tat, eine 68-jährige Soesterin, traf bereits am Montag, 11. April, auf die Täterinnen. Demnach sei es auf dem Parkplatz eines Geschäftes am Kaiser-Otto-Weg zu der seltsamen Begegnung gekommen, schilderte Polizeisprecher Wolfgang Lückenkemper. Doch wegen der hoffnungsvollen Leichtgläubigkeit der Frau kam der Fall erst jetzt ans Licht.

Betrug: Russisch sprechende Frau spürt „schlechtes Karma“

Demnach sei die Seniorin von einer ihr unbekannten Frau auf Russisch angesprochen worden. „Die Unbekannte sagte der Soesterin, dass sie schlechtes Karma bei ihr spüre. Dagegen könne man etwas tun“, schilderte der Polizeisprecher den Verlauf. „Was sich danach abspielte“, sei „es einfach wert“, komplett niedergeschrieben zu werden, so Lückenkemper.

„Lösung des Problems“: Soesterin soll Eier kaufen - darin wird eine „schwarze Seele“ festgestellt

Die Soesterin wurde nach der Hiobsbotschaft über das schlechte Karma in einen Laden geschickt worden, um Eier zu kaufen. Eines der Eier nahm die „Karma-Beauftragte“ an sich. „Die Soesterin musste auf das Ei spucken, damit die Unbekannte es anschließend in ein Taschentuch gewickelt in ihre Jackentasche stecken konnte. Nach einer Weile zog die Betrügerin das Ei wieder aus der Tasche, sah es sich genau an und stellte eine ‚schwarze Seele‘ im Ei fest.“

Doch es ging noch weiter: Um das schlechte Karma zu vertreiben, wurde ein Bindfaden zerrissen und dann wieder zusammengeknotet. Anschließend erschien eine zweite unbekannte Frau. Diese ging mit dem Opfer nach Hause, um ihr gesamtes Bargeld und ihren Schmuck zu holen. „Mit einer stattlichen Bargeldsumme und etwas Goldschmuck traf man sich anschließend wieder mit der ‚Karma-Beauftragten‘ auf dem Parkplatz“, berichtete der Polizeisprecher.

Ritual: Soesterin darf Unterwäsche nicht wechseln und muss jeden Tag bestimmtes Wasser trinken

Die „Karma-Frau“ wickelte die Wertgegenstände „unter großem Tamtam“ in ein Handtuch ein und gab sie der Soesterin zurück. Sie sollte das Päckchen nun neun Tage unter ihrem Kopfkissen aufbewahren. Während der Zeit dürfe sie die Unterwäsche nicht wechseln und müsse jeden Tag drei Tropfen eines bestimmten Wassers trinken. Dies tat die Seniorin auch fünf Tage lang bis zum Freitag der vergangenen Woche.

Die Tochter kommt zu Besuch, dann fliegt der Schwindel auf

An diesem Tag bekam die Seniorin Besuch ihrer eigenen Tochter. Dieser erzählte sie die Geschichte. Ein kurzer Blick in das Handtuchpäckchen zeigte: Bargeld und Schmuck waren weg! Das Päckchen war voller Papierschnipsel.

Polizei: Täter nutzen emotionale Situationen

Beide Frauen begaben sich daraufhin zur Polizei und erstatteten Anzeige. „Auch bei dieser Masche erschleichen sich Betrüger emotionalen Zugang zu ihren Opfern. Ob per WhatsApp oder per direkter muttersprachlicher Ansprache, werden emotionale
Situationen aufgebaut und anschließend schamlos zum Betrug genutzt. Die Kriminalpolizei rät immer dringend zur Vorsicht, wenn Fremde sich zu sehr kümmern“, betonte Wolfgang Lückenkemper.

Bereits bei einem fast identischen Fall, der sich im Dezember in Soest ereignet hatte, erklärte ein Polizeisprecher, dass es sich in solchen Fällen wahrscheinlich um „eingefleischte Betrüger“ handeln würde, die auf ihr Werk spezialisiert sind. Derartige Fälle würden „alle drei bis sechs Monate“ vorkommen. „Die Masche ist zwar bekannt, kommt hier aber äußerst selten vor.“

Zeugen, die Angaben zu den beiden Tatverdächtigen machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 02921-91000 mit der Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen.

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