Tödlicher Kirmes-Schubser: 18 Monate auf Bewährung

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Der Angeklagte mit seinem Anwalt im Gerichtssaal.

SOEST/ARNSBERG - Kirmes-Rempler mit Folgen: Bei einer Rangelei auf der Allerheiligenkirmes 2012 stürzte ein Mann so unglücklich, dass er später starb. Am Dienstag wurde der 19 Jahre alte Schubbser wegen Körperverletzung mit Todesfolge vom Landgericht Arnsberg zu 18 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

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Der Auszubildende hatte vor der Jugendstrafkammer zugegeben, den 50-Jährigen von sich gestoßen zu haben. Zuvor hatten offenbar beide Männer schlichtend in einen handgreiflichen Streit zwischen einem Freund des 19-Jährigen und einem Arbeitskollegen des 50-Jährigen eingreifen wollen. Dabei waren sie dann selbst aneinander geraten. Der 50-Jährige war durch den Stoß rücklings mit dem Kopf auf das Kopfsteinpflaster geschlagen. Eine Woche später starb er an seinen Kopfverletzungen.

Eigentlich, so Staatsanwalt Marco Karlin, war es eine leider normale Kirmes-Rangelei, die an der Tagesordnung ist. Dass das Opfer durch den Stoß die Balance verlor und ohne Reaktion auf den Hinterkopf prallte, sei möglicherweise auch durch den Alkohol bedingt. Denn alle Beteiligten und auch die elf geladenen Zeugen hatten am "Pferdemarkt-Donnerstag" vor fast auf den Tag genau einem Jahr schon reichlich getrunken. Deshalb ließ sich das Geschehen auch nicht komplett aufklären. "Das ist häufig so, dass nachher keiner mehr weiß, wer angefangen hat", sagte Karlin.

Als "alkohol-bedingt enthemmt im Klima alkohol-bedingter Enthemmung" beschrieb der Staatsanwalt den 19-Jährigen, der sicher nicht mit einem Tötungsvorsatz gehandelt habe. Aber dass er den Mann durch seinen Stoß aus dem Gleichgewicht bringen könnte, müsse er schon in Kauf genommen haben, sagte Richter Willi Erdmann in seiner Urteilsverkündung.

Nach der Tat war der 19-Jährige mit seinen Bekannten geflüchtet. "Das war nicht anständig", sagte Erdmann. Denn den Aufprall des Mannes hatten umstehende Zeugen als deutlich gehört.

Weil der Azubi zum Kraftfahrer aber bereits kurz nach der Tat ein Geständnis ablegte und noch nicht vorbestraft ist, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. "Ich kann verstehen, dass ihr voller Hass für mich seid. Ich würde gern alles rückgängig machen", wandte er sich an die Witwe und Tochter des 50-Jährigen. Die waren nach dem Urteil enttäuscht. "Wir haben lebenslänglich", sagte die Ehefrau des Mannes. - Järg Taron

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