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So war das Handy-freie Konzert von Gitarren-Gott Jack White in Köln

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Von: Frank Zöllner

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Jack White in Köln
Jack White in Köln © David James Swanson

Wie ein Abend aussieht, der komplett im Zeichen der Musik steht, ist am Donnerstag im Kölner Palladium zu erleben.

Köln - Jack White, Blues-Erneuerer und Wegbereiter für die The-Bands Anfang der Nuller Jahre mit den Stil-prägenden The White Stripes, lenkt die Konzentration komplett auf sich und seine Mit-Musiker. Trat er am vergangenen Wochenende als Überraschungsgast beim legendären Glastonbury-Festival in England auf, kann er nun im Rahmen der „Supply Chain Issues Tour“ die Bedingungen bestimmen.

Beim ersten Auftritt auf dem Festland seiner Europa-Tournee steht auf den Eintrittskarte groß „Phone Free Show“. Das Handyverbot hatte der 46-jährige mehrfache Grammy-Gewinner schon bei der vergangenen Tournee ausprobiert - und offensichtlich Gefallen daran gefunden. Es soll die Aufmerksamkeit komplett auf die Musiker lenken, die Show, den Augenblick.
White bietet dabei eine 105-minütige Reise durch seinen musikalischen Werdegang und die Essenz seines künstlerischen Schaffens. Und er wirft dabei auch einen Blick in die Zukunft. „If I Die Tomorrow“ ist die aktuelle Single und eher eine Country- und Folk-Miniatur, „A Tree On Fire From Whithin“ vom neuen Album „Entering Heaven Alive“, das Ende Juli erscheinen soll. Dabei hatte der in Nashville ansässige Produzent und Plattenlabel-Inhaber erst im April mit „Fear Of The Dawn“ ein neues Album veröffentlicht - er hat sich die komplette künstlerische Freiheit erarbeitet. Und auch „Power Of My Love“ als Elvis-Presley-Coverversion ist frisch und wuchtig - es ist auch Whites Beitrag zum Sountrack des gerade erschienenen „Elvis“-Biopic.

Mit „Taking Me Back“ und dem Titelsong eröffnen zwei Songs vom aktuellen Album den Abend. Der Sound ist glasklar und knallhart. White hat drei Musiker dabei. Einen exzellenten Schlagzeuger, mit dem er sich immer wieder für seine ausschweifenden und gefeierten Gitarren-Solis abspricht, einen Bassisten, der auch Kontrabass spielt, sowie einen Multi-Instrumentalisten. Mir „Dead Leaves On And The Dirty Ground“ gibt es früh einen White-Stripes-Song, gefolgt von „Hello Operator“ und „Hotel Yorba“ wird fast zu einer Schunkel-Nummer. White, als einer der besten Gitarristen weltweit gehandelt, spielt schon hier seine ersten Soli - wie in Trance entrückt und mit geschlossenen Augen. So wird fast jeder der 23 Songs veredelt.

Er trägt blaue Haare, eine Anzughose, Hosenträger und ein Hemd. Auch die Roadies und Crwmitglieder sind stilvoll in Anzügen und mit Pork Pie-Hut gekleidet - zu sehen, weil immer wieder die Gitarren von White neu gestimmt werden. Zu „You Don‘t Understand Me“ spielt er Klavier, „You‘ve Got Her In Your Pocket“ alleine eine Akustikversion. Zum Rap-Moster „Hi-De-Ho“ kommt der Sprachgesangs-Part vom Band, zu „I Think I Smell A Rat“ heult die Gitarre laut auf und Whites Stimme fällt ins Kiksende. Das Bühnenbild ist in schwarz, blau und weiß gehalten - dazu steht eine weiße Statue auf der Bühne mit einem Mann mit Tolle und Ukulele - ist das der junge John Anthony Gillies, wie Jack White mit Geburtsnamen heißt? Dazu gibt es Videobilder in schwarz-weiß und Live-Aufnahmen der Musiker, die auch das präsentierte Handwerk feiern.

Jack White in Köln
220630_JW_Koln_000525.jpg © David James Swanson

Das Opus Magnum an diesem Abend ist „Steady, As She Goes“, ein Song, den er mit seiner früheren Band The Raconteurs schrieb. Es ist eine sechsminütige Version mit Tempiwechseln und ausschweifenden Soli, die großen Jubel auslöst. Zum Abschluss gibt es mit „Seven Nation Army“ den Über-Hit von Jack White, der längst zu einer Stadion-Hymne geworden ist. Aber so, wie White den Song auf seiner Akustikgitarre spielt, holt er ihn sich zurück und er passt perfekt in den Club-Rahmen. Der Rest ist einer artige Vebeugung, die Andeutung eines Lächelns auf dem blassen Gesicht von White - auch ihm scheint dieser grandiose Abend gefallen zu haben.

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