Zehn Meter langes Schiffswrack

Sensation in der Lippe: Hobbytaucher entdeckt geheimnisvollen Schatz

[Update] Einen Schatz hat der Lippstädter Hobbytaucher Peter Ferlemann in der der Lippe bei Schoneberg „gehoben“. Er entdeckte ein zehn Meter langes, versunkenes Schiff - aus dem hohen Mittelalter.

Lippeltal/Herzfeld/Schonenberg - Geheimnis um ein hölzernes Schiffsskelett in der Lippe. Wer hat es gebaut? Welchem Zweck hat es gedient? Solche Fragen wollen die Archäologen jetzt nach eingehender Untersuchung und Dokumentation des quer in der Lippe liegenden zehn Meter langen Wracks schon bald beantworten.

Den Schatz aus dem Mittelalter hat der Lippstädter Hobbytaucher Peter Ferlemann als ehrenamtlicher Begleiter zusammen mit Luise Hauswirth von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) in der der Lippe bei Schoneberg „gehoben“. 

Sie entdeckten beim gemeinsamen Tauchgang auf der botanischen Suche nach seltenen Wasserpflanzen die Holzbalken des Schiffswracks auf dem Grund der Lippe, machten Foto- und Video-Aufnahmen und nahmen eine Holzprobe mit an die Oberfläche. Peter Ferlemann hatte einen ihm auffällig erscheinenden Holzbalken genauer unter die Lupe genommen.

Zufallsfund in der Lippe: Taucher finden geheimnisvollen Schatz

Das war bereits im Sommer 2019. Laut aktueller Expertise durch vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zugezogene Archäologen nach der Untersuchung einer Holzprobe muss das Schiffsskelett rund 800 bis 900 Jahre alt sein.

Eine Spante und Planken vom historischen Schiffrumpf hat Peter Ferlemann mit seiner Unterwasser-Kamera in der Lippe aufgenommen.

In diesem Jahr wurde ein zweiter Tauchgang durchgeführt, wieder mithilfe der beiden Entdecker. Die beiden Taucher stellten schnell fest, dass die Lage des Wracks sich seit dem letzten Besuch deutlich verändert hatte. Ein Spant, der inzwischen von der Strömung völlig freigelegt worden war, wurde für weitere Untersuchungen mit an Land gebracht.

Prof. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie berichtet: „Nach der Meldung wurden Holzreste, die Peter Ferlemann und Luise Hauswirth vom Wrack mit an die Oberfläche gebracht hatten, untersucht. Die ersten Altersbestimmung der Isotopen des Holzes im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim ergab, dass es aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, also aus dem Hochmittelalter stammt.“

Fund in der Lippe: Schiff stammt aus dem Hochmittelalter

Professor Baales weiter: "Wir wollten die Datierung des Wracks präzisieren, daher baten wir Dr. Thomas Frank und sein Team im Labor für Dendroarchäologie der Universität zu Köln um Hilfe". Das Ergebnis: Die Experten konnten die Zeit, zu der die Bäume für den Bau des Bootes gefällt wurden, bis auf wenige Jahre eingrenzen: 1146 bis 1156 n. Chr.

Es handelt sich bei dem Wrack laut LWL um den ältesten Fund eines aus Planken und Spanten gebauten Boots aus der westfälischen Lippe. Aus dem Rheinland sind zwar Funde aus römischer Zeit bekannt, und in der Lippe wurden mehrere Einbäume, ähnlich wie ein Kanu gefertigt aus einem ausgehöhlten Baumstamm, und ein weiteres Plankenboot entdeckt. Dieser Fund stammt allerdings aus der frühen Neuzeit.

Jedoch ist das Wrack vom Liegen in Wasser und Sand so morsch, dass es schwierig wird, es einigermaßen komplett zu bergen.

Die LWL-Archäologen haben inzwischen weitere Experten für Unterwasserarchäologie aus Südwestdeutschland ins Boot geholt. "Das Team um Dr. Martin Mainberger (60) von der Firma UWARC untersucht das Wrack jetzt für uns", so Baales. Mainberger und sein Tauch-Team, die Forschungstaucher Boris Kiefer und Markus Herrmanns, wird in der Lippe besondere Film- und Bildaufnahmen des Wracks erstellen, die es im besten Fall erlauben, ein 3D-Modell des Boots zu erstellen. Ob dies gelingt, hängt jedoch von den äußeren Bedingungen für die Taucher ab, etwa Sichtweite und Wasserstand.

Hightech zur Analyse: Lippe-Fund wird weiter untersucht

Dieses 3D-Modell soll den Fachleuten Aufschluss darüber geben, in welchem Zustand sich das mittelalterliche Wasserfahrzeug befindet und vielleicht auch darüber, um welchen Bootstyp es sich handelt. Ob das Wrack durch die Strömung gefährdet ist und ob es geborgen werden muss, um es zu erhalten, sind weitere Fragen. Denn, das Areal soll, wie andere Bereiche der Lippe, demnächst renaturiert werden.

Der erfahrene Hobby-Taucher Peter Ferlemann (rechts) hat das Schiffswrack auf der Höhe des Naturschutzgebietes "Wulfesknapp" bei Schoneberg in der Lippe entdeckt. Martin Mainberger von der Firma UWARC aus Staufen im Breisgau untersucht und dokumentiert jetzt mit seinem Team den Sensationsfund im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe.

"Eine Bergung wäre nicht nur ein großer finanzieller Aufwand", sagt Baales. "Zudem müsste man sich Gedanken über eine sachgerechte Einlagerung oder eine museale Präsentation machen." Die Fachleute wollen zunächst die aktuell laufenden Untersuchungen abwarten. 

Erste Ergebnisse gibt es aber bereits: Das Boot aus dicken Eichenbohlen ist sehr lang, wobei der Bootstyp noch nicht abschließend geklärt ist. Zu erkennen sei allerdings, dass es eine relativ hohe Bordwand hatte. Zudem liegen in dem Bereich des Bootes weitere Holzteile die zeigen, dass die heute noch erhaltenen Teile akut von Zerstörung bedroht sind.

Rubriklistenbild: © Peter Ferlemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare