Bis Dienstagabend

Streik bei Amazon in Werne: Kommen Ihre Pakete noch rechtzeitig an?

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Bei Amazon in Werne wird gestreikt. 

[Update 11.48 Uhr] Werne - Mitten im Weihnachtsgeschäft hat nach Gewerkschaftsangaben in der Nacht auf Montag ein zweitägiger Streik von Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen beim Versandhändler Amazon begonnen.

Die Gewerkschafter riefen Amazon-Mitarbeiter im Versandhandelszentrum in Werne auf, zunächst bis Dienstagabend zu streiken. 

Gestreikt wird auch in einem Zentrum in Leipzig. Dort soll der Streik sogar bis Heiligabend dauern. Insgesamt hätten 350 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Es werde Verzögerungen im Versand gehen, sagte ein Verdi-Sprecher. 

Amazon betont hingegen, dass die Zustellung der Pakete pünktlich zu Weihnachten nicht in Gefahr sei. "Der Streik hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens", heiß es. Eine "überwältigende Mehrheit" der Mitarbeiter arbeite normal. 

Forderung nach höherem Weihnachtsgeld

Mit dem Streik wollen die Gewerkschafter ihre Forderung unterstreichen, Arbeitsbedingungen tarifvertraglich zu regeln. „Nach den Tarifverträgen des Einzelhandels steht den Kolleginnen und Kollegen in der Branche ein Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des individuellen Monatsentgelts zu", sagt Silke Zimmer, Verdi-Bezirksfachbereichsleiterin für den Handel in NRW. 

Demnach würden den Amazon-Beschäftigten mehr als 1400 Euro zustehen. Amazon zahle dagegen nur zwischen 400 und 600 Euro. "Bei dem Umsatz, den Amazon in der Weihnachtszeit auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen erwirtschaftet, ist dies durch nichts zu rechtfertigen", meint Zimmer.

"Den Kollegen wird nichts geschenkt"

Karsten Rupprecht, der für Werne zuständige Gewerkschaftssekretär, ergänzt: "Den Kolleginnen und Kollegen wird nichts geschenkt. Gerade in der Weihnachtszeit hätten sie es zwar verdient, aber die Erfahrung mit Amazon zeigt, dass es nur der Druck durch die Beschäftigten war, der bislang zu Verbesserungen geführt hat." 

Verdi fordert Amazon seit mehr als fünf Jahren dazu auf, Tarifverhandlungen analog zum Einzel- und Versandhandel zu führen. Das US-Unternehmen lehnt dies ab. Amazon sieht sich als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende dessen, was in der Logistikbranche üblich sei. 

"Fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber"

"Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", schreibt ein Unternehmenssprecher in einer Pressemitteilung.

Amazon biete den Mitarbeitern in den Versandzentren Überstundenzuschläge, Boni bei entsprechender Leistung, berufliche Ausbildung sowie Mitarbeiteraktien. Die Beschäftigten hierzulande stiegen mit einem Lohn von mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde ein und bekämen nach zwei Jahren im Schnitt knapp 2400 Euro im Monat inklusive Zusatzleistungen wie Boni. - mit dpa-Material

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