Urteil am Dortmunder Landgericht

Bluttat an Lünener Gesamtschule: Vater des Opfers schimpft über "Witzjustiz"

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Update] Dortmund/Lünen -  Nach dem gewaltsamen Tod eines 14-jährigen Schülers muss der ebenfalls jugendliche Täter für sechs Jahre ins Gefängnis.

Die Jugendstrafkammer am Dortmunder Landgericht verurteilte nach komplett nichtöffentlicher Verhandlung den zur Tatzeit 15-jährigen nach mehrmonatigem Prozess wegen Körperverletzung mit Todesfolge. 

Er hatte im Januar an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen einen 14-jährigen Mitschüler auf einem Schulflur erstochen. Bei einer ersten Vernehmung am Tatabend erklärte der Messerstecher, dass das Opfer in dem Moment vor den tödlichen Messerstichen seine Mutter provozierend angeschaut habe. 

Der spätere Täter und seine Mutter saßen kurz nach acht Uhr auf dem Schulflur und warteten auf das Gespräch mit einer Schulsozialarbeiterin - der Jugendliche galt damals als aggressiv und unbeschulbar und hatte zeitweilig eine andere Schule besucht. 

Am Tatmorgen sollte mit der Sozialarbeiterin über eine mögliche Rückkehr an die Lüner Gesamtschule gesprochen werden. Die Staatsanwaltschaft hatte den jungen Lüner ursprünglich wegen heimtückischen Mordes angeklagt. 

Doch nach Auskunft von Gerichtssprecher Dr. Thomas Jungkamp konnte in dem mehrmonatigen Prozess dem jugendlichen Angeklagten nicht nachgewiesen werden, dass er seinen ein Jahr jüngeren Mitschüler töten wollte. Er konnte daher nicht wegen Mordes oder Totschlags verurteilt werden, sondern "lediglich" wegen Körperverletzung mit Todesfolge. 

Die Angehörigen des getöteten Jungen reagierten auf dem Gerichtsflur fassungslos auf das aus ihrer Sicht falsche und zu milde Urteil. Der Vater des Jungen schimpfte lauthals über die "Witzjustiz" und das im Prozess aufgeführte "Kasperletheater". 

Die Anwältin der Opferfamilien kündigte direkt nach der Urteilsbegründung an, das ergangene Urteil anfechten zu wollen.

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