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Schweinetransport-Unfall auf der A44: PETA zeigt „die Verantwortlichen“ an

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Von: Daniel Schröder

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Der Veterinär des Kreises Soest entschied, dass die Schweine erst bei der Firma Tönnies entladen werden sollen.
Der Veterinär des Kreises Soest entschied, dass die Schweine erst bei der Firma Tönnies entladen werden sollen. © Janis Peitz/Feuerwehr Anröchte

Nach dem Schweinetransporter-Unglück auf der A44 bei Anröchte hat die Tierschutzorganisation PETA Anzeige gegen die aus ihrer Sicht „Verantwortlichen“ erstattet.

Anröchte - Nachdem es in der vergangenen Woche auf der A44 bei Anröchte im Kreis Soest zu einem Unfall mit einem Schweinetransporter gekommen war, hat die Tierschutzorganisation nun Anzeige erstattet.

Rückblick: Am Montag, 11. April, war am Abend ein Schweinetransporter, beladen mit 90 Tieren, von der Fahrbahn abgekommen, im Straßengraben gelandet und umgekippt. Bei dem Unfall seien laut Angaben des Kreises Soest 29 Tiere getötet und sechs verletzt worden. Zunächst hatte es danach ausgesehen, als hätten die Tiere umgeladen werden müssen. Jedoch konnte der Transporter per Kran aufgerichtet und zum Schlachtbetrieb „Tönnies“ geschleppt werden.

Nach Schweinetransporter-Unfall auf der A44: PETA zeigt „Verantwortliche“ an

Die Tierschutzorganisation PETA erklärte am Dienstag, rund eine Woche nach dem Unfall: „Gegen die Verantwortlichen hat PETA nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Kassel erstattet, unter anderem wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und gegen die Tierschutztransportverordnung.“

Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei PETA Deutschland, konkretisierte gegenüber unserer Redaktion auf die Frage, gegen wen sich die Anzeige konkret richtet: „Namen sind uns nicht bekannt, aber den Behörden. So ist der gerade mal 21-jährige Fahrer bekannt und auch das Unternehmen.“

PETA prangert „Defizite auf Tiertransporten“ an

Haferbeck führte weiter aus: „Wir erwarten Ermittlungen in diesem Fall wie auch in anderen, da die Defizite auf Tiertransporten auch im Inland eklatant sind. Es genügt bedingter Vorsatz, der hier gegeben sein dürfte, um eine Strafbarkeit zu bejahen.“ In einer PETA-Mitteilung hieß es: „Für Tiere sind die Transporte stets mit zahlreichen Risiken und Qualen verbunden: Sie leiden unter Hunger und Durst, sind erdrückender Enge und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Auch das Verletzungsrisiko in den vollbelegten Transportern ist enorm. Immer wieder ereignen sich tödliche Unfälle. Die Tierrechtsorganisation fordert ein ausnahmsloses Verbot von kommerziellen Tiertransporten.“

Der Transporter kippte auf die Seite. Ein Kran richtete ihn wieder auf.
Der Transporter kippte auf die Seite. Ein Kran richtete ihn wieder auf. © Janis Peitz/Feuerwehr Anröchte

So gebe es keine „schonenden Tiertransporte in der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie“. PETA: „Bei Unfällen sterben Schweine, Rinder, Hühner, Puten oder andere Tiere qualvoll und langsam. Körperteile werden eingequetscht oder brechen. Die Tiere geraten in Panik, erleiden Kreislaufzusammenbrüche oder Herzinfarkte“, berichtete Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und PETA-Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie.

Nach Unfall mit Schweinetransporter auf der A44: PETA dankt Einsatzkräften

Dank richtete PETA den beteiligten Einsatzkräften aus, „sowie allen weiteren Menschen, die sich bei dem Unfall für die Rettung der Tiere eingesetzt haben“.

Schweine dürfen laut der Tierschutztransportverordnung bis zu acht Stunden am Stück befördert werden. „Allein dies ist extrem belastend für die Tiere. Durch Ausnahmegenehmigungen sind die Transportzeiten jedoch oft sehr viel länger. Auch ohne die qualvollen Transporte leiden Tiere, die für Ernährungszwecke gehalten und gezüchtet werden. Schweine zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten; die meisten der intelligenten und äußerst sensiblen Lebewesen müssen ihr in der Regel kurzes Leben in Ställen auf Spaltenböden verbringen, ohne je frische Luft zu spüren“, so PETA.

Jedes Jahr werden rund 55 Millionen Schweine in deutschen Schlachthäusern getötet. Laut Bundesregierung sind dabei über 5 Millionen der Tiere nicht ausreichend betäubt und weisen teilweise noch Lebenszeichen auf, wenn sie in das über 100 Grad heiße Brühbad kommen, hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage einer Grünen-Abgeordneten aus dem Juni 2012.

PETA-Jurist Haferbeck erklärte zudem, warum die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Kassel erstattet wurde, obwohl die Staatsanwaltschaft Paderborn für den Unfallort in Anröchte zuständig wäre: „Wir können nicht immer ausschließen, dass wir die richtige Staatsanwaltschaft ‚treffen‘, was insofern auch unschädlich ist, da die angerufene Staatsanwaltschaft, hier Kassel, die Strafanzeige dann an die zuständigen Kollegen weiterreicht.“

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