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Schwarze Koffer am Flughafen: Warum macht das Gepäck Probleme?

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Von: Marcel Guboff

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Der Flughafen in Frankfurt rät Reisenden von schwarzen Koffern ab - und liefert eine Erklärung. Ist die Lage an den NRW-Airports Düsseldorf und Köln/Bonn anders?

Hamm - An den meisten großen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland herrscht Chaos. Nahezu überall herrscht Personalmangel. Dieser führt zu Verspätungen und Koffer-Chaos.

Dies hatte zur Folge, dass zum Beispiel am Flughafen in Frankfurt zuletzt häufig Koffer liegen geblieben sind, während ihre Besitzer ihren Anschlussflug noch bekommen haben. In der Spitze lagen vor einigen Tagen schon 5000 nachzusendende Koffer in den Hallen des größten deutschen Airports. Ankommende Passagiere müssen oft stundenlang auf ihr Gepäck warten, da ausgehendes Gepäck bevorzugt verladen wird.

Keine schwarzen Koffer: Was dahinter steckt - und wie es andere Flughäfen sehen

Fraport - Betreiber des Flughafens Frankfurt - will dem Problem mit dem Abraten von schwarzen Gepäck vorbeugen. Die Begründung klingt zunächst einmal wirsch. Thomas Kirner als Leiter Passagierkommunikation der Fraport AG sagt: „Viele reisen mit schwarzem Rollkoffer – das macht die Identifizierung sehr zeitintensiv.“ Und ist der Koffer doch schwarz, wird zu individuellen Aufklebern, einem bunten Kofferband oder „ein mit Gewebeband aufgeklebtes Zeichen“ empfohlen. Das ist für Passagiere zwar hilfreich - fraglich erscheint jedoch, was das mit dem fehlenden Personal bei der Koffer-Abfertigung zu tun hat.

Dabei ist zu bedenken, dass Fraport sein Personal während der Corona-Pandemie rund 4.000 Stellen abgebaut und darüber hinaus zusätzlich Personal verloren hat. Die Folgen bekommt der Flughafen Frankfurt - und vor allem die Passagiere - aktuell zu spüren.

Darüber hinaus rät Fraport: „Der aufgegebene Koffer sollte sowohl außen als auch innen mit gut sicht- und lesbarer Eigentums- und Adressangabe versehen sein.“ So könne das Gepäck - sollte es verloren gehen - einfacher seinen Besitzern zugeordnet werden. So gesehen sinnvoll. Anders betrachtet aber weniger: Sollte der Koffer in die falschen Hände geraten, wird er zu Einladung für Einbrecher - wenn sie wissen, dass bestimmte Personen im Urlaub und somit nicht zu Hause sind.

Frankfurt rät von schwarzen Koffern ab - Flughafen Düsseldorf spricht keine Empfehlung aus

Eine solche Empfehlung gibt es am größten Airport in Nordrhein-Westfalen, dem Flughafen Düsseldorf, derweil nicht. Ein Sprecher verweist auf Nachfrage von wa.de darauf, dass die „Verantwortung für die Gepäckabfertigung bei den Airlines und ihren Dienstleistern“ liege. „Diese nennen in ihren Beförderungsbestimmungen, wie Gepäckstücke beschaffen sein sollen.“

Dem Flughafen selbst sei jedoch nicht bekannt, „dass Airlines Passagieren Vorgaben zur farblichen Gestaltung ihrer Gepäckstücke machen. Wir geben diesbezüglich ebenfalls keine Empfehlungen“, erklärte der Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Was Reisende vom Düsseldorfer Flughafen aktuell wissen müssen, fasst 24RHEIN zusammen.

Keine großen Koffer-Probleme an Airport Köln/Bonn

Am Airport Köln/Bonn gibt es derweil aktuell keine großen Probleme mit der Koffer-Abfertigung, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage von wa.de. „Diese Bilder, die man von anderen Flughäfen sieht, gibt es bei uns nicht.“ Die Prozesse der Gepäckabfertigung liefen gut. Anders als etwa in Düsseldorf, laufen große Teile des Gepäckdienstes noch über den Airport selbst. Größer sind die Probleme in Köln/Bonn derweil bei der Sicherheitskontrolle - ein Betroffener berichtete von Tränen und Ärger.

Die großen Flughäfen und die dort ansässigen Airlines reagieren auch auf andere Weise auf das fehlende Personal für die Abfertigung der Passagiere. So strich Eurowings schon vor dem Ferienbeginn in NRW zahlreiche Flüge am Flughafen Düsseldorf - wo die Airline Marktführer ist.

Flughafen-Chaos: Frankfurt dünnt Flugplan aus

In Frankfurt ist der Flugplan vorab - die Ferien in Hessen starten am 25. Juli - ausgedünnt worden. Fraport will die Belastungsspitzen kappen und daher pro Stunde nur noch höchstens 88 Starts und Landungen abfertigen. Vor einigen Wochen waren noch 106 Flug-Bewegungen pro Stunde möglich. Der Betrieb am Flughafen Frankfurt - in einem Ranking der zweitschlimmste Airport in Europa - habe sich laut Fraport-Sprecher Jürgen Harrer bereits stabilisiert - und der Kofferberg konnte auf rund 2000 Gepäckstücke reduziert werden.

Bislang hat allein die Lufthansa in Frankfurt und München fast 6000 Flüge gestrichen, doch Fraport will weitere Gesellschaften in die Pflicht nehmen, einzelne Flüge abzusagen oder zumindest in schwächere Zeiten zu verschieben. Das stößt allerdings schnell an Grenzen, denn die Lufthansa Group steht in Frankfurt für rund 80 Prozent aller Flüge. 

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