Kurz vor dem Start

Steigende Corona-Zahlen: Wie sicher sind die Schulen in NRW?

Kurz vor dem Start des neuen Schuljahres in NRW stellt sich bei steigenden Corona-Zahlen die Frage: Wie sicher sind die Schulen? Regierung und Opposition sehen das unterschiedlich.

Düsseldorf - NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) - von der Opposition, aber auch von Lehrer-, Schüler- und Elternvertretern wegen ihrer Corona-Politik bereits mehrfach angezählt - hat Verstärkung bekommen. „Die Schulen sind sichere Orte“, beteuerte in dieser Woche gleich mehrfach Ina Scharrenbach. Die CDU-Ministerin mischt sich ein, weil sie in Nordrhein-Westfalen unter anderem zuständig ist für Kommunales und Bau und somit eben für das Thema Luftfilter. Am Mittwoch machte sie erneut deutlich, dass das Land „eine ganze Menge“ auf den Weg gebracht und „mehrere Schutzschilder“ in den Schulen geschaffen habe. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Schulen in NRW: Wie sicher sind sie vor Corona? Was bringen Luftfilter?

So seien nach den Sommerferien, nach denen weiterhin umfassende Corona-Regeln in den Schulen gelten, weit über 95 Prozent der Schulräume in NRW sicher belüftbar - dank baulicher Maßnahmen, mobiler Luftfilter oder einfach durch Fenster, die zu öffnen sind. „Luftfilter ersetzen nicht das Lüften.“ Dieses Mantra vertrat die Ministerin nicht allein. Die Vertreter der kommunalen Spitzenverbände sowie der Direktor des Umweltbundesamts, Dr. Heinz-Jörn Moriske, unterstützten den Kurs der Landesregierung in Sachen Luftfilter.

So sagte Pit Clausen, Vorsitzender des Städtetages NRW und Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld: „Mobile Luftfilteranlagen sind nur eine Hilfskrücke.“ Flächendeckend Luftfilter einbauen zu wollen, sei nicht klug. Die Anlagen würden die Luft im Klassenraum nur umwälzen. Clausen kritisierte Lehrerinitiativen, die sagen würden: „Dann müssen wir nicht mehr öffnen und frieren.“ Für die hatte er eine klare Botschaft: „Nein, liebe Lehrer, ihr müsst die Fenster öffnen, auch im Winter.“ Umweltbundesamt-Chef Moriske versicherte, dass die Temperatur auch im Winter in den Schulen nicht mehr als zwei bis drei Grad sinkt, wenn die Lehrer korrekt, also nicht permanent, lüften.

Schulen in NRW: SPD fordert mehr Luftfilter - Umweltamt widerspricht

Der Bielefelder Clausen hat übrigens ein SPD-Parteibuch, befindet sich also im Widerspruch zur Landtagsfraktion seiner Partei. Deren schulpolitischer Sprecher Jochen Ott erneuerte am Mittwoch die Forderung, Luftfilter flächendeckend auszurollen. Nach wie vor seien in NRW die wenigsten Schulen mit Luftfilteranlagen oder mobilen Luftfiltergeräten ausgestattet. Die Schlussfolgerung der SPD in Düsseldorf lautet: „Die Landesregierung scheitert daran, eine krisenfeste Bildungspolitik in Zeiten von Corona umzusetzen, um unsere Schulen zu sicheren Orten des Lernens zu machen.“

Der Direktor des Bundesumweltamtes sah das anders. „Der Präsenzunterricht kann starten mit dem Instrumentarium, das wir haben“, so Moriske. Scharrenbach zählte die Schutzschilder auf: die klassischen AHA-Regeln, die Teststrategie und „sukzessive“ das Impfen gegen Corona. So sprach die Ministerin davon, dass die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung für das Impfen von Kindern weiterentwickeln werde. Was die Luftfilter betrifft: Hier würden weitere 90,4 Millionen Euro für Schulen und auch Kitas bereitstehen – wenn die Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund zustande kommt. An NRW scheitere diese nicht.

Die SPD vermisst aber noch mehr. Die Möglichkeit kleinerer Lerngruppen, das Abweichen vom Kurssystem, die Nutzung außerschulischer Lernorte, Quarantäne-Regeln, mobile Testteams sowie Impfmobile an den Schulen in NRW. „Es gibt keine Krisenmanagerin“, sagte Ott in Richtung Schulministerin Gebauer. Die will sich am Freitag äußern.

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa/Symbolbild

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