Corona-Strategie

Schulen und Kitas geschlossen - Virologe prangert Lockdown an: „Kollateralschäden bei Kindern“

Schulen und Kitas sind im Lockdown geschlossen. Klaus Stöhr, Virologe und SARS-Forschungskoordinator der WHO, ist Gegner dieser Corona-Schließung. Er erklärt, warum.

NRW - Die Corona-Politik in Deutschland und NRW findet nicht bei allen Anklang. Insbesondere die Schließung von Schulen und Kitas, die noch bis mindestens 14. Februar andauert, stößt einigen sauer auf. Zu den Kritikern des harten Lockdowns zählt auch der Münchner Virologe Klaus Stöhr. Ihm zufolge sollten Schulen und Kitas wieder ihre Pforten öffnen. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche34.110,26 km²
LandeshauptstadtDüsseldorf
Einwohnerzahl17.947.221 (31. Dezember 2019)

Schulen und Kitas im Corona-Lockdown: Virologe kritisiert Schließung

Aktuell sind Schulen und Kitas von den verschärften Corona-Regeln in NRW im Zuge des harten Lockdowns nicht ausgeklammert. Präsenzunterricht wird noch mindestens in den kommenden zehn Tagen aufgrund der aktuellen Maßnahmen nicht stattfinden können. Und danach? Sollten Schulen und Kitas wieder aufmachen?

Der Münchner Virologe Klaus Stöhr hat zumindest indirekt eine Antwort auf die Frage. So kritisiert der SARS-Forschungskoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Art und Weise der Schließungen von Schulen und Kitas. „Rechtfertigt der Vorteil, die Kindergarten- und Grundschulschließungen bringen, die dadurch entstehenden Kollateralschäden bei den Kindern und Jugendlichen? Aus meiner Sicht scheint das nicht der Fall zu sein“, sagt Stöhr im Interview mit merkur.de*, in dem er seine Bedenken an den coronabedingten Schul- und Kita-Schließungen äußert.

Seinen Fokus legt er dabei bewusst auf Grundschüler und Kita-Kinder - auf die Jüngsten eben. Denn seine Argumentation stützt sich auf die jüngste Viruswächter-Studie aus München. Demnach sei es zwar unstrittig, dass auch Kinder und Jugendliche zum Infektionsgeschehen beitragen. Der Anteil der Kinder am Infektionsgeschehen sei jedoch deutlich geringer als jener der Erwachsenen.

Zuvor habe schon eine groß angelegte Studie aus Baden-Württemberg gezeigt, dass Kinder Corona wesentlich seltener an Erwachsene weitergeben als Erwachsene untereinander. „Interessant ist auch das Zahlenverhältnis der Generationen: Auf der einen Seite gibt es in Deutschland 43 Millionen Berufstätige, auf der anderen Seite 8,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Schulen und 3,5 Millionen Kinder in Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen. Da stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Schließungen“, betont der Virologe.

Schließung von Schulen und Kitas im Corona-Lockdown: Klaus Stöhr glaubt nicht an Beachtung von Studie

Klaus Stöhr glaubt nicht, dass die Ergebnisse der Münchner Studie bei der Bundesregierung große Beachtung finden werden. Dafür gäbe es zu viele „Verfechter der verschärften Lockdown- und Schließungsstrategie“, so Stöhr. Seine Vermutung könnte sich bewahrheiten. Denn alles, was bislang vor dem Bund-Länder-Treffen am kommenden Mittwoch (10. Februar) durchsickert, klingt eher nach einer Verlängerung des Corona-Lockdowns.

Neben den von Stöhr angeprangerten Kollateralschäden bei Kindern und Jugendlichen kommt es in diesen Tagen zu Frust wegen freier Tage an den Schulen in NRW. Die geplanten beweglichen Feiertage an Karneval sorgen für Streit zwischen Lehrern und Eltern, die mit dem Homeschooling überfordert sind.

Bis einschließlich zum 14. Februar bleiben die Schulen für Präsenzunterricht geschlossen. Und danach?

Zwar gibt es seit Montag die Möglichkeit, eine sogenannte Notfallbetreuung in den Schulen in Anspruch zu nehmen, die Probleme vieler Eltern löst das allerdings nicht. Die Optionen der Kindesbetreuung sind für Eltern weiterhin limitiert.

Was bleibt, ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Schließungen von Schulen und Kitas. Und dahingehend hat Stöhr noch einen Appell an die Politiker: „Es wäre wichtig, dass eine Gruppe erfahrener Wissenschaftler die Fülle der Studien zu diesem Thema analysiert, ausgewogene Schlussfolgerungen zieht und die Politik berät.“ Dies sei momentan nicht der Fall. - *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Caroline Seidel / dpa

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