Präsenzunterricht

Schule in NRW nach Sommerferien: Luftfilter doch in allen Klassen? Das sagt Gebauer

Geht es in den NRW-Schulen nach den Sommerferien mit Luftfiltern und Impfungen für Kindern weiter? Yvonne Gebauer bezieht gegenüber unserer Redaktion Stellung.

Beckum – Die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen haben gerade erst begonnen, doch viele Politiker, Eltern und Schüler blicken wegen Corona bereits auf den Herbst. Wie kann Präsenzunterricht sicher und durchgehend stattfinden? Zu Luftfiltern und Impfungen äußerte sich NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Rande eines Termins in Beckum gegenüber unserer Redaktion. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche34.112 km²
Einwohner17.925.570 (31. Dezember 2020)
LandeshauptstadtDüsseldorf

Schule in NRW: Luftfilter doch in allen Klassen? Yvonne Gebauer (FDP) bezieht Stellung

Es herrscht Durchzug in der Sonnenschule. In der Grundschule der Stadt Beckum sind viele Türen und Fenster geöffnet. Kein Problem, bei einer angenehmen Außentemperatur von 22 Grad. Drinnen ist trotz Ferienzeit jede Menge los. Insgesamt 38 Kinder, verteilt auf drei Klassenräume, nehmen hier an der „Extra-Zeit zum Lernen“ teil. Mit 36 Millionen Euro fördert das Land Nordrhein-Westfalen Maßnahmen, mit denen die Folgen der Corona-Pandemie für Schüler abgemildert werden sollen. Ministerin Gebauer besucht in den Sommerferien solche Projekte. Den Auftakt macht die Sonnenschule. Luftfilter gibt es hier keine.

SPD und Grüne im NRW-Landtag, aber auch eine landesweite Elterninitiative fordern mit Blick auf die Delta-Variante und eine mögliche vierte Welle gerade in den Schulen Nordrhein-Westfalens, dass nicht nur jede Schule, sondern jeder Klassenraum mit einem mobilen oder stationären Lüftungssystem - kurz Luftfiltern - ausgestattet wird. Was sagt Gebauer dazu? Sie legt sich nicht fest, sondern antwortet im schönsten Beamtendeutsch: „Sollte es über die bestehenden Maßnahmen, wie testen und Maske tragen, hinaus erforderlich sein, um Präsenzunterricht zu gewährleisten, wird sich die Landesregierung dazu verhalten.“

Schule in NRW: Machen Luftfilter Präsenzunterricht nach den Sommerferien möglich?

Ein klares Nein hört sich anders an. Dabei hatte Gebauer in der vergangenen Woche im NRW-Landtag noch mit Verweis auf das Bundesumweltamt betont, dass die Luftfilter-Geräte in Schulen allenfalls als Ergänzung zum Lüften sinnvoll seien. Sie verwies zudem auf Kommunen wie Köln, die sich gegen eine flächendeckende Anschaffung ausgesprochen haben.

Schule in den Ferien: Mit dem Programm „Extra-Zeit zum Lernen“ will das Land NRW die Folgen der Pandemie für die Schüler abmildern. Schulministerin Yvonne Gebauer besuchte am Dienstag ein solches Projekt an einer Grundschule in Beckum.

Doch es scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Aus den Regierungsfraktionen von CDU und FDP kommen entsprechende Signale. Nach Informationen unserer Redaktion wird dort nicht mehr ausgeschlossen, dass Nordrhein-Westfalen den Kommunen Geld für Luftfilter in allen Schulräumen, also auch dort, wo man eigentlich lüften kann, zur Verfügung stellen wird. Zumindest für die Grundschulen, denn für die jüngeren Kinder unter zwölf Jahren gibt es bekanntlich keinen zugelassenen Impfstoff.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Bundestagswahl im September und die Landtagswahl im Mai 2022 gibt es Abgeordnete, die „das endlose Thema Luftfilter abräumen“ wollen. Erneute Pausen für den Präsenzunterricht oder gar Schulschließungen im Herbst und damit verärgerte Eltern sollen unbedingt vermieden werden.

Luftfilter-Anlagen an Schulen in NRW: Es gibt auch Gegner - Maskenpflicht wohl vorerst noch unabdingbar

Gleichwohl gibt es nicht nur Befürworter für Luftfilter. „Es muss schon inhaltlich Sinn ergeben“, sagt Beckums Bürgermeister Michael Gerdhenrich (parteilos). Er warnt vor dem Irrglauben, mit Luftfiltern könne man auf Masken verzichten. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) glaubt, dass Corona-Masken in den Schulen nur unter einer Bedingung wieder abgelegt werden sollten. Diese hat jedoch nichts mit Luftfiltern zu tun. Für die Leiterin der Beckumer Sonnenschule, Claudia Sander-Braunert, werfen Luftfilter Fragen auf: Wie groß sind die? Wie viel Lärm machen die? Große Anlagen, so ihre Sorge, könnten für Erstklässler beängstigend sein. Das Lüften funktioniere. Eine Kollegin trug im Winter einen Schwimmwärmemantel in der Klasse.

Desinfektionsmittel gibt es seit Corona in jedem Klassenzimmer. Vielen Eltern reicht das nicht, sie fordern für jeden Raum Luftfilter.

In NRW wurden bisher erst rund zehn Millionen Euro für die Beschaffung von mobilen Luftfiltergeräten und einfachen Instandsetzungen an Fensteranlagen für Schulen und Sporthallen bewilligt. Geld wäre also noch da.. Was das Impfen betrifft, bleibt die Landesregierung bei ihrem Kurs, in Schulen keine Impfungen anbieten zu wollen – im Gegensatz zu Israel. „Die Impfung ist eine Entscheidung, die Eltern, Kinder und Haus- oder Kinderärzte zusammen treffen“, betont Gebauer. Allerdings werde das Land seinen Anteil leisten und in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Informationsmaterial für den Unterricht vorbereiten. Ziel sei es, über das Impfen aufzuklären und Schüler und Eltern zu sensibilisieren.

SPD-Chef: „Land muss zahlen“

Neben den Grünen fordert auch die SPD Luftfilter für alle Klassenräume in NRW. „Wir brauchen doppelte Sicherheit“, sagte SPD-Chef Thomas Kutschaty. An den knappen Kassen in den Kommunen dürfe dies nicht scheitern. „Die Sicherheit von Schülern und Lehrern zu gewährleisten, ist vor allem Landesaufgabe. Das Land muss die Kosten übernehmen. Grundsätzlich und flächendeckend.“

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek/wa.de

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