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Schottergärten in NRW: Verbot gegen „Gärten des Grauens“ wird ausgeweitet

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Von: Katharina Bellgardt

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Praktische Gartengestaltung oder „Gärten des Grauens“? In Deutschland wird über Schottergärten viel diskutiert. In NRW wird das Verbot ausgeweitet.

Düsseldorf - An ihnen scheiden sich die Geister: Manche Hausbesitzer finden Schottergärten praktisch und schön, andere sehen in ihnen nur hässliche Steinwüsten. Mit „Gärten des Grauens“ gibt es sogar ein großes Facebook-Portal, dass sich der Aversion gegen Gärten, die auf Grün verzichten, gewidmet hat. Mittlerweile teilt Seitenbetreiber, Botaniker und Biologe Ulf Soltau dort auch sehr grüne „Gärten der Zukunft“. In NRW scheint zumindest die Zukunft von Schottergärten besiegelt zu sein.

Schottergärten: Verbot gegen „Gärten des Grauens“ wird in NRW verschärft

Die NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung - Ina Scharrenbach - hat angekündigt, dass die Landesbauordnung so verändert werden soll, dass Schottergärten aus Nordrhein-Westfalen verschwinden. „Zugepflasterte Grundstücke, die vermeintlich Gartenarbeit ersparen, passen nicht - weder gestern, noch heute, und auch nicht morgen“, sagte die Ministerin gegenüber der WAZ - auch im Hinblick auf die große Hitze in Deutschland.

Es gibt bereits ein Verbot für Schottergärten in der Bauordnung von NRW - und zwar bereits seit 2018. Die Städte gehen teilweise gegen die Gärten vor, da die Steine für versiegelte Flächen sorgen. Diese Flächen verhindern beispielsweise, dass Starkregen abfließen kann, zudem sorgen mehr versiegelte Flächen für höhere Umgebungstemperaturen. Zudem bieten sie keine Nahrung für Insekten

Versiegelte Flächen bei Starkregen und Hitze: NRW will Schottergärten-Verbot verschärfen

In NRW sind die einzelnen Kommunen für die Durchsetzung des Schottergärten-Verbots zuständig. Ihnen fehlen aber die klaren Rechtsgrundlagen, um das Verbot durchzusetzen. So begrüßt der nordrhein-westfälische Städtetag die Pläne von Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU). Die stellvertretende Geschäftsführerin Verena Göppert sagte: „Schottergärten erfreuen sich hoher Beliebtheit. Ökologisch sind sie aber ein Sündenfall. Sie versiegeln unnötig Fläche und bieten Flora und Fauna keinen Lebensraum.“ Wie schön die Verwandlung vom Steingarten zur Blühwiese sein kann, zeigt der jetzt bienenfreundliche Garten einer Familie aus Bönen.

Die stellvertretende Geschäftsführerin des NRW-Städtetags erklärte, dass die Begrünung und Bepflanzung von unbebauten Flächen der Baugrundstücke bereits jetzt vorgeschrieben sei, es jedoch Probleme gebe. Kommunen hätten bis 2019 das Schottergarten-Verbot über die Vorgarten-Satzungen konkretisieren können. Aktuell können die Städte und Gemeinde aber nur Satzungen für Wohngebiete verabschieden. Göppert: „Ob diese gültig sind, ist jedoch juristisch umstritten, weil das Bauordnungsrecht hier nicht eindeutig formuliert ist. Die vom Land angekündigte Klarstellung in der Bauordnung NRW ist deshalb richtig.“

Zudem hapert es an der praktischen Umsetzung: Laut Göppert wollen die Städte und Gemeinden keine „Gartenpolizei“ einrichten, die gezielt kontrolliert. Der NRW-Städtetag appelliert an die Vernunft der Menschen: „Niemand tut sich mit einem Schottergarten einen Gefallen. Über Geschmack lässt sich streiten, aber wer glaubt, mit mehr Steinen im Garten weniger Arbeit zu haben, irrt.“

In Emden hat das Ökowerk einen besonderen Wettbewerb veranstaltet: Vorgärten der Stadt wurden ausgewählt und zu insektenfreundlichen Orten umgestaltet, dafür hatte Emden die zehn „trostlosesten Schottergärten“ gesucht.

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